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Gold Rekordrally: +4,2% historischer Turbo

Wie konnte der Goldpreis Rally in wenigen Tagen um mehr als 4 Prozent nach oben schießen und neue Rekorde markieren? Welche Rolle spielen Zentralbanken, der schwache Dollar und Krypto-Gigant Tether in dieser beispiellosen Bewegung – und was heißt das für Anleger?

Gold Rekordrally mit glänzenden Barren im Tresor vor unscharfen grünen Kursbewegungen
Erwähnte Aktien
Gold Gold
$5.333,40 +4.16%
Stand: 17:33 MEZ

Warum explodiert der Goldpreis in der Rekordrally?

Am Mittwochnachmittag wird Gold (XAU) bei rund 5.333,40 US-Dollar je Unze gehandelt, ein Tagesplus von etwa 4,16 Prozent. Bereits in den vergangenen eineinhalb Wochen legte der Preis zeitweise um knapp 700 Dollar beziehungsweise rund 15 Prozent zu. Zuvor hatte Gold erstmals die psychologisch wichtigen Marken von 5.000 und 5.200 Dollar hinter sich gelassen und im asiatischen Handel Höchststände von über 5.260 Dollar markiert. Der aktuelle Schub setzt damit nahtlos an eine Gold Rekordrally an, die schon 2025 mit einem Preisanstieg von rund 65 Prozent begonnen hatte und seit Ende 2025 um weitere gut 22 Prozent nach oben geführt hat.

Im Zentrum steht der sogenannte Debasement-Trade: Investoren fliehen aus Staatsanleihen und Fiat-Währungen, allen voran dem US-Dollar, der auf ein Mehrjahrestief im Dollar-Index gefallen ist. Abfällige Kommentare von US-Präsident Donald Trump über die Dollar-Schwäche, Spekulationen über eine politisierte Federal Reserve sowie ein massiver Ausverkauf am japanischen Anleihemarkt verstärken die Sorge vor einer kommenden Staats- und Schuldenkrise. Weil Gold überwiegend in Dollar gehandelt wird, wirkt der schwächere Greenback wie ein Turbo – insbesondere für Anleger aus der Eurozone und den Schwellenländern.

Wie treiben Zentralbanken die Gold Rekordrally?

Ein zweiter zentraler Treiber der Gold Rekordrally sind die Zentralbanken. Von Peking bis Warschau schichten Notenbanken ihre Devisenreserven mit fast manischem Tempo in physisches Gold um. Monatlich fließen im Schnitt rund 60 Tonnen in die Tresore, zusätzlich plant etwa die polnische Notenbank allein in diesem Jahr den Zukauf von 150 Tonnen. Die chinesische Zentralbank meldet seit 14 Monaten in Folge steigende Bestände, während Marktbeobachter von deutlich höheren inoffiziellen Käufen ausgehen.

Insgesamt sollen Zentralbanken und ETF-Investoren im vergangenen Jahr mehr als 1.500 Tonnen Gold aufgenommen haben – ein historisch außergewöhnlicher Wert. Die Folgen sind sichtbar: Der Goldpreis ist seit 2025 um rund 65 Prozent gestiegen und hat sich seit Anfang 2025 in der Spitze sogar mehr als verdoppelt. Große Häuser wie Yardeni Research und die Deutsche Bank halten Goldpreise von bis zu 6.000 Dollar je Unze bereits 2026 und 10.000 Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts für möglich. Auch Citi zeigt sich für die nächsten Quartale klar bullish und verweist auf geopolitische Risiken, Angebotsengpässe und anhaltende Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed.

Goldpreis Rally Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Goldpreis Rally (XAUUSD) – 252-Tage-Chart

Welche Rolle spielt Tether in der Gold Rekordrally?

Einen neuen Faktor stellt der Krypto-Gigant Tether dar. Das Unternehmen, das hinter dem Stablecoin USDT steht, hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 70 Tonnen Gold zugekauft und hält inzwischen rund 140 Tonnen in einem Schweizer Atomschutzbunker – ein Bestand im Wert von grob 23 Milliarden Dollar. Damit ist Tether der größte bekannte Goldhalter außerhalb von Zentralbanken und Staaten. Nach eigenen Angaben kommen wöchentlich ein bis zwei Tonnen hinzu, finanziert aus den Gewinnen des Stablecoin-Geschäfts.

CEO Paolo Ardoino skizziert die Vision, Tether zu einer Art „Gold-Zentralbank der Zukunft“ auszubauen: mit einem goldgedeckten Stablecoin (XAUT) als Alternativmodell zur Dollar-Dominanz. Für den physischen Markt bedeutet dies eine neue, stetige Nachfragequelle neben Notenbanken und klassischen ETF-Anlegern. Die Käufe von Tether dürften bereits einen spürbaren Beitrag zur Gold Rekordrally geleistet haben, erhöhen aber zugleich das Systemrisiko, da Verluste im Goldportfolio die Deckung von USDT schwächen könnten.

Was bedeutet die Gold Rekordrally für Anleger?

Die Rally in Edelmetallen verläuft inzwischen in einem Tempo, das an die späten 1970er Jahre erinnert. Silber notiert nahe 115 bis 117 Dollar je Unze und liegt seit Jahresbeginn fast 60 Prozent im Plus, nachdem der Preis bereits 2025 um rund 150 Prozent gestiegen war. Das Gold-Silber-Ratio war zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise gefallen, was kurzfristig wieder für Outperformance von Gold sprechen könnte. Parallel erreichen Goldminen-ETFs und Produzentenaktien neue Allzeithochs, profitieren aber von einem Umfeld, in dem physisches Metall im Vordergrund steht.

Gold sendet derzeit ein unübersehbares Warnsignal, dass sich die Vertrauenskrise im US-Dollar und in Staatsanleihen zuspitzt – und genau daraus speist sich die Gold Rekordrally.
— Redaktion
Fazit

Technisch ist Gold so überkauft wie zuletzt 2020, als im Anschluss eine Korrektur von nahezu 20 Prozent folgte. Dennoch verweisen Analysten wie Suki Cooper von Standard Chartered auf ein weiter intaktes Aufwärtspotenzial: Eine taubenhaft agierende Fed, ausufernde Staatsverschuldung und geopolitische Spannungen – vom Iran über Venezuela bis zum Streit um Grönland – halten die Nachfrage nach sicheren Häfen hoch. Für Privatanleger bedeutet das Umfeld, dass Engagements in XAU und physischem Gold zwar weiter von der Gold Rekordrally profitieren, aber zwingend mit erhöhter Volatilität und der Gefahr kräftiger Rücksetzer einhergehen.