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NASDAQ schwächer: Banken und Industrie ziehen an

KURZ & KNAPP

Der NASDAQ und der S&P 500 geraten nach der jüngsten Fed-Zinssenkung unter Druck, während Value- und Finanzwerte an Bedeutung gewinnen. Strategen diskutieren eine mögliche Trendwende weg von hoch bewerteten Tech- und KI-Titeln. Parallel sorgt die Wette der Notenbanker auf steigende Produktivität durch KI für Diskussionen. Im Hintergrund bleibt die Sorge, dass zu schnelle Lockerungen neue Inflationsrisiken schaffen könnten.

Im KI-Sektor rücken Nvidia und Intel in den Mittelpunkt, da China ein großes Chip-Förderpaket plant und Intel über eine Übernahme von SambaNova verhandelt. Am Kryptomarkt pendelt Bitcoin seitwärts, während Dogecoin nach einem technischen Rücksetzer um eine wichtige Unterstützungszone ringt. Zudem beschäftigen Cyberangriffe auf Asahi, regulatorischer Druck auf australische Supermärkte und die strategische Neuausrichtung von Tokyo Gas die Märkte.

In Asien zeigen der Nikkei 225, der Hang Seng und der China A50 ein gemischtes Bild, belastet von Zinsunsicherheit und schwachen Konjunktursignalen aus China. Die Energie- und Versorgungssicherheit bleibt durch Projekte von Tokyo Gas in den USA und die Debatte um russische Gasimporte ein Thema. Anleger blicken zudem auf anstehende US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten, die den weiteren Kurs der Federal Reserve und die Zinslandschaft prägen könnten.

RÜCKSPIEGEL

LETZTE WOCHE

US-Aktien beendeten die vergangene Woche schwächer, wobei vor allem Tech- und KI-Werte unter Druck standen und sich Anleger in Richtung Value- und Finanzaktien umorientierten. NASDAQ 100 und S&P 500 gaben im regulären Handel um rund -1,5% bzw. -1,0% nach, der Dow Jones verlor etwa -0,25%, obwohl der S&P 500 am Donnerstag noch ein Rekordhoch bei 6.901 Punkten markiert hatte. Belastend wirkten die schwächeren Earnings von Broadcom, die den hohen Erwartungen im KI-Bereich nicht gerecht wurden, sowie gemischte Signale der Federal Reserve zur weiteren Zinspolitik. Anleihemärkte zeigten eine Outperformance kurzfristiger gegenüber langfristigen Laufzeiten, während der Dollar unter Druck blieb und Investoren vermehrt auf den anstehenden US-CPI und Arbeitsmarktdaten für November blicken, die den Zinsausblick für 2026 prägen dürften.

Im Tech-Sektor richtete sich der Fokus außerdem auf strukturelle Themen: Der Chipsektor schwächte sich ab, unter anderem weil Nvidia trotz US-Genehmigung für den Export seines H200-KI-Chips nach China Gegenwind spürt, da China diese Chips zugunsten eigener Lösungen ablehnt. Parallel dazu befindet sich Intel in fortgeschrittenen Gesprächen zur Übernahme des KI-Chip-Startups SambaNova Systems für rund 1,6 Milliarden US‑Dollar, was den Wettbewerb im KI-Hardware-Ökosystem verschärfen könnte. Am Kryptomarkt blieb die Stimmung fragil: Bitcoin pendelte um 89.600, die großen Altcoins notierten überwiegend im Minus, wobei Dogecoin nach einem technischen Bruch unter eine wichtige Unterstützung in einen Kapitulationsverkauf rutschte, sich dann aber an der Marke von 0,1372 US‑Dollar stabilisierte. Insgesamt verstärkten dünne Liquidität und Gewinnmitnahmen zum Jahresende die Ausschläge in Risikoassets.

ASIEN

In Asien zeigten sich die Börsen gemischt: Der japanische Nikkei 225 legte leicht um +0,06% auf 50.231 Punkte zu, während der Hang Seng um -0,23% auf 25.628 Punkte nachgab und der China A50 ebenfalls -0,23% auf 15.149,00 verlor. Die Rotation weg von US-Tech und die Unsicherheit über die globale Zinslandschaft dämpften die Risikobereitschaft, zumal Händler in China auf neue Aktivitätsdaten warten, die eine anhaltend schwache Konsum- und Investitionsdynamik signalisieren dürften, während die Industrieproduktion von festerer Exportnachfrage profitiert. In Australien fiel der ASX 200 um rund -0,6%, belastet durch regulatorischen Druck auf den Börsenbetreiber und eine Kapitalauflage von 150 Millionen AUD für die ASX. Zusätzlich standen die Supermarktketten Coles und Woolworths unter Druck, da sie sich mit strengerer Aufsicht über ihre Lebensmittelpreise und neuen Regeln gegen Preismissbrauch konfrontiert sehen.

Unter den Einzeltiteln rückten in Japan vor allem Versorger- und Industriewerte in den Fokus: Tokyo Gas, Japans größter Brennstoffverteiler, kündigte an, stärker in US-Downstream-Anlagen zu investieren, insbesondere in Schiefergasprojekte in Osttexas sowie in LNG-Verflüssigungsanlagen und Exportterminals, um die Profitabilität zu steigern und die Energieversorgungskette zu stärken. Dabei betonte das Unternehmen die fortgesetzte Bedeutung russischer Gasimporte für die Versorgung Japans, trotz internationalen Drucks, und verfolgt eine breit angelegte Diversifikationsstrategie über Länder, Vertragsstrukturen und Lieferrouten. Ebenfalls im Fokus steht Asahi, nachdem ein Ransomware-Angriff im September zentrale Geschäftssysteme in Japan lahmgelegt und die Bier- und Alkoholumsätze im November um -20% gedrückt hatte; das Management erwartet Störungen bis ins nächste Jahr und prüft die Einrichtung eines neuen Cybersicherheitsteams sowie einen Zero-Trust-Ansatz. Vor der anstehenden Entscheidung der Bank of Japan warten Anleger zudem auf die nationalen VPI-Zahlen, da der Markt mit einer Zinserhöhung in diesem Monat rechnet.

DIE 5 WICHTIGSTEN STORYS

FED, ZINSKURVE & ROTATION: Value-Finanzwerte übernehmen das Ruder

Die US-Aktienmärkte erlebten zum Wochenschluss eine tech-getriebene Korrektur, während sich eine markante Rotation in Value- und Finanzwerte abzeichnete. NASDAQ und S&P 500 verloren am Freitag rund -1,5% beziehungsweise -1,0%, obwohl der S&P 500 am Donnerstag noch ein Rekordniveau von 6.901 Punkten erreicht hatte. Strategen berichten, dass vor allem Finanz-, Industrie- und energiebezogene Titel im Dezember zu den relativen Gewinnern zählen und sich als „Trade des Monats“ herauskristallisieren. Parallel dazu senkte die Federal Reserve ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,50–3,75%, was am Markt gemischte Reaktionen auslöste und die Zinskurve in den Fokus rückte. Kurzfristige US-Staatsanleihen übertrafen die langfristigen Laufzeiten, was die Skepsis gegenüber dem längerfristigen Wachstumspfad und die Unsicherheit über den weiteren Inflationsverlauf widerspiegelt.

Die Notenbanker senden dabei kein einheitliches Signal: Einige Fed-Vertreter betonen, dass die Zinsen trotz des jüngsten Schrittes restriktiv bleiben müssen, während andere die Schwäche des Arbeitsmarktes hervorheben und damit die Tür für weitere Lockerungen öffnen. Die jüngsten Wirtschaftsprognosen der Fed zeichnen ein „Goldilocks“-Szenario mit solidem Wachstum, stabiler Arbeitslosenquote und anhaltender Disinflation, was auf eine starke Wette auf beschleunigtes Produktivitätswachstum, insbesondere durch KI, im nächsten Jahr hinausläuft. Gleichzeitig warnen Beobachter, dass ohne signifikante Produktivitätsgewinne weder deutlich niedrigere Zinsen noch nicht-inflationäres Wachstum erreichbar wären und stattdessen Kapazitätsengpässe drohen. Im Hintergrund steht die Sorge, dass eine zu aggressive Lockerungspolitik – wie sie die Futures mit einer weiteren Zinssenkung bis April 2026 einpreisen – zu einer Neuauflage eines 1970er-Jahre-artigen Inflationsszenarios führen könnte. Zudem könnte eine Rückkehr sehr günstiger Finanzierung die Hauspreise wieder stark nach oben treiben und neue Ungleichgewichte schaffen.

Für Anleger bedeutet dieses Umfeld, dass die bisher dominante KI- und Wachstumsstory stärker hinterfragt wird und Portfolios vermehrt in Richtung Value, Finanzen und klassische Zykliker umgeschichtet werden. Kurzfristig liegt der Fokus auf den anstehenden US-CPI- und Arbeitsmarktdaten für November, die bei einer Inflationsrate von erwarteten 3,1% und einer Arbeitslosenquote nahe 4,4% Signale zur weiteren Zinsbahn liefern dürften. Eine Fortsetzung der Rotation zugunsten von Banken und Industrie wäre konsistent mit einer Versteilerung des kurzen Endes der Zinskurve und einem schwächeren Dollar. Gleichzeitig mahnt die Diskrepanz zwischen den optimistischen Fed-Projektionen und den realen Arbeitsmarkt- und Inflationsrisiken zur Vorsicht bei übermäßig riskanten Wachstumspositionen. Trader sollten die Entwicklung der Renditen am kurzen Ende, die Reaktion der Finanzwerte sowie etwaige Hinweise auf Produktivitätsfortschritte genau beobachten, da hiervon maßgeblich abhängt, ob die aktuelle Value-Rallye zum Jahresende nachhaltigen Charakter gewinnt.

KI-ÖKOSYSTEM UNTER DRUCK: Nvidia, Intel & die globale Chip-Machtprobe

Der KI-Chip-Sektor geriet zum Wochenausklang deutlich unter Druck, obwohl die strukturelle Wachstumsgeschichte intakt bleibt. Nvidia verlor rund -3%, obwohl die USA den Export des H200-KI-Chips nach China erlaubt haben, was an sich als Entlastung für den Sektor hätte wirken können. Der Kursrückgang spiegelt die Sorge wider, dass China die H200-Chips zugunsten eigener Entwicklungen ablehnt und damit die adressierbare Nachfrage für Nvidia in einem wichtigen Markt schmälert. Gleichzeitig wurde bekannt, dass China ein massives Anreizpaket von bis zu 70 Milliarden US‑Dollar zur Förderung der heimischen Chipindustrie erwägt, was die Wettbewerbsdynamik im globalen Halbleitermarkt verschärft. Auf der anderen Seite befindet sich Intel in fortgeschrittenen Gesprächen zur Übernahme des KI-Chip-Startups SambaNova Systems für etwa 1,6 Milliarden US‑Dollar inklusive Schulden, um seine Position im KI-Beschleuniger-Markt zu stärken.

Die Maßnahmen Pekings zielen darauf ab, die Abhängigkeit von ausländischen Halbleitern zu verringern und lokale Champions wie Huawei und Cambricom zu stützen. Das geplante Subventionspaket, dessen Volumen zwischen 28 und 70 Milliarden US‑Dollar liegen könnte, bewegt sich am unteren Ende in der Größenordnung des US-CHIPS Act und würde diesen im Maximalszenario sogar übertreffen. Eine solche Förderung würde die Kosten für Endkunden chinesischer Chips reduzieren und die Kosten-Nutzen-Relation von Nvidias H200 im Vergleich unattraktiver machen. Die US-Seite versucht unterdessen, mit Exportkontrollen die modernsten Technologien zu schützen, erlaubt aber selektiv Lieferungen, um chinesische Anbieter herauszufordern und Markteinfluss zu behalten. Marktstrategen verweisen darauf, dass die jüngste Korrektur im KI-Handel eher als Neubewertung der kurzfristigen Gewinne denn als Ende der strukturellen Story zu verstehen ist, zumal Angebot an High-End-Chips und Rechenzentrums-Kapazitäten weiterhin knapp ist.

Für Investoren verschiebt sich der Fokus hin zu einem breiteren Blick auf das gesamte KI-Ökosystem, zu dem nicht nur Chipdesigner wie Nvidia und mögliche Herausforderer wie Intel/SambaNova zählen, sondern auch Datenmanagement-Spezialisten, Rechenzentrumsbetreiber, Cloud-Infrastrukturanbieter und Energieversorger. Analysten verweisen darauf, dass der Nasdaq trotz der starken Performance mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund dem 35‑fachen deutlich unter den Bewertungsniveaus der Dotcom-Blase liegt, die zwischen dem 75‑ und 90‑fachen lagen, und damit Spielraum für weitere Gewinne bieten könnte, falls die erwarteten Produktivitätszuwächse eintreten. Die Wette der Fed und vieler Marktteilnehmer auf beschleunigtes Produktivitätswachstum im Jahr 2026 setzt voraus, dass sich die massiven KI-Investitionen spätestens dann in Cashflows und Margen niederschlagen. Kurzfristig müssen Anleger jedoch mit erhöhter Volatilität im Sektor rechnen, da geopolitische Spannungen, Subventionswettläufe und Regulierungsrisiken für Bewertungsabschläge sorgen können. Selektives Engagement in Qualitätsnamen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und ein wacher Blick auf politische Entscheidungen in Washington und Peking dürften für die Performanceentscheidungen im kommenden Jahr entscheidend sein.

Crypto zwischen Fed-Cut und Tech-Rotation: Bitcoin stabil, Meme-Coins wackeln

Die Kryptomärkte starteten mit einer defensiven Tendenz in die letzte volle Handelswoche des Jahres, belastet durch eine breitere Risikoaversion in Tech- und Wachstumswerten. Bitcoin fiel zuletzt um etwa -0,5% auf rund 89.600 und pendelt damit knapp über den Tiefs der Vorwoche, während Ether bei etwa 3.120 gehandelt wurde. Die meisten größeren Tokens lagen im Minus, wobei XRP, Solana und Dogecoin Verluste von bis zu -2% verzeichneten. Marktteilnehmer verweisen auf das Zusammenspiel aus dem jüngsten 25-Basispunkte-Zinsschnitt der Fed auf 3,50–3,75%, Bewertungsängsten im US-Techsektor und dünner Liquidität zum Jahresende als Hauptgründe für die Zurückhaltung. Obwohl Bitcoin-ETFs weiterhin per saldo Zuflüsse verzeichnen und die Fed über Re-Investitionen zusätzliche Liquidität in den Markt gibt, mangelt es aktuell an Momentum, um neue Hochs anzulaufen.

Besonders volatil zeigte sich Dogecoin, das nach der Fed-Entscheidung unter eine wichtige technische Unterstützung rutschte und eine klassische Kapitulationsphase durchlief. Die Schlüsselmarke bei 0,1407 US‑Dollar wurde am 12. Dezember deutlich unterschritten, wobei das Volumen um +348% ansprang und auf zwangsgetriebene Liquidationen statt auf normale Gewinnmitnahmen hindeutete. In der Spitze fiel DOGE auf 0,1372 US‑Dollar, bevor Käufer einsetzten und eine V-förmige Gegenbewegung einleiteten, die von abnehmenden Volumina begleitet wurde. Diese Struktur deutet darauf hin, dass der unmittelbare Verkaufsdruck nachlässt, auch wenn die übergeordnete Trendstruktur angeschlagen bleibt. Analysten sehen Dogecoin nun an einem technischen Scheideweg: Ein Halten der Marke von 0,1372 US‑Dollar würde für eine Konsolidierung sprechen, während ein Bruch den Weg in Richtung 0,1354 US‑Dollar eröffnen könnte.

Übergeordnet bleibt die Stimmung im Kryptomarkt laut Marktbeobachtern „tief negativ“, wobei viele Trader angesichts des schwächeren Oktobers und der Tech-Korrektur im US-Aktienmarkt abwarten. Jahrend-Effekte, Positionsbereinigungen und dünne Orderbücher könnten kurzfristig für überproportionale Ausschläge in beide Richtungen sorgen, ohne dass dies zwingend fundamentale Veränderungen widerspiegelt. Einige Strategen sehen in Bitcoin und Ether aktuell eher Hedge- und Rebalancing-Instrumente gegenüber illiquideren Altcoins, die bei Risikoabbau überproportional verloren haben. Die Kombination aus fortgesetzten ETF-Zuflüssen, potenziell weiterer Liquiditätsunterstützung durch Zentralbanken und einer möglichen Erholung der Risikobereitschaft zu Jahresbeginn 2026 könnte jedoch mittelfristig für ein konstruktiveres Umfeld sorgen. Trader sollten daher kurzfristige Volatilität nicht überinterpretieren, zentrale Unterstützungszonen wie die 0,137 US‑Dollar-Marke bei DOGE genau beobachten und ihre Positionsgrößen dem reduzierten Liquiditätsumfeld anpassen.

Tokyo Gas & Japans Energie-Matrix: US-Schiefergas, LNG und russische Importe im Fokus

Tokyo Gas, Japans größter Brennstoff- und Gasversorger, stellt seine globale Beschaffungsstrategie neu auf und rückt stärker in US-Downstream-Geschäfte vor. Das Unternehmen plant, vermehrt in Anlagen am unteren Ende der Wertschöpfungskette zu investieren, darunter Schiefergasprojekte in Osttexas, LNG-Verflüssigungsanlagen, Exportterminals und Energiedienstleister. Ziel ist es, die Profitabilität bestehender Upstream-Engagements zu erhöhen und das letzte Glied der Energieversorgungskette zu stärken. Für die nächste mittelfristige Phase hat das Management die Sicherung solider Erträge aus den bestehenden Investitionen zur Priorität erklärt und will über zusätzliche Asset-Käufe erst nach sorgfältiger Prüfung der Marktbedingungen entscheiden. Parallel dazu prüft Tokyo Gas eine Beteiligung an einem LNG-Projekt in Alaska, das aufgrund der geografischen Nähe zu Japan und des Wegfalls geopolitischer Engpässe in den Transportwegen als strategisch attraktiv gilt.

Die geplante Expansion ist eingebettet in eine dreisäulige Diversifikationsstrategie, die auf eine Streuung über Länder und Projekte, verschiedene Vertragstypen (lang- und kurzfristig; unterschiedliche Preisindizes) sowie alternative Lieferrouten abzielt. Während sich die Beschaffungsströme traditionell stark auf die Asien-Pazifik-Region konzentrierten, blickt das Unternehmen nun verstärkt auf die Atlantikseite, um zusätzliche Versorgungskanäle zu erschließen. Trotz des internationalen Drucks, russische Energielieferungen zu reduzieren oder einzustellen, betont Tokyo Gas die anhaltende Bedeutung von Sachalin-Gas für die stabile Versorgung Japans. Das Management verweist darauf, dass jede Entscheidung über eine mögliche Reduktion russischer Importe in enger Abstimmung mit der japanischen Regierung getroffen werde und aktuell kein unmittelbarer Handlungsdruck gesehen wird. Diese Haltung unterstreicht das Spannungsfeld zwischen geopolitischen Erwägungen und Versorgungssicherheit in einer Zeit, in der viele Länder ihre Energiestrategien neu ordnen.

Für Investoren und Energietrader ist die Neupositionierung von Tokyo Gas ein Gradmesser für den Umbau der asiatischen Gas- und LNG-Flüsse. Die Fokussierung auf profitablere Downstream-Assets könnte mittelfristig zu einer stabileren Ertragsbasis führen, zumal die Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas in Asien hoch bleibt und Japan seine Energieunabhängigkeit diversifizieren will. Gleichzeitig erhöht der Einstieg in zusätzliche US- und potenziell Alaskanische Projekte die Exponierung gegenüber US-Regulierung, Preisvolatilität und möglichen Umweltauflagen. Der Verbleib russischer Gasvolumina im Portfolio könnte zwar kurzfristig Versorgungssicherheit gewährleisten, birgt aber politische Risiken, falls sich der internationale Druck verstärkt. Insgesamt signalisiert Tokyo Gas, dass es seine Rolle nicht nur als klassischer Versorger, sondern als aktiver Portfolio-Manager entlang der gesamten Wertschöpfungskette versteht – ein Ansatz, der bei erfolgreicher Umsetzung Bewertungsaufschläge rechtfertigen könnte, aber sorgfältig hinsichtlich geopolitischer und Markt-Risiken beobachtet werden sollte.

Cyberangriff auf Asahi: Produktionsstopp, Umsatzschock und Sicherheits-Umbau

Asahi, einer der größten Getränke- und Braukonzerne Japans, kämpft weiterhin mit den Folgen eines schweren Ransomware-Angriffs, der im September die Kerngeschäftssysteme in Japan lahmlegte. Die Attacke führte dazu, dass wesentliche Produktions-, Logistik- und Vertriebssysteme zeitweise eingefroren wurden und das Unternehmen viele Prozesse nur eingeschränkt oder manuell abwickeln konnte. In der Folge brachen die Bier- und Alkoholumsätze im November um rund -20% ein, ein deutlicher Einschnitt in einem traditionell wichtigen Absatzmonat. Das Management rechnet damit, dass die Störungen bis ins nächste Jahr hinein andauern werden, bevor sich die operativen Abläufe vollständig normalisieren. Die aktuelle Phase wird intern als Übergang bis zur geplanten „Wiederaufbauphase“ beschrieben, die erst nach der Stabilisierung der Kernsysteme vollständig beginnen kann.

Als Reaktion auf den Angriff erwägt Asahi die Gründung eines neuen, dedizierten Cybersicherheitsteams, das die Sicherheitsarchitektur des Konzerns grundlegend überarbeiten soll. Das Unternehmen verfolgt einen Zero-Trust-Ansatz und plant, klassische VPN-Strukturen schrittweise abzuschaffen, um seitliche Bewegung von Angreifern im Netzwerk zukünftig zu verhindern. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Cyberangriffen auf globale Industrie- und Konsumgüterkonzerne ein und unterstreicht die Verwundbarkeit auch physisch verankerter Geschäftsmodelle gegenüber digitalen Bedrohungen. Die unmittelbaren Umsatzverluste durch Produktions- und Lieferengpässe werden durch erhöhte Sicherheitsausgaben in den kommenden Quartalen ergänzt, was temporär auf Margen und Cashflows drücken dürfte. Zugleich könnte ein glaubwürdiger Sicherheitsumbau das Vertrauen von Handelspartnern, Kunden und Investoren mittelfristig stärken.

Für Marktteilnehmer ist der Fall Asahi ein Lehrstück dafür, wie schnell Cyberrisiken reale Umsatz- und Gewinnschäden verursachen können und wie konsequent Unternehmen darauf reagieren müssen. Investoren dürften in den nächsten Quartalen genau beobachten, wie schnell Asahi seine Systeme wieder vollständig hochfährt und welche einmaligen sowie laufenden Kosten aus der Sicherheitsumstellung entstehen. Kurzfristig könnten die Aktien von erhöhter Unsicherheit über den genauen finanziellen Schaden und die Dauer der Beeinträchtigungen belastet bleiben. Mittel- bis langfristig kann ein erfolgreich implementiertes Zero-Trust-Modell jedoch zu einem Wettbewerbsvorteil werden, insbesondere in einem Umfeld, in dem Handelspartner zunehmend Wert auf nachweisbare Cyberresilienz legen. Der Fall stützt zudem die Investmentthesen im Bereich Cybersicherheit, da er zeigt, dass selbst etablierte Blue Chips gezwungen sind, signifikant in Schutzmaßnahmen zu investieren – ein struktureller Rückenwind für spezialisierte Sicherheitsanbieter.

KURZNEWS

  • ASX – ASX Ltd.: Die australische Börsenbetreiberin steht unter Druck, nachdem die Aufsicht eine zusätzliche Kapitalanforderung von 150 Millionen AUD verhängt hat. Der ASX 200 fiel im frühen Handel um rund -0,6%, zeitweise sogar -0,7%, was die Belastung durch regulatorische Unsicherheit widerspiegelt.
  • COL – Coles: Die australische Supermarktkette gerät wegen ihrer Lebensmittelpreispolitik in den Fokus der Behörden. Neue Vorschriften zur Unterbindung überhöhter Preise könnten die Marge belasten und erfordern eine Anpassung der Preissetzung und Kommunikation gegenüber Verbrauchern.
  • WOW – Woolworths (AU): Auch Woolworths sieht sich verschärfter Überwachung bei der Preisgestaltung von Lebensmitteln ausgesetzt. Regulatorische Eingriffe zur Begrenzung möglicher Überpreise könnten kurzfristig auf die Profitabilität drücken und erhöhen den Druck, Effizienzgewinne in der Lieferkette zu heben.
  • WBD – Warner Bros. Discovery: Die Aktie legte in der vergangenen Woche um rund +16% zu, da der Markt eine mögliche Bieterschlacht erwartet. Paramount Skydance erwägt, sein Übernahmeangebot um bis zu +10% zu erhöhen, um den geplanten Fusionsdeal von Warner mit Netflix zu durchkreuzen.
  • PARA – Paramount Skydance: Paramount Skydance lotet eine deutliche Aufstockung seines Gebots für Warner Bros. aus, um sich strategisch besser im Streaming-Wettbewerb zu positionieren. Ein höheres Angebot könnte jedoch die eigene Bilanz stärker belasten und erhöht den Druck, Synergien rasch zu realisieren.
  • NFLX – Netflix: Netflix steht im Zentrum der Spekulationen um einen möglichen Fusionsdeal mit Warner Bros. Discovery. Die Aussicht auf Konkurrenzangebote von Paramount Skydance nähren Erwartungen an steigende Transaktionsprämien und eine weitere Konsolidierung im Streaming-Sektor.
  • WFRONT – Wealthfront: Das Fintech-Unternehmen sammelte bei seinem Nasdaq-IPO rund 484 Millionen US‑Dollar ein. CEO David Fortunato betont den Fokus auf junge Anleger mit einem Medianalter von 23–24 Jahren, niedrige Gebühren, globale Diversifikation und steueroptimierte Strategien.
  • LULU – Lululemon: Die Aktie sprang im vorbörslichen US-Handel um etwa +10–10,5%, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose angehoben hatte. Der angekündigte Rücktritt von CEO Calvin McDonald im Januar wird von Analysten als Chance für einen strategischen Neustart und neue Innovationsimpulse gesehen.
  • PFE – Pfizer: Pfizer verweist auf positive Studiendaten zu seinem RSV-Impfstoff, der schwangeren Frauen verabreicht wird. In einer 2022 veröffentlichten Studie zeigte der Ansatz eine Wirksamkeit von fast 70% bei der Verhinderung schwerer Symptome bei Säuglingen unter sechs Monaten.
  • RBLX – Roblox: Die Aktie von Roblox steht nach einer Herabstufung durch J.P. Morgan von „Overweight“ auf „Neutral“ unter Druck.
  • CRYPTO – Circle, Ripple, BitGo: Fünf Kryptofirmen, darunter Circle, Ripple und BitGo, erhielten vorläufige Genehmigungen, ausgewählte Bankfunktionen in den USA anzubieten. Sie dürfen Kundengelder in Verwahrung nehmen, sind jedoch nicht vollständig als traditionelle Banken lizenziert.
  • ANC – Anchorage Digital: Anchorage Digital bleibt die erste und bislang einzige föderal gecharterte Krypto-Bank in den USA. Das Unternehmen erwartet, dass langfristig nahezu jede US-Bank in irgendeiner Form zu einer Krypto-Bank wird und positioniert sich entsprechend als Infrastrukturanbieter.
  • SPCX – SpaceX (privat): SpaceX könnte 2026 einen der größten Börsengänge weltweit hinlegen, nachdem sich die Unternehmensbewertung von 400 Milliarden auf 800 Milliarden US‑Dollar verdoppelt hat. Für Alphabet, das seit 2015 investiert ist, entstehen dadurch erhebliche unrealisierte Buchgewinne.
  • GOOGL – Alphabet: Alphabet profitiert doppelt von der KI-Euphorie und seiner frühzeitigen Beteiligung an SpaceX. Das Unternehmen, zunächst als Nachzügler im KI-Rennen wahrgenommen, hat die Marktmeinung gedreht und zählt wieder zu den zentralen Gewinnern des KI-Infrastrukturtrends.
  • UIP – UiPath: UiPath meldet ein starkes Wachstum mit einem Annual Recurring Revenue von über 1,8 Milliarden US‑Dollar, ausgehend von nahezu Null im Jahr 2017. Das Unternehmen bedient mehr als die Hälfte der Fortune 500 und setzt im Vertrieb auf eine klare ROI-Argumentation, während die Aktie dieses Jahr um fast +40% gestiegen ist.
  • NATH – Krypto-Marktstruktur (2026-Ausblick): Bloomberg-Analyst Nathan Dean erwartet 2026 ein „enormes Jahr“ für Krypto, getrieben durch Stablecoin-Regulierung, Entscheidungen von SEC und CFTC sowie ein mögliches breites Marktstrukturgesetz mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70% für das erste Halbjahr. Besonders profitieren könnten Protokolle wie Ethereum und Solana, da Stablecoins ihre Infrastruktur verstärkt nutzen dürften.

KALENDER Firmen & Unternehmen

In dieser Woche richten sich die Blicke der Märkte auf zwei zentrale Themen: KI & Infrastruktur sowie Konsum & Einzelhandel. Auf der Technologieseite stehen insbesondere Micron (MU) und Jabil (JBL) im Fokus. Micron gilt als wichtiger Profiteur des KI-Booms, da der Bedarf an High-End-Speicher für Rechenzentren und KI-Anwendungen weiter steigt. Ergänzend liefern Zahlen von Accenture (ACN) Hinweise auf die Investitionsbereitschaft von Unternehmen in digitale Transformation.

Auf der Konsumseite sind die Ergebnisse von Nike (NKE) und Birkenstock (BIRK) entscheidend für die Stimmung im Einzelhandel. FedEx (FDX) fungiert zudem als Frühindikator für den globalen Warenverkehr und damit für die Konsumnachfrage insgesamt.

IM BLICKPUNKT

  • J.P. Morgan zu RBLX – Roblox: Abstufung von „Overweight“ auf „Neutral“, da die Analysten begrenztes Aufwärtspotenzial sehen und auf Herausforderungen bei Nutzerbindung und Buchungen verweisen.
  • J.P. Morgan zu LULU – Lululemon: Aufstufung auf „Overweight“, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose angehoben hat und der CEO-Wechsel als positiver Katalysator für einen strategischen Neustart gewertet wird.
  • Strategen-Kommentar zu KI-Sektor (Mag 7 / Nasdaq): Mehrere Analysten widersprechen der These einer KI-Blase und verweisen darauf, dass der Nasdaq aktuell beim etwa 35‑fachen Gewinn handelt, verglichen mit 75–90 in der Dotcom-Ära, während die „Mag 7“ rund 20 % ihres Umsatzes in KI investieren und um 30–35 % wachsen.
  • Makro-Strategen zu KI-Produktivität & Fed: Analysten betonen, dass die jüngsten Fed-Projektionen („Goldilocks“-Mix) eine Wette auf beschleunigtes Produktivitätswachstum im nächsten Jahr darstellen und warnen, dass ohne diese Effizienzgewinne weder deutlich niedrigere Zinsen noch nicht-inflationäres Wachstum möglich sind.
  • Politik- und Marktanalysten zu China-Semiconductors: Experten heben hervor, dass Chinas geplantes Anreizpaket von 28–70 Milliarden US‑Dollar für die Chipindustrie die Kosten heimischer Anbieter wie Huawei senken und die Wettbewerbsposition von Nvidias H200-Chip im Kosten-Leistungs-Vergleich schwächen könnte.


DAX vor Alltime-High und Oracle: KI-Zweifel belasten Datencenter – Broadcom & Nvidia

KURZ & KNAPP

Oracle und Broadcom stehen wegen schwächerer KI- und Datencenter-Signale unter Beobachtung. Analysten kritisieren Einmaleffekte in der Gewinnrechnung und warnen vor überdehnten Capex-Plänen. Zugleich bleiben Zweifel an der Tragfähigkeit der hochgehebelten KI-Infrastruktur. Die Federal Reserve sorgt mit erneuten Zinssenkungen und zusätzlichen T-Bill-Käufen für reichlich Liquidität und Fragen nach Systemrisiken.

An den US-Börsen erzeugt die Rotation von Tech hin zu Industrie-, Finanz- und Value-Titeln spürbare Verschiebungen. Edelmetalle wie Gold und vor allem Silber sowie Industrierohstoffe wie Kupfer markieren markante Marken, während Öl und Gas technisch uneinheitlich wirken. Kryptowährungen wie Bitcoin bleiben trotz Rücksetzern in einem übergeordneten Aufwärtstrend.

In Europa klettert der DAX auf neue Rekordbereiche, getragen von Zyklikern wie Siemens, Daimler Truck und Bilfinger. Auch Konsum- und Sportartikelwerte wie Adidas, Puma und Nike melden sich zurück. Strategen heben zudem die Bedeutung von Emerging Markets, der globalen Rohstoffstory und der anhaltenden Debatte um Staatsverschuldung und Refinanzierungsbedarf der USA hervor.

AUSBLICK US-Märkte

  • Diverse Analysten zu KI- und Cloud-Sektor (u.a. ORCL, AVGO, KI-Infra): Nach den enttäuschenden Ergebnissen von Oracle und Broadcom warnen mehrere Häuser vor einem möglichen „Platzen der KI-Datencenter-Blase“ und sehen die Qualität der Gewinne – etwa bei Broadcoms EPS, das ohne Einmaleffekte eher bei 0,46 US-Dollar statt 1,95 US-Dollar liegen soll – kritisch. Investoren werden zu mehr Selektivität und Fokus auf solide Cashflows statt aggressiv fremdfinanzierter Capex-Storys aufgerufen.
  • Makro- und Bankenstrategen zur Fed und US-Finanzsystem: Kommentatoren interpretieren die neuen T-Bill-Käufe der Fed in Höhe von rund 40 Milliarden US-Dollar pro Monat und die Aufhebung der 500-Milliarden-Grenze für die Standing Repo Facility als Zeichen latenter Spannungen im Bankensystem. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass rund 80% der US-Gesamtschulden bis 2026 refinanziert werden müssen, was die Rolle der Fed als Käufer und Stabilisator von Staatsanleihen weiter aufwertet.
  • Rohstoff-Analysten zu Silber: Marktbeobachter stellen fest, dass Silber gemessen an verschiedenen Indikatoren – inklusive des Silber-zu-S&P-500-Verhältnisses – so überkauft ist wie seit 45 Jahren nicht mehr. Trotz eines weiterhin positiven strukturellen Ausblicks sehen sie kurzfristig erhöhtes Rückschlagsrisiko und empfehlen vorsichtiges Positionsmanagement.
  • Strategen zu Emerging Markets (JP Morgan): JP Morgan stuft Emerging Markets als dauerhaftes Kernthema bis mindestens 2026 ein, mit erwarteten Wachstumsraten von etwa 2,0% für die USA, 1,5% für die EU, 4–5% für China und 3,3% für EM ex-China. Die Bank betont, dass massive KI-Investitionen, US-Steuersenkungen und eine nur temporär starke Dynamik in China (vor allem im ersten Halbjahr 2026) die relative Attraktivität ausgewählter Schwellenländer erhöhen.
  • Strategen zu Rohstoffen allgemein: Einige Häuser sehen Rohstoffe in einem strukturellen Aufwärtstrend, da sie zentrale Inputfaktoren der technologischen Transformation sind und die Preisseite im Energiesektor nach unten begrenzt erscheint. Besonders im Fokus stehen neben Öl auch Metalle wie Kupfer, dessen jüngster Rekordlauf als Indikator für stärkere Nachfrage nach Ende des Fed-Zinserhöhungszyklus gewertet wird.

DIE 5 WICHTIGSTEN STORYS

DAX auf Rekordkurs: Jahresendrallye, Branchenrotation und zyklische Gewinner

Der DAX 40 hat in den vergangenen Tagen einen massiven Kursschub erlebt und dabei den Abwärtstrend vom Allzeithoch klar nach oben durchbrochen. Der Index kletterte auf rund 24.300 Punkte und ließ die psychologisch wichtige Marke von 24.000 deutlich hinter sich, beflügelt von der US-Zinssenkung und einer freundlichen Stimmung an den asiatischen Tech-Märkten. Aktuell notiert der DAX um 24.4 und visiert kurzfristig die Marke von 24.500 Punkten an; im weiteren Verlauf bis Jahresende sehen Trader gutes Potenzial für ein Anlaufen des Allzeithochs bei 24.771 Punkten. Ein Wochenschluss über 24.400 wird als starkes technisches Signal gewertet, das die Chancen auf eine Verlängerung der Rallye nach Norden deutlich erhöht.

Besonders interessant ist die Branchenrotation, die sich parallel zur Bewegung in den USA zeigt. Während der techlastige Nasdaq teilweise im Minus tendiert, gewinnen zyklische und dividendenstarke Titel im DAX an Bedeutung. Die jüngste Leitzinssenkung der Fed sowie steigende Anleiherenditen – etwa 4,15–4,17% in den USA – begünstigen klassische Zykliker und Industriedienstleister wie Bilfinger, die durch das Überwinden charttechnischer Widerstände neue Kaufsignale geliefert haben. Auch große Industrie-Bluechips wie Siemens werden als Profiteure eines erwarteten Konjunkturaufschwungs gesehen und könnten nach Ansicht von Analysten bis Jahresende wieder Kurse um 250 Euro erreichen. Hinzu kommen Nutzfahrzeughersteller wie Daimler Truck mit Kurszielen von 42 bis im Best Case 45 Euro, die die zyklische Erholung bereits im Kursverlauf widerspiegeln.

Aus saisonaler Sicht kommt dem DAX zugute, dass der Index historisch besonders starke Monate im Januar, April, Juli und Dezember aufweist, was die Hoffnung auf eine Jahresend-Rallye trotz anhaltender Skepsis am Markt nährt. Statistisch sind neue Allzeithochs im Dezember gut untermauert, sofern das technische Bild intakt bleibt und Schlüsselunterstützungen – insbesondere 24.200 und 24.150 – nicht signifikant unterschritten werden. Der sehr niedrige VDAX um 15,09 deutet zudem auf eine Rallye ohne große Pausen hin, könnte aber bei unerwarteten Schocks schnell anspringen. Für Trader bleibt der DAX damit ein klar bullischer Markt, in dem Rücksetzer eher als Einstiegschancen gesehen werden. Strukturell profitieren neben Industriewerten auch ausgewählte Konsum- und Luftfahrtaktien, etwa Lufthansa, die von ungebrochener Reiselust und einem möglichen Ausbruch über den Widerstand bei 8,30–8,35 Euro träumt, was ein technisches Ziel bis 9,20–9,50 Euro eröffnen würde.

Rotation nach der Fed: Von Tech zur Old Economy – Dow stark, Nasdaq wackelt

Die dritte Zinssenkung der Federal Reserve in Folge hat die große Sektor-Rotation an der Wall Street weiter befeuert. Während die großen US-Indizes neue oder nahe Allzeithochs markierten, stieg der Dow Jones am Donnerstag um mehr als 600 Punkte, getrieben von Industriewerten, Materialien und Finanztiteln. Gleichzeitig gerieten Technologie– und Kommunikationsdienstleister unter Druck, was sich insbesondere in schwächeren Nasdaq-Futures widerspiegelt, die vor der heutigen US-Eröffnung mit bis zu -0,56% im Minus liegen. Die Rotation weg von hoch bewerteten Tech-Namen wird von manchen Marktteilnehmern als Trend gesehen, der sich bis 2026 fortsetzen könnte, vor dem Hintergrund höherer Zinsen, steigender Kapitalbindung und einer Neubewertung der KI-Euphorie.

Fundamental wird diese Entwicklung durch ein Umfeld getragen, in dem monetäre und fiskalische Stimuli weiterhin aktiv sind, aber die Renditen am langen Ende – etwa die 10-jährige US-Treasury mit 4,17% – eine attraktive Alternative zu riskanten Growth-Stories bieten. Gleichzeitig verweisen Strategen auf einen möglichen „Superzyklus“ bei Investitionsausgaben, M&A-Aktivitäten und Infrastruktur, der vor allem klassischen Zyklikern und Finanzwerten zugutekommen soll. Die S&P 500 liegt auf Jahressicht nahe einem Plus von +20% – zum dritten Mal in Folge –, wobei die Marktbreite zuletzt zunahm und nicht mehr ausschließlich von Mega-Cap-Tech getrieben wird. Historische Daten zeigen zudem, dass Zinssenkungszyklen bei robustem Wachstum häufig Rückenwind für Aktien liefern, auch wenn das Bewertungsniveau bereits anspruchsvoll ist.

Für Trader bedeutet die aktuelle Konstellation, dass reine Tech- und KI-Beta-Strategien erstmals seit Monaten ernsthafte Konkurrenz durch Value- und Zykliker-Allokationen bekommen. Das Argument, ein überkaufter Markt müsse zwangsläufig sofort korrigieren, wird von einigen Häusern explizit zurückgewiesen: Überkaufte Zustände könnten laut ihnen eher eine Bedingung darstellen, die über längere Zeit anhalten kann, anstatt ein direktes Verkaufssignal. Kurzfristig könnte die Underperformance des Nasdaq anhalten, solange Enttäuschungen bei Einzelwerten wie Oracle und Broadcom nachwirken und Anleger Gewinne in Highflyern realisieren. Mittel- bis langfristig rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob Investoren ihre Portfolios stärker diversifizieren und Cashflows aus Gewinnersektoren wie Industrie, Energie und Finanzwerte nutzen, um Rücksetzer in qualitativ hochwertigen Wachstums- und KI-Werten selektiv einzukaufen.

Fed schneidet Zinsen, pumpt Liquidität – Rallye auf Rekordständen, aber Systemfragen nehmen zu

Die US-Notenbank hat ihre dritte Zinssenkung in Folge vollzogen und zugleich die Wachstumsprognose leicht nach oben sowie die Inflationserwartung moderat nach unten angepasst, was die Risikofreude an den Märkten weiter angeheizt hat. Gleichzeitig startete die Fed am 12. Dezember mit monatlichen Käufen von etwa 40 Milliarden US-Dollar in kurzlaufenden Staatsanleihen (T-Bills), um das Finanzsystem zu stützen und Banken zusätzliche Liquidität zu verschaffen. Parallel wurde die Obergrenze von 500 Milliarden US-Dollar für die Standing Repo Facility aufgehoben – ein Notfenster, an das sich Institute wenden, wenn sie anderweitig keine Refinanzierung mehr bekommen. Die unmittelbare Reaktion an den Geldmärkten war ein deutlicher Rückgang der SOFR-Rate auf etwa 3,9%, den niedrigsten Stand seit drei Jahren, was auf eine Entspannung im kurzfristigen Funding deutet.

Hinter der offensichtlichen Börsen-Euphorie sehen einige Marktbeobachter aber auch Alarmzeichen. Zum einen ist die Margin Debt, also die Verschuldung auf Wertpapierdepots, auf einem absoluten Rekordhoch, was auf eine außergewöhnlich hohe Hebelung im System hindeutet. Zum anderen weist die Fed-Liquiditätsoffensive darauf hin, dass die Notenbank angesichts der Tatsache, dass rund 80% der US-Gesamtschulden bis 2026 refinanziert werden müssen, einen reibungslosen Ablauf am Markt für Staatsanleihen sicherstellen will. Kritische Stimmen sprechen bereits von zwei parallelen Spielfeldern: einer verdeckten Bankenrettung und einer Unterstützung der Regierung bei der massiven Neuemission von Schuldtiteln. Hinzu kommen interne Differenzen im FOMC, wo etwa Austin Goolsbee für eine Zinspause plädierte, während andere Mitglieder aus Sorge um den Arbeitsmarkt weitere Lockerungsschritte rechtfertigten.

Trotz dieser Spannungsfelder bleiben Aktien auf oder nahe Allzeithochs, was die Frage aufwirft, wie nachhaltig der aktuelle Bullenmarkt ist, wenn er durch geldpolitische Stützungsmaßnahmen und hohe Hebelung angetrieben wird. Sollte das Vertrauen in die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen oder in die Funktionsfähigkeit der Geldmärkte erodieren, könnten die derzeitigen Liquiditätsspritzen als Frühindikator für tieferliegende Systemrisiken interpretiert werden. Für Anleger erhöht sich damit die Bedeutung eines konsequenten Risikomanagements: Neben einer sektoral breiter aufgestellten Aktienallokation rücken Liquiditätsqualität, Laufzeitenstruktur bei Anleihen und das Exposure zu hoch verschuldeten Vehikeln stärker in den Fokus. Kurzfristig überwiegt zwar der Rückenwind durch die Fed und die Aussicht auf weitere, wenn auch moderatere Zinssenkungen im kommenden Jahr, doch mittel- bis langfristig steigt die Abhängigkeit der Märkte von einer fortgesetzten Bereitschaft der Notenbank, als Sicherheitsnetz für Banken- und Staatsschulden zu fungieren.

KI-Infrastruktur unter Druck: Oracle-Enttäuschung, Broadcom-Schock und Zweifel an der Datacenter-Rallye

Die hochgejubelte KI-Datencenter-Story bekommt erste tiefe Risse: Nach den als „Desaster“ bezeichneten Zahlen von Oracle hat nun auch Broadcom Anleger deutlich enttäuscht. Broadcom meldete zwar auf den ersten Blick einen GAAP-Profit von 8,5 Milliarden US-Dollar, doch darin steckte eine einmalige Steuergutschrift von 3 Milliarden US-Dollar, wodurch der „reale“ Gewinn pro Aktie nur bei etwa 0,46 US-Dollar liegen soll statt der kommunizierten 1,95 US-Dollar. Besonders kritisch bewertet wurde der vage Ausblick für das AI-Chip-Geschäft: CEO Hock Tan sprach von einem Auftragsbestand von 73 Milliarden US-Dollar an AI-Produkten über die nächsten sechs Quartale, ohne jedoch einen klaren Jahresumsatz für das Segment zu nennen. Zudem sollen die Umsätze mit neuen XPU-Lösungen erst zwischen 2027 und 2029 in nennenswerter Höhe anlaufen, nicht schon 2026, wie von vielen Investoren erhofft.

Bei Oracle sorgten bereits zuvor hohe Investitionspläne in KI-Infrastruktur bei gleichzeitig enttäuschenden Prognosen für eine deutliche Ausweitung der Credit Default Swaps und wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Mehrere Analysten warnen inzwischen, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur zunehmend über Fremdkapital finanziert wird und die Margen unter Druck geraten: KI bringe zwar enormen Volumen-Zuwachs, „fresse“ aber den Profit. Datenzentren entwickelten sich von Cashflow-Maschinen zu hochgehebelten Finanzvehikeln, was Parallelen zu früheren Phasen exzessiver Finanzinnovation aufwerfe. Dazu kommt die Kritik an „zirkulären Deals“ im AI-Ökosystem – etwa bei Nvidia und OpenAI –, bei denen Beteiligungen und Gegengeschäfte die Transparenz der tatsächlichen Nachfrage und Profitabilität verwässern könnten; selbst Microsofts AI-Chef beobachtet diese Strukturen sehr genau.

Auf Makro-Ebene verschärfen Energie- und Infrastrukturengpässe die Zweifel an einer friktionslosen Skalierung der KI-Revolution: Während China derzeit an 30 Atomreaktoren baut, wurden in den USA in jüngerer Zeit keine neuen Projekte dieser Größenordnung gestartet, und immer mehr Energievorhaben für Rechenzentren werden wegen steigender Strompreise storniert. Das wirft die Frage auf, ob die ambitionierten KI-Capex-Pläne überhaupt physisch und wirtschaftlich umsetzbar sind, ohne die Profitabilität massiv zu beeinträchtigen. Für Investoren bedeutet das keinen Abgesang auf KI als Langfrist-Thema – viele Häuser sehen den strukturellen Trend über 10–15 Jahre weiter intakt –, aber eine klare Mahnung zur Selektivität. Anstatt blind auf die nächsten Posterchilds zu setzen, rückt eine breitere Sicht auf das Ökosystem in den Vordergrund, inklusive asiatischer Zulieferer in Süd Korea, Japan und ASEAN, die in Assembly & Testing tätig sind. Kurzfristig könnte aber das Narrativ eines „Platzens der KI-Datacenter-Blase“ die Bewertungsfantasie vieler Highflyer begrenzen und Volatilität deutlich erhöhen.

Rohstoffe im Fokus: Rekord-Gold, Silber-Extrem, Öl- und Kupferpreissignale

Am Rohstoffmarkt häufen sich Signale eines neuen Aufschwungs, angeführt von Gold, das jüngst ein neues Allzeithoch markiert hat. In einem vierstündigen Chartbild hat der Goldpreis den entscheidenden Widerstand der sogenannten „Welle 1“ nach oben durchbrochen, was technisch als klares Kaufsignal gilt. Analysten, die bereits long positioniert sind, haben ihre Stopps über den Einstiegskurs nachgezogen, um Gewinne zu sichern, und sehen damit den Trend eindeutig bestätigt. Parallel dazu ist Silber in einen historischen Extrembereich gelaufen: Nach Einschätzung eines Marktbeobachters ist Silber so überkauft wie seit 45 Jahren nicht mehr, wenn man etwa das Verhältnis Silber zu S&P 500 betrachtet.

Auch bei Industrierohstoffen zeigt sich eine deutliche Dynamik. Kupfer hat ein frisches Rekordhoch markiert, mit Notierungen von rund 11.940 US-Dollar je Tonne und damit nahe der Marke von 12.000 US-Dollar. Der Preisanstieg um +0,6% allein am Berichtstag krönt eine dreiwöchige Rallye, die durch eine Kombination aus knappem Angebot und der Erwartung höherer Nachfrage nach der Fed-Zinssenkung getrieben wird. Vorziehende Lieferungen in die USA vor möglichen neuen Trump-Tarifen auf Kupfer verknappen das Angebot im Rest der Welt zusätzlich. Beim Öl wiederum hat sich der Preis von seinem niedrigsten Schlusskurs seit fast zwei Monaten erholt, gestützt durch eine vom IEA erstmals seit Monaten nach oben angepasste Einschätzung des Marktausgleichs.

Die Diskrepanz zwischen physischem Markt und „Papiermarkt“ bleibt dabei ein zentrales Thema: Laut Analystin Sara Bakshuri reagieren Algorithmen hochsensibel auf Nachrichten und Schlagzeilen, wodurch die Preisbildung manchmal stärker von Sentiment als von realen Flussdaten bestimmt wird. Dennoch habe OPEC durch marktbasierte Entscheidungen und eine realitätsnahe Datapolitik wesentlich zur vergleichsweise geringen Volatilität bei Öl im Jahr 2025 beigetragen – trotz geopolitischer Spannungen in der Ukraine, verschärfter US-Sanktionen gegen Venezuela und globaler Wachstumssorgen. Für Investoren sehen einige Häuser Rohstoffe insgesamt in einem strukturellen Aufwärtstrend, da sie zentrale Inputfaktoren für die technologische Transformation – von Elektromobilität bis hin zu Rechenzentren – darstellen. Gleichzeitig warnen Techniker bei Silber vor der Gefahr einer Korrektur aus einem extrem überkauften Zustand und erwarten im Edelmetallkomplex zwischenzeitliche Rücksetzer, bevor der übergeordnete Bullenmarkt weiterläuft. Im Energiesegment bleibt WTI charttechnisch „auf der Kippe“, weshalb viele Trader nur auf klare Signale agieren, während Natural Gas nach einem heftigen Absturz erst die Ausbildung einer Welle-B-Gegenbewegung abwarten, bevor neue Short- oder Long-Setups attraktiv erscheinen.

KURZNEWS

  • BTC – Bitcoin: Die größte Kryptowährung notiert nach einem Rückgang von -0,67% bei rund 92.235 US-Dollar und hält sich weiterhin in einem intakten Aufwärtstrend. Analysten erwarten bei einem Bruch des Wochenhochs im Bereich 94.000–95.000 US-Dollar weiteres Potenzial, während die Zone um 90.000 US-Dollar als wichtige Unterstützung gilt, gestützt durch ETF-Zuflüsse und institutionelle Nachfrage.
  • MUV2 – Münchener Rück: Die Aktie des Rückversicherers liegt in einem Cap-Zertifikat (VK 3 8 L 9) rund +35% im Plus und notiert aktuell bei etwa 562,20 Euro, also oberhalb des Cap-Niveaus von 550 Euro mit einer Maximalrendite von +28% im Zertifikat. Trotz Einstufungen US-amerikanischer Analysten als „Hold“ oder „Reduce“ und einer Überbewertung über dem ermittelten fairen Wert überzeugt das Unternehmen mit einem Gewinnsprung von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf über 6 Milliarden Euro in nur vier Jahren.
  • BFL – Bilfinger: Die Aktie des Industriedienstleisters gilt als Profiteur des erwarteten Konjunkturaufschwungs in Deutschland, den die Deutsche Bank mit einem Wachstum von rund +1,5% veranschlagt. Bilfinger hat jüngst den Widerstand aus dem Oktober überwunden und damit ein technisches Kaufsignal generiert, was weiteren Spielraum nach oben eröffnet.
  • SHL – Siemens Healthineers / SIE – Siemens (Fokus Siemens): Siemens als klassischer Zykliker könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern bis zum Jahresende wieder Kurse um 250 Euro erreichen. Die Aktie profitiert von der zyklischen Erholung und der Renaissance industrieller Investitionen, die durch niedrigere Zinsen und verstärkte Infrastrukturprogramme unterstützt werden.
  • DTG – Daimler Truck: Der Nutzfahrzeughersteller gefällt Analysten charttechnisch sehr gut, mit einem Kursziel von rund 42 Euro, was etwa +10% Potenzial bedeutet. Im Best-Case-Szenario werden in den kommenden Wochen Kurse bis 45 Euro (rund +18–20%) für möglich gehalten, da sich die Konjunkturerholung im Kursverlauf widerspiegelt.
  • LHA – Lufthansa: Die Airline profitiert weiterhin von einer ungebrochenen Reiselust und könnte bei einem Ausbruch über den Widerstand bei 8,30–8,35 Euro technisch Luft bis in den Bereich von 9,20–9,50 Euro haben. Trader sehen hier ein Aufwärtspotenzial von etwa +12–13% in den kommenden Wochen und erwägen kleine Trading-Positionen.
  • DOUG – Douglas: Der Parfümerie- und Beautykonzern nähert sich einem massiven charttechnischen Widerstand und steht daher auf vielen Watchlists. Ein nachhaltiger Sprung über die Marke von 13 Euro würde ein Kaufsignal mit Kurszielen zwischen 14 und 14,50 Euro liefern, wobei das kommende Weihnachtsgeschäft als zusätzlicher Kurstreiber gesehen wird.
  • BMW – BMW: Die Aktie des Münchener Autobauers ist zuletzt wieder gefragt, gestützt durch eine neue Modellpalette und eine Neubewertung des Verbrenner-Themas in der EU. Ein signifikanter Kursanstieg über 91 Euro wurde zunächst von einer Konsolidierung gefolgt, dennoch wird BMW aktuell sogar als „Hotstock“ im Aktionär-Magazin geführt.
  • ADS – Adidas: Nach einem schwachen Jahr zählt die Aktie zu den Verlierern, hat aber in der Zone zwischen 155 und 160 Euro eine solide Unterstützungsbasis ausgebildet. Aktuell greift Adidas die Marke von 165–166 Euro an; bei einem positiven Wochenschluss werden Erholungen in Richtung 175–188 Euro erwartet, unterstützt von starken Zahlen des US-Konkurrenten Lululemon, insbesondere aus China.
  • PUM – Puma: Puma profitiert von einem optimistischen Branchenausblick und der Erwartung, dass sich auch andere Sportartikelhersteller stabilisieren. Ein laufendes Zertifikat (MM5 NGN) auf die Aktie liegt bereits rund +5,5% im Plus, während Kursziele im Bereich von 22,80–23,00 Euro sowie potenzielle Übernahmefantasie die Story abrunden.
  • SU – Schneider Electric: Der französische Elektrotechnik- und Infrastrukturspezialist wird von Analysten als Wert mit sehr großem Kurspotenzial gesehen. In einem gehebelten Produkt (MM5 NGN, Hebel knapp 4) liegt die Position rund +13,5% im Plus, während Häuser wie Bernstein Research das Kursziel auf 275 Euro angehoben haben (aktueller Kurs etwa 240 Euro), gestützt auf eine starke Position im lukrativen Rechenzentrumsmarkt.
  • NKE – Nike: Die Aktie des Sportartikelriesen zeigt nach mehreren schwachen Jahren seit der Pandemie Anzeichen eines Turnarounds und legte zuletzt um knapp +3% zu. Analysten sehen ein Kurspotenzial von rund +22% bis etwa 83 US-Dollar, mit besonders bullischen Szenarien, die Kurse bis 120 US-Dollar ins Spiel bringen, während die kommenden Quartalszahlen am 18. Dezember als Weichensteller für 2026 gelten.
  • LLY – Eli Lilly: Die Aktie des Pharmakonzerns verzeichnete nach der Vorstellung eines neuen, noch wirksameren Abnehm-Medikaments einen Rückgang von etwa -10%. Dennoch bleibt der übergeordnete Trend klar aufwärtsgerichtet: Seit August hat die Aktie insgesamt um +40–50% zugelegt, was die hohe Erwartungshaltung des Marktes an das Adipositas-Geschäft widerspiegelt.
  • COST – Costco: Der Discounter übertraf in seinen jüngsten Zahlen die Erwartungen, insbesondere bei den Same-Store-Sales. Das Wachstum basiert allerdings weniger auf Konsumfreude als auf einem durch Inflation und Preisdruck erzwungenen Sparverhalten der Kunden, die gezielt nach günstigen Angeboten suchen und größere, effizientere Einkäufe tätigen – ein Muster, das auch Walmart und Dollar Tree zeigen.
  • LULU – Lululemon: Nach CEO-Abgang und Berichten über interne Machtkämpfe legte die Aktie kurzfristig deutlich zu und schnitt besser ab als befürchtet. Strukturell erkennen Analysten allerdings typische Spätzyklusphänomene: interne Konflikte um Strategie und Markenidentität könnten darauf hindeuten, dass das Wachstum in eine reifere Phase eintritt.
  • TLRY – Tilray (Cannabis-Sektor): Cannabis-Aktien wie Tilray steigen im vorbörslichen US-Handel stark, Tilray liegt nach Medienberichten um etwa +28% im Plus. Auslöser sind Signale, dass US-Präsident Trump Marihuana von der höchsten Risikostufe auf eine niedrigere umstufen will, was Vertrieb, Besteuerung und Zugang zu Bankdienstleistungen für den Sektor erleichtern könnte.
  • ASML – ASML: Der CEO des europäischen Chipmaschinenbauers bezeichnet das aktuelle KI-Investitionsumfeld als „Arms Race“, sieht aber keine Blase im Sektor. Zugleich warnt er, dass Europa beim globalen Halbleitergeschäft mit nur 1–2% Marktanteil klar zurückliegt und fordert deutlich bessere Rahmenbedingungen, um das Ökosystem wieder stärker auf den Kontinent zu holen.
  • SPACE – SpaceX (privat): Elon Musk hat Berichte bestätigt, dass SpaceX im Jahr 2026 an die Börse gehen will, und reagierte damit auf einen Kommentar, wonach nun der richtige Zeitpunkt für ein IPO sei. Über die Bewertung kursieren Spekulationen von bis zu 1,5 Billionen US-Dollar, wobei Musk selbst Schätzungen von 800 Milliarden US-Dollar zurückwies; sein Anteil von über 40% könnte damit höher bewertet sein als seine Beteiligung an Tesla.

KALENDER Firmen & Unternehmen

EARNINGS

UnternehmenTickerEventZeitpunktErwartungVorheriger Wert

MAKRO

Land/RegionIndikatorZeitpunktErwartungVorheriger WertWichtigkeit

IM BLICKPUNKT

  • Diverse Analysten zu KI- und Cloud-Sektor (u.a. ORCL, AVGO, KI-Infra): Nach den enttäuschenden Ergebnissen von Oracle und Broadcom warnen mehrere Häuser vor einem möglichen „Platzen der KI-Datencenter-Blase“ und sehen die Qualität der Gewinne – etwa bei Broadcoms EPS, das ohne Einmaleffekte eher bei 0,46 US-Dollar statt 1,95 US-Dollar liegen soll – kritisch. Investoren werden zu mehr Selektivität und Fokus auf solide Cashflows statt aggressiv fremdfinanzierter Capex-Storys aufgerufen.
  • Makro- und Bankenstrategen zur Fed und US-Finanzsystem: Kommentatoren interpretieren die neuen T-Bill-Käufe der Fed in Höhe von rund 40 Milliarden US-Dollar pro Monat und die Aufhebung der 500-Milliarden-Grenze für die Standing Repo Facility als Zeichen latenter Spannungen im Bankensystem. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass rund 80% der US-Gesamtschulden bis 2026 refinanziert werden müssen, was die Rolle der Fed als Käufer und Stabilisator von Staatsanleihen weiter aufwertet.
  • Rohstoff-Analysten zu Silber: Marktbeobachter stellen fest, dass Silber gemessen an verschiedenen Indikatoren – inklusive des Silber-zu-S&P-500-Verhältnisses – so überkauft ist wie seit 45 Jahren nicht mehr. Trotz eines weiterhin positiven strukturellen Ausblicks sehen sie kurzfristig erhöhtes Rückschlagsrisiko und empfehlen vorsichtiges Positionsmanagement.
  • Strategen zu Emerging Markets (JP Morgan): JP Morgan stuft Emerging Markets als dauerhaftes Kernthema bis mindestens 2026 ein, mit erwarteten Wachstumsraten von etwa 2,0% für die USA, 1,5% für die EU, 4–5% für China und 3,3% für EM ex-China. Die Bank betont, dass massive KI-Investitionen, US-Steuersenkungen und eine nur temporär starke Dynamik in China (vor allem im ersten Halbjahr 2026) die relative Attraktivität ausgewählter Schwellenländer erhöhen.
  • Strategen zu Rohstoffen allgemein: Einige Häuser sehen Rohstoffe in einem strukturellen Aufwärtstrend, da sie zentrale Inputfaktoren der technologischen Transformation sind und die Preisseite im Energiesektor nach unten begrenzt erscheint. Besonders im Fokus stehen neben Öl auch Metalle wie Kupfer, dessen jüngster Rekordlauf als Indikator für stärkere Nachfrage nach Ende des Fed-Zinserhöhungszyklus gewertet wird.


Broadcom: KI-Boom treibt Umsatzsprung – Alphabet & Nvidia

KURZ & KNAPP

Broadcom übertrifft mit starken Quartalszahlen und einem kräftigen Ausblick die Erwartungen, der KI-Umsatz soll sich verdoppeln. Dennoch gibt die Aktie nach, da die Bewertung nach einem langen Höhenflug als anspruchsvoll gilt. Parallel dazu weitet sich die Rallye an der Wall Street aus, Small Caps und der gleichgewichtete S&P 500 markieren Rekordstände. Die Rotation weg von Mega-Caps wie Alphabet, Nvidia und Tesla hin zu breiter aufgestellten Segmenten prägt das Bild.

Die jüngste Fed-Zinssenkung und Erwartungen an fiskalische Impulse beflügeln die Marktbreite und stützen zyklische Sektoren. Diskutiert wird das Spannungsfeld zwischen sinkenden Kurzfristzinsen und möglichem Druck am langen Ende der Anleiherenditen durch hohe Defizite. Branchenstories reichen von der unter Druck stehenden, aber sich neu sortierenden Luftfahrt bis zu strukturellen Trends in Mobilität, Energieeffizienz und Wärmepumpen.

In Asien orientieren sich Nikkei 225, Hang Seng und China A50 an der positiven US-Vorlage und profitieren von Konjunkturhoffnungen. Makroseitig bleibt die Zinskurve ein zentrales Thema, während ein stärkerer US-Dollar und die Entwicklung bei Gold und Silber genau beobachtet werden. Europäische Klimaanpassung, steigender Kühlbedarf und der Ausbau effizienter Gebäudetechnik gewinnen ebenfalls an Bedeutung.

RÜCKSPIEGEL

US NACHBOERSE

An der Wall Street setzte sich der Rekordlauf fort: Dow Jones und S&P 500 markierten neue Allzeithochs, während der NASDAQ 100 leicht im Minus schloss, belastet von schwächeren Mega-Caps. Die Marktbreite war sehr stark, da neben dem klassisch gewichteten auch der S&P 500 gleichgewichtet neue Rekordstände erreichte. Besonders auffällig war der Russell 2000, der um +1,3% zulegte und ein frisches Rekordhoch markierte; auch Mid Caps (S&P 400) und Micro Caps erreichten neue Höchststände. Investoren spielen zunehmend ein Reflations- und Breiten-Szenario, gestützt durch Erwartungen an fiskalische Impulse und mögliche finanzielle Deregulierung im kommenden Jahr.

Im Fokus der Nachbörse stand AVGO – Broadcom, nachdem das Unternehmen seine Zahlen für das vierte Quartal vorlegte: Umsatz von 18,02 Mrd. US‑Dollar übertraf den Konsens von 17,47 Mrd. US‑Dollar, das EPS von 1,95 US‑Dollar lag klar über den erwarteten 1,86 US‑Dollar. Noch wichtiger war der Ausblick: Für das erste Geschäftsquartal 2026 stellt Broadcom rund 19,1 Mrd. US‑Dollar Umsatz in Aussicht, etwa +28% Wachstum zum Vorjahr und deutlich über den Markterwartungen; der KI-Umsatz soll sich im laufenden Quartal auf 8,2 Mrd. US‑Dollar im Jahresvergleich verdoppeln. Trotz der starken Zahlen und der Ankündigung einer Dividendenerhöhung auf 0,65 US‑Dollar je Aktie reagierte der Markt volatil: Die Aktie drehte nach anfänglichen Gewinnen in der Nachbörse ins Minus und fiel um rund -4,5% auf 388,20 US‑Dollar. Unter den Blue Chips überzeugten im regulären Handel vor allem Visa mit +6%, Disney sowie American Express mit jeweils rund +2%, während Alphabet mehr als -2% verlor und Broadcom, Nvidia und Tesla jeweils über -1% nachgaben.

ASIATISCHE BOERSEN

In Asien setzten die Märkte am Morgen überwiegend auf die positive Wall-Street-Vorlage auf. Der japanische Nikkei 225 steigt um +0,07% auf 50.920 Punkte und bleibt damit in der Nähe seiner jüngsten Rekordniveaus. In Hongkong legt der Hang Seng um +1,00% auf 25.991 Punkte zu, gestützt von einer wieder auflebenden Risikoappetit-Stimmung und der Hoffnung auf eine anhaltende Erholung in China. Der chinesische China A50 gewinnt +0,28% auf 15.277 Punkte, nachdem Konjunkturhoffnungen und die Diskussion über weitere fiskalische Unterstützung im Vordergrund stehen.

Einzeltitel-seitig stehen in Asien vor allem zyklische und technologiegetriebene Namen im Fokus, die vom globalen KI- und Digitalisierungsboom profitieren sollen, konkrete Kursbewegungen wurden jedoch nicht genannt. Zudem spielt im Hintergrund die strukturelle Schwäche der Luftfrachtmärkte sowie der anhaltende Pilotenmangel bei nordamerikanischen Airlines in die Bewertung asiatischer Fluggesellschaften und Logistiker hinein. Die Anleger in der Region beobachten darüber hinaus genau die jüngsten Signale der US-Notenbank, nachdem die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte gesenkt und zugleich ein insgesamt optimistisches Bild für das US-Wachstum gezeichnet hat. Die Kombination aus lockererem Geld, möglichen globalen Stimuluspaketen und robusten US-Aktienmärkten wirkt derzeit unterstützend auf die Risikobereitschaft in Asien.

DIE 5 WICHTIGSTEN STORYS

AVGO – Broadcom: KI-Boom treibt Rekorde, Aktie dreht nach starken Zahlen ins Minus

Broadcom hat mit seinen Zahlen für das vierte Geschäftsquartal die hohen Erwartungen des Marktes übertroffen und unterstreicht seine Rolle als einer der zentralen Profiteure des KI-Booms. Der Umsatz stieg auf 18,02 Mrd. US‑Dollar und lag damit klar über der Marktschätzung von 17,47 Mrd. US‑Dollar; das bereinigte EPS von 1,95 US‑Dollar übertraf die Prognose von 1,86 US‑Dollar deutlich. Für das erste Geschäftsquartal 2026 stellt das Unternehmen einen Umsatz von rund 19,1 Mrd. US‑Dollar in Aussicht, was einem Wachstum von etwa +28% im Jahresvergleich entspricht und ebenfalls über den Konsenserwartungen liegt. CEO Hock Tan hob hervor, dass sich der Umsatz mit KI-Halbleitern im laufenden Quartal auf 8,2 Mrd. US‑Dollar im Jahresvergleich verdoppeln soll – ein Beleg für die stark anziehende Nachfrage nach maßgeschneiderten KI-Chips und Netzwerk-Halbleitern. Der Nettogewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um beeindruckende +97% auf 8,51 Mrd. US‑Dollar beziehungsweise 1,74 US‑Dollar je Aktie, was die hohe operative Hebelwirkung im KI-Geschäft zeigt.

Treiber dieser Dynamik sind insbesondere die kundenspezifischen KI-Chips, bei denen Broadcom als größter Mitentwickler gilt und eng mit Großkunden wie Alphabet zusammenarbeitet. Googles TPUs (Tensor Processing Units), die mittlerweile in ihrer siebten Generation vorliegen, werden seit rund einem Jahrzehnt gemeinsam mit Broadcom entwickelt und gelten als ernstzunehmende Konkurrenz zu den Grafikprozessoren von Nvidia. In einer Telefonkonferenz erläuterte Tan, dass Broadcom inzwischen fünf Großkunden für seine Custom-KI-Chips gewonnen hat, darunter auch Anthropic, das über Googles TPUs einen Auftrag im Volumen von 10 Mrd. US‑Dollar erteilt hat. Insgesamt verfügt Broadcom über einen Auftragsbestand von 73 Mrd. US‑Dollar für maßgeschneiderte Chips und andere KI-Rechenzentrumsprodukte, die innerhalb der nächsten 18 Monate ausgeliefert werden sollen. Zusätzlich liefert der Bereich Infrastruktur-Software starke Beiträge: Der Umsatz wuchs hier um +26% auf 6,94 Mrd. US‑Dollar, wozu insbesondere die VMware-Angebote beitrugen.

Trotz dieser beeindruckenden Fundamentaldaten reagierte der Markt in der Nachbörse verhalten bis negativ: Nach anfänglichen Gewinnen drehte die Aktie und fiel an der Nasdaq um rund -4,5% auf 388,20 US‑Dollar. Angesichts eines Kursanstiegs von +75% seit Jahresbeginn – nach bereits +100% im Jahr 2024 – wird zunehmend über eine anspruchsvolle Bewertung diskutiert. Analysten wie Angelo Zeno von CFRA loben zwar die hohe Visibilität und die starke Wachstumstrajektorie, verweisen jedoch darauf, dass die Bewertung im Vergleich zu einigen anderen Chip- und Computerwerten nicht mehr attraktiv sei. Für Anleger bleibt Broadcom eine zentrale, wenn auch hoch bewertete, Wette auf den Trend zu kundenspezifischem Silizium und KI-Netzwerken, mit dem Potenzial, den adressierbaren Markt in den nächsten fünf bis sechs Jahren um ein Mehrfaches auszubauen. Kurzfristig dürfte die Aktie jedoch anfällig für Gewinnmitnahmen bleiben, insbesondere nach dem außergewöhnlichen Lauf der letzten beiden Jahre und dem nun sehr hohen Erwartungsniveau.

US-Aktienbreite explodiert: Small und Mid Caps holen auf, S&P 500 gleichgewichtet auf Rekord

An der Wall Street hat sich die Rallye zuletzt deutlich verbreitert, weg von den dominierenden Mega-Caps hin zu einem breiteren Marktaufschwung. Der S&P 500 markierte ein weiteres Allzeithoch, und auch die gleichgewichtete Variante des Index erreichte neue Rekordstände, was auf eine starke Beteiligung der Breite des Marktes hinweist. Besonders auffällig war der Russell 2000, der Small Caps abbildet und um +1,3% auf ein neues Rekordhoch sprang. Auch der S&P 400, der die Mid Caps umfasst, verzeichnete das erste Rekordhoch seit rund einem Jahr, während Micro-Cap-Indizes ebenfalls neue Hochs markierten. Gleichzeitig blieb der NASDAQ 100 leicht im Minus, da einige der Mega-Caps – mit Ausnahme von Microsoft und Meta – schwächelten.

Diese Entwicklung signalisiert einen potenziellen Regimewechsel am US-Aktienmarkt, der lange Zeit stark von wenigen großen Technologiewerten getragen wurde. Die sogenannte Dow-Theorie liefert zusätzliche Bestätigung: Sowohl die Dow Industrials als auch die Dow Transports bewegen sich aufwärts und bestätigen sich gegenseitig, nachdem die Transports ihre Jahreshochs überschritten und dynamisch nach oben ausgebrochen sind. Rückblickend zeigte sich Ende 2024 ein Doppel-Top im Dow, das damals mangels Bestätigung durch die Transports in eine Abwärtsbewegung mündete; jetzt ist das Bild umgekehrt und deutet auf einen robusteren Aufschwung hin. Sektorenseitig übertreffen neben klassischen Zyklikern vor allem Bereiche wie Immobilien und zyklischer Konsum den S&P 500, was auf steigende Risikobereitschaft und Vertrauen in die Konjunktur hindeutet. Gleichzeitig waren einige prominente KI- und Tech-Werte wie Alphabet, Nvidia und Tesla im Minus, was Raum für eine Rotation in vernachlässigte Marktsegmente schuf.

Unterstützt wird diese Breiten-Rallye durch die Erwartung fiskalischer Stimuli zu Beginn des kommenden Jahres sowie potenzieller Lockerungen regulatorischer Vorgaben, insbesondere im Finanzsektor. Marktbeobachter verweisen zudem auf die jüngste Zinssenkung der Fed um 25 Basispunkte und das weitgehend optimistische Wording von Fed-Chef Jerome Powell, das die Hoffnung auf ein Soft Landing stärkt. Sollte sich der Trend einer breiteren Marktteilnahme bestätigen, könnten gerade Small und Mid Caps überproportional profitieren, nachdem sie in den vergangenen Jahren gegenüber den Mega-Caps deutlich zurückgeblieben waren. Trader achten nun besonders auf die Nachhaltigkeit des Ausbruchs in den Indizes Russell 2000 und S&P 400 sowie auf die weitere Entwicklung der Dow Transports als zyklischer Frühindikator. Für Stockpicker eröffnen sich in diesem Umfeld neue Chancen abseits der bekannten KI-Schwergewichte, während die Volatilität in den zuvor gehypten Namen leicht anzieht.

Zinsen, Fed und der lange Rand des Marktes: Was die neue Zinslandschaft für Aktien und Anleihen bedeutet

Die US-Notenbank hat auf ihrer jüngsten FOMC-Sitzung die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt und zugleich ein insgesamt optimistisches Bild für das künftige Wirtschaftswachstum gezeichnet. Während die Fed den sehr kurzfristigen Geldmarktsatz – also die Overnight-Raten – direkt steuert, bleiben längerfristige Zinsen etwa für Hypotheken oder Autokredite primär von Marktkräften bestimmt. Im vergangenen September war zu beobachten, dass trotz der Erwartung sinkender Leitzinsen die langfristigen Renditen deutlich anzogen und eine regelrechte Panik an den Anleihemärkten auslösten. Hintergrund ist das steigende Haushaltsdefizit der USA, das eine wachsende Emissionsaktivität des Finanzministeriums nach sich zieht: Mehr Angebot an Staatsanleihen drückt die Anleihekurse und treibt die Renditen nach oben. Für Anleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld zwischen geldpolitischer Lockerung und fiskalisch getriebenem Zinsdruck am langen Ende.

Marktbeobachter warnen, dass die jüngste Entspannung an den Rentenmärkten nicht automatisch dauerhaft ist, da die Angebotsdynamik bei Staatsanleihen anhalten dürfte. Gleichzeitig hat der US-Dollar zuletzt wieder an Stärke gewonnen, was von einigen Kommentatoren als Signal potenziell höherer Zinsen interpretiert wird und traditionell Gegenwind für Gold bedeutet. Interessanterweise hatten Edelmetalle wie Gold und Silber in früheren Phasen starker fiskalischer Stimuli und geopolitischer Neuorientierungen – etwa während der historischen Nixon-China-Phase – phasenweise kräftig zugelegt. Heute könnte ein ähnlicher Mix aus fiskalischen Programmen, geopolitischen Verschiebungen und einer sich verändernden Zinskurve erneut zu asymmetrischen Bewegungen führen. Gleichzeitig wird darüber diskutiert, wie sich der von vielen beschriebene K-förmige Verlauf der Wirtschaft – mit Gewinnern auf der einen und Verlierern auf der anderen Seite – auf die Zinsstruktur und Anlageklassen auswirkt.

Für Investoren bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass reine Wetten auf sinkende Zinsen riskant sind, da das Angebotsrisiko bei Anleihen hoch bleibt. Die Fed mag die Kurzfristzinsen nach unten führen, doch steigende Emissionsvolumina könnten die Renditen am langen Ende erneut nach oben treiben und so Bewertungsniveaus bei Wachstums- und Dividendenaktien beeinflussen. Gleichzeitig deuten die jüngsten Signale aus Washington – darunter fiskalische Stimuli und potenzielle Deregulierungen – darauf hin, dass zyklische Sektoren, Small Caps und Finanzwerte von einer sich stabilisierenden oder beschleunigenden Konjunktur profitieren könnten. Anleger sollten daher verstärkt auf die Zinskurve, den Dollar sowie die Spreads zwischen kurz- und langfristigen Renditen achten und ihre Allokationen flexibel anpassen. In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit über den künftigen Pfad der Zinsen könnten eine breitere Diversifikation und selektive Positionierung in Qualitätsanleihen, Value-Aktien und Rohstoffen sinnvoller sein als einseitige Makro-Wetten.

Luftfahrt unter Druck und doch im Umbau: Frachtnachfrage, Pilotenmangel und neue Trainingsakademien

Die globale Luftfahrtbranche befindet sich in einer komplexen Übergangsphase, geprägt von einem deutlichen Wandel in der Nachfrage nach Fracht- und Passagierkapazitäten sowie einem strukturellen Pilotenmangel. Zwischen 2016 und 2021 hat sich der Anteil der Fracht am Gesamtumsatz der Fluggesellschaften fast vervierfacht – von 11,4% auf 40,3%; 2021 legten die weltweiten Luftfrachtvolumina um +18,7% gegenüber dem Vorjahr zu. E‑Commerce-Giganten wie Amazon haben in dieser Zeit ihre Lieferketten stark auf Luftfracht optimiert, was den Markt zusätzlich antrieb. Gleichzeitig hat sich die Dynamik seitdem abgekühlt: Der Russland‑Ukraine‑Krieg, die Rückkehr zahlreicher Passagierflüge – deren Belly-Cargo-Kapazitäten das Angebot erhöhen – und Rezessionssorgen haben die Nachfrage nach Luftfracht zuletzt gebremst. Der Logistikkonzern FedEx, der 2021 Rekordgewinne erzielte, reagierte mit der Schließung von 90 Büros und dem Parken von Flugzeugen, um Kosten an ein schwächeres globales Versandvolumen anzupassen.

Hersteller wie Boeing und Airbus planen derweil langfristig und haben Frachtversionen ihrer neuesten Großraumflugzeuge angekündigt. Boeing erwartet einen Anstieg der globalen Frachterflotte um +80% bis 2041 und verbuchte 2021 ein Rekordjahr für Frachterverkäufe, inklusive neuer Aufträge für den 777-Frachter von fast zehn zusätzlichen Kunden. Während ein neuer 777-Frachter laut Listenpreis bei rund 350 Mio. US‑Dollar vor Rabatten liegt, kostet die Umrüstung einer vorhandenen 777 auf Frachterkonfiguration etwa 50 Mio. US‑Dollar und kann die Lebensdauer des Flugzeugs deutlich verlängern. Auch Passagierairlines mischen mit: American Airlines flog während der Pandemie ihren ersten reinen Frachtflug seit 1984 und kam auf über 10.500 reine Frachtflüge, was 2021 mehr als 1,3 Mrd. US‑Dollar Frachtumsatz einbrachte. Alaska Airlines plant, zwei weitere Flugzeuge in reine Frachter umzubauen und positioniert sich damit stärker im Cargo-Segment.

Parallel dazu kämpft die Branche mit einem massiven Pilotenmangel, der insbesondere in Nordamerika spürbar ist. Aktuell fehlen dort rund 8.000 Piloten, etwa 11% der gesamten Belegschaft, und bis 2025 könnte die Lücke auf 30.000 anwachsen. Airlines reagieren mit unterschiedlichen Maßnahmen: American Airlines hob die Gehälter bei ihren Regionalpartnern Piedmont und Envoy bis Ende August 2024 um +50% an, während Delta und andere Gesellschaften die Anforderung eines vierjährigen Studiums für Piloten gestrichen haben. United Airlines eröffnete 2022 die Aviate Academy, mit der bis 2030 etwa 5.000 neue Piloten ausgebildet werden sollen; das Unternehmen plant, im selben Jahr rund 10.000 Piloten einzustellen und stellt fest, dass 36% seiner Piloten im Alter von 64 Jahren an einem bestimmten Tag aus medizinischen Gründen nicht einsatzfähig sind. In Kombination mit den hohen Ausbildungskosten von 80.000 bis über 100.000 US‑Dollar und einer alternden Belegschaft – fast die Hälfte der Piloten nähert sich dem Rentenalter von 65 Jahren – ergibt sich ein struktureller Engpass, der die Kapazitäten limitiert und die Kosten weiter nach oben treiben dürfte.

Struktureller Wandel in Mobilität und Energie: Von großen US-SUVs bis zu Europas Kühlbedarf

Die globale Verkehrs- und Energielandschaft erlebt tiefgreifende strukturelle Veränderungen, die sowohl von Konsumtrends als auch von Klimadruck getrieben werden. In den USA dominieren weiterhin SUVs, Crossover und Pickups die Autoverkäufe, während klassische Kleinwagen zunehmend vom Markt verschwinden. Kleinwagen machten 2021 in Europa mehr als 35% der Verkäufe aus, in den USA jedoch nur etwas über 10%, was den amerikanischen Hang zu größeren Fahrzeugen unterstreicht. Pickups sind von 2000 bis 2018 im Schnitt um +24% schwerer geworden; bei Heavy‑Duty‑Modellen wie dem Ford F‑250 oder Ram 2500 liegt die Vorderkante der Motorhaube inzwischen 55 Zoll oder mehr über dem Boden. Regulatorische Schlupflöcher, die größere Trucks begünstigen, haben diese Entwicklung zusätzlich gefördert, während Hersteller Modelle wie Toyota Yaris, Ford Focus und Fiesta, Chevrolet Sonic und Cruze, Hyundai Accent und Kia Rio vom US-Markt genommen haben; Fiat hat den US-Markt sogar vollständig verlassen.

Gleichzeitig sind in Europa die Folgen des Klimawandels immer deutlicher zu spüren: Der vergangene Sommer war der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen, und Länder wie Spanien und Frankreich verzeichneten eine etwa siebenfach höhere von Waldbränden betroffene Fläche als im Durchschnitt. Dennoch besitzen weniger als 10% der europäischen Haushalte eine Klimaanlage, wie Daten der Internationalen Energieagentur zeigen. Klimaanlagen selbst sind jedoch ein Dilemma: Sie verursachen rund 4% der weltweiten CO₂-Emissionen, während der Bedarf aufgrund steigender Temperaturen weiter wächst. Unternehmen wie das von Richard Salman in London setzen zunehmend auf effizientere Kühllösungen wie Luftwärmepumpen, die zwar oft zusätzlichen Energieeinsatz zur Entfeuchtung benötigen, aber insgesamt zu deutlich niedrigeren Rechnungen und besserer Ökobilanz führen. Ein Engpass besteht allerdings im Bereich der Fachkräfte, die diese Technologien installieren können, was den Hochlauf verlangsamt.

Parallel dazu ändert sich das Mobilitätsverhalten der jüngeren Generationen, besonders in den USA. 1988 hatten rund 77% der 18‑Jährigen einen Führerschein, heute sind es nur noch etwa 58%, was eine stärkere Abhängigkeit von Uber, Lyft, Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln bedeutet. Innovative Konzepte wie das autofreie Viertel Cul-de-sac in Tempe, Arizona, setzen auf Partnerschaften mit Ride-Hailing-Diensten – Bewohner erhalten dort beispielsweise Rabatte bei Lyft. Diese Entwicklungen stellen Autohersteller vor die Herausforderung, ihr Produktportfolio zwischen großen, margenstarken Fahrzeugen und neuen Mobilitätsrealitäten auszubalancieren. Für Investoren zeichnen sich Chancen in Bereichen wie energieeffiziente Gebäudetechnik, Wärmepumpen, urbaner Mobilität und Plattformbetreibern ab, während klassische Kleinwagenhersteller und CO₂-intensive Technologien weiter unter Druck geraten. Der langfristige Trend geht klar in Richtung effizienterer Energie- und Verkehrssysteme, auch wenn regulatorische und kulturelle Hürden den Übergang verzögern können.

KURZNEWS

  • YUMC – Yum China: Der Betreiber von KFC- und Pizza-Hut-Restaurants in China hat sein Aktienrückkaufprogramm um 1 Mrd. US‑Dollar auf insgesamt 5,4 Mrd. US‑Dollar erhöht. Die Autorisierung hat kein Ablaufdatum, womit das Unternehmen flexibel auf Kursrückgänge reagieren und Aktionären zusätzliche Rückflüsse bieten kann.
  • FDX – FedEx: Der Logistikkonzern reagiert auf ein schwächeres globales Versandvolumen und plant die Schließung von 90 Büros sowie das Parken von Flugzeugen. Damit sollen die Kostenstrukturen an die nachlassende Nachfrage angepasst werden, nachdem das Unternehmen 2021 noch Rekordgewinne verzeichnet hatte.
  • BA – Boeing: Boeing sieht langfristig starkes Wachstum im Frachtgeschäft und erwartet, dass die globale Frachterflotte bis 2041 um +80% zulegen wird. 2021 war ein Rekordjahr für Frachterverkäufe, unter anderem mit neuen Aufträgen für den 777-Frachter von nahezu zehn zusätzlichen Kunden.
  • AAL – American Airlines: American flog während der Pandemie seinen ersten reinen Frachtflug seit 1984 und kam auf über 10.500 reine Frachtflüge. Das Frachtgeschäft steuerte im vergangenen Jahr mehr als 1,3 Mrd. US‑Dollar zum Umsatz bei.
  • AAL/PDT/ENY – American Airlines Regionalpartner: Die Konzerntöchter Piedmont und Envoy haben die Pilotengehälter bis Ende August 2024 um +50% erhöht. Damit soll der akute Pilotenmangel abgefedert und die Attraktivität der Regionalfluggesellschaften gesteigert werden.
  • UAL – United Airlines: United betreibt seit 2022 die Aviate Academy und will dort bis 2030 rund 5.000 neue Piloten ausbilden. Die Airline plant zudem, im selben Jahr etwa 10.000 Piloten einzustellen und adressiert damit den strukturellen Personalmangel im Cockpit.
  • ALK – Alaska Airlines: Alaska hat 2022 die Ascend Pilot Academy gestartet, die angehenden Piloten finanzielle Anreize und Jobperspektiven bei Alaska Airlines und Horizon Air bietet. Zudem sollen zwei weitere Flugzeuge in reine Frachtflugzeuge umgebaut werden, um das Cargo-Geschäft auszubauen.
  • DIS – Disney (Inhalt/Plattform-Deal): Disney investiert 1 Mrd. US‑Dollar in OpenAI und öffnet seine Star-Wars-, Marvel- und Pixar-Charaktere für KI-generierte Inhalte auf der Sora-Plattform. Werbekunden und Content-Partner müssen sich damit strategisch neu positionieren, wie sie diese IP-basierten KI-Inhalte künftig nutzen.
  • UBER – Uber: Uber plant, ab 2026 Robotaxis in über zehn Märkten einzusetzen. Das Unternehmen positioniert sich damit stärker im autonomen Fahrdienstleistungssegment und erweitert sein Mobilitätsangebot jenseits klassischer Ride-Hailing-Dienste.
  • ADANI – Adani Group: Das Imperium des indischen Milliardärs Gautam Adani profitierte massiv von steigenden Energiepreisen und stark gestiegenen Börsenbewertungen seiner sieben börsennotierten Gesellschaften. Adani wurde allein 2022 um 51 Mrd. US‑Dollar reicher und gehört inzwischen zu den vier wohlhabendsten Menschen der Welt.
  • INDIA – Indischer Markt (Öl & Wachstum): Indien kauft trotz westlicher Kritik weiterhin russisches Öl mit Rabatt, um die heimische Inflation zu dämpfen. Die günstige Energieversorgung trägt zu einem schnelleren Wirtschaftswachstum im Vergleich zur Weltwirtschaft bei und könnte Indien im Zusammenspiel mit geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China zusätzliche Vorteile verschaffen.
  • GOLD/SILVER – Edelmetalle: Gold und Silber reagierten in der Vergangenheit stark auf Phasen mit größeren fiskalischen Stimuli und geopolitischen Neuausrichtungen. Ein wieder stärkerer US-Dollar signalisiert nun potenziell höhere Zinsen, was traditionell Gegenwind für Gold bedeutet, könnte aber bei anhaltenden Stimulusprogrammen zu erneuter Nachfrage führen.
  • USLABOR – US-Arbeitsmarkt (Produktivität): Millionen Amerikaner kündigten 2021 im Zuge der Great Resignation ihre Jobs, während das Phänomen des Quiet Quitting – Arbeiten strikt nach Vorschrift – zunahm. Die US-Produktivitätsdaten verzeichneten im zweiten Quartal den größten jährlichen Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen, begleitet von einem sinkenden Mitarbeiterengagement laut Gallup-Umfragen.
  • ORCL – Oracle (KI-Story-Risiko): Marktbeobachter sehen bei Oracle eine „chaotische“ Story mit hohen Unsicherheiten rund um Finanzierungsbedarf und starke Konzentration auf OpenAI-bezogene Erwartungen. Gerade für die Jahre 2026/2027 werden steigende Hoffnungen auf KI-getriebenes Wachstum eingepreist, was die Aktie anfälliger für Enttäuschungen machen könnte.
  • AMD – Advanced Micro Devices: Im Kontext der KI-Infrastruktur sehen einzelne Analysten in AMD eine attraktivere Möglichkeit, vom OpenAI-Engagement zu profitieren als bei anderen Anbietern. Der Fokus liegt auf der erwarteten wachsenden Rolle von AMD-Chips in Cloud- und KI-Rechenzentren.
  • BMW – BMW Group (Fahrzeuggröße): Die 3er-Reihe von BMW ist über die Generationen deutlich gewachsen und nähert sich in ihren Abmessungen früheren 5er-Modellen an. Dies illustriert den langfristigen Trend zu größeren Fahrzeugen selbst im Premium-Segment der Mittelklasse.
  • LYFT – Lyft: Lyft profitiert von neuen Mobilitätskonzepten, etwa einer Partnerschaft mit dem autofreien Viertel Cul-de-sac in Tempe, Arizona, wo Bewohner Rabatte auf Fahrten erhalten. Das Unternehmen wird damit verstärkt Teil integrierter Stadtentwicklungs- und Mobilitätslösungen.
  • CLIMATE – Gebäudetechnik (Wärmepumpen): In Europa wächst der Markt für Luftwärmepumpen und effiziente Klimatisierungslösungen angesichts immer heißerer Sommer. Installationsbetriebe berichten von einem Fachkräftemangel, der den Rollout dieser Technologien behindert, obwohl sie sowohl Kosten als auch Emissionen deutlich senken können.

IM BLICKPUNKT

  • CFRA zu AVGO – Broadcom: Analyst Angelo Zeno betont die starke Visibilität und Wachstumstrajektorie im KI-Geschäft, verweist jedoch auf eine im Vergleich zu anderen Chip- und Computernamen „nicht attraktive“ Bewertung. Die Einstufung bleibt konstruktiv, mit dem Hinweis, dass Broadcom Marktanteile gewinnen dürfte und in den nächsten zwei bis drei Jahren nur geringe Risiko-Faktoren aufweist.
  • CFRA zu ORCL – Oracle: Zeno sieht bei Oracle eine zu komplexe und unsichere Story, geprägt von Finanzierungsbedarf und hoher Abhängigkeit von OpenAI-Erwartungen ab der zweiten Jahreshälfte 2026. Er warnt, dass Investoren chaotische Geschichten meiden und die Aktie daher anfälliger für Enttäuschungen sein könnte.
  • CFRA zu AMD – Advanced Micro Devices: Im Kontext der KI-Infrastruktur und des OpenAI-Engagements sieht CFRA in AMD eine attraktivere Alternative gegenüber anderen Anbietern. Der Analyst verweist auf bessere Chancen, an der weiteren Ausrollung von KI-Rechenzentren zu partizipieren.


Warner Bros. +4%: Netflix unter Druck – IBM kauft CFLT

KURZ & KNAPP

Der Bieterkampf um Warner Bros. Discovery spitzt sich zu: Nach dem 72-Milliarden-Deal mit Netflix legt Paramount Skydance ein höheres Barangebot vor. Die WBD-Aktie steigt, während NFLX wegen Bewertungs- und Regulierungsrisiken unter Druck gerät. Parallel setzt IBM mit der 11-Milliarden-Dollar-Übernahme von Confluent ein Ausrufezeichen im KI-Infrastrukturmarkt. Der Deal treibt die CFLT-Aktie fast 30 Prozent nach oben.

Im Tech-Sektor rücken Bewertungen und Risikoappetit in den Fokus: Tesla wird von Morgan Stanley auf Equal-Weight zurückgestuft, obwohl das Kursziel leicht steigt. Apple kämpft mit einer auffälligen Talentabwanderung zu Meta und OpenAI sowie wachsendem KI-Wettbewerb aus China. Rüstungswerte wie Rheinmetall profitieren weiter von geopolitischen Spannungen, während Konsumwerte unter nachlassender Kauflaune leiden.

An den Leitindizes verteidigt der DAX seine 24.000er Zone, während S&P 500 und NASDAQ 100 leicht nachgeben. Im Fokus steht die kommende Fed-Sitzung mit einer erwarteten weiteren Zinssenkung und Diskussion um die Notenbank-Unabhängigkeit. Steigende Renditen langlaufender US-Anleihen und ein höherer VIX deuten auf zunehmende Nervosität am Markt hin.

RÜCKBLICK Handelstag

US EUROPA

Der DAX verteidigte zum Wochenauftakt mit 24.045 Punkten (-0,07%) knapp die psychologisch wichtige 24.000er-Marke, während der Dow Jones den Handelstag mit rund 0,3 Prozent im Minus beendete. Zu den auffälligsten Gewinnern im deutschen Leitindex zählten erneut Rüstungswerte wie Rheinmetall, die von der weiterhin ausbleibenden Friedensperspektive in der Ukraine und der neuen US-Sicherheitsstrategie profitieren, die höhere Verteidigungsausgaben in Europa impliziert. Diese geopolitische Gemengelage treibt den gesamten Rüstungssektor, von Panzergetrieben über Marinewerften bis zu Spezialzulieferern, in die Höhe.

SENTIMENT MAKRO

Auf der Stimmungsebene zog der Volatilitätsindex VIX kräftig um über 7 Prozent an – ein Warnsignal, dass Investoren sich vor der Fed-Sitzung und mit Blick auf den drohenden Government Shutdown Ende Januar verstärkt gegen Turbulenzen absichern. Die jüngsten Daten zum Kern-PCE-Preisindex, der im September um 2,8% gegenüber dem Vorjahr zulegte, sowie das Beige Book der Fed, das kühlere Konsumausgaben und eine Eintrübung am Arbeitsmarkt meldet, unterstreichen das Bild einer Wirtschaft am Übergang vom Boom zu einer K-förmigen Abkühlung. Vor allem die rückläufigen Einzelhandelsumsätze und die durch den letzten Regierungsstillstand belasteten Verbraucherausgaben nähren die Sorge, dass die breite Masse trotz robuster Aktienmärkte zunehmend unter hohen Finanzierungskosten leidet.

WAS HEUTE WICHTIG WAR

Wie eskaliert der Bieterkampf um Warner Bros. zwischen Netflix und Paramount – und welche Rolle spielt Trump?

Der Übernahmekampf um Warner Bros. Discovery (WBD) spitzt sich zu: Nachdem Netflix (NFLX) vergangene Woche einen rund 72-Milliarden-Dollar-Deal für die Studios- und Streaming-Assets von Warner (inklusive DC, Harry Potter und HBO/HBO Max) vereinbart hatte, kontert Paramount Skydance nun mit einem feindlichen All-Cash-Angebot über 30 US‑Dollar je Aktie für den gesamten Konzern – 108,4 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Während Netflix vor allem die Streaming-Vermögenswerte herauslösen will, zielt Paramounts Angebot auf das komplette Warner-Imperium inklusive Kabelsendern wie CNN und Food Network und verspricht den WBD-Aktionären damit einen Baraufschlag von rund 10 % gegenüber dem gemischten Cash/Stock-Angebot von Netflix (circa 27,75 Dollar je Aktie). Trump gießt zusätzlich Öl ins Feuer: Er lobt zwar Netflix-Co-CEO Ted Sarandos, stellt aber auf dem roten Teppich und in TV-Interviews offen in Frage, ob eine Fusion des größten Streamers mit dem drittgrößten (HBO Max) aus Wettbewerbssicht zulässig sei, und deutet an, er wolle sich persönlich in die kartellrechtliche Prüfung einbringen – ein in dieser Form höchst ungewöhnlicher Eingriff des Weißen Hauses in einen M&A-Prozess.

Brisant wird die Lage auch dadurch, dass Medienberichte den Jared-Kushner-Fonds Affinity Partners und die Familie Ellison (Larry und David Ellison) als zentrale Financiers hinter Paramounts Offerte nennen, was Befürchtungen nährt, regulative Entscheidungen könnten politisch motiviert sein. Für die WBD-Aktionäre entsteht damit ein komplexer Abwägungsprozess: Das Netflix-Paket bewertet der Warner-Vorstand bereits als einem 30-Dollar-Gesamtwert leicht überlegen (Spanne 30,50–31,50 Dollar je Aktie), bietet jedoch weniger Transaktionssicherheit wegen der massiven antitrust-Risiken bei einer Streaming-Konsolidierung und einer erwartbaren Schlacht vor FTC und Justizministerium. Paramount dagegen lockt mit sofortiger Cash-Prämie für alle Assets, einem potenziell leichter vermittelbaren Wettbewerbsnarrativ (stärker fragmentierter Streamingmarkt, viel Live-Sport im Kombi-Konzern) – muss für ein direktes Angebot an die Aktionäre aber zunächst selbst die Genehmigung der Behörden einholen, was 12 bis 15 Monate dauern dürfte.

An der Börse spiegeln sich die Frontlinien klar: WBD kletterte auf 27,21 Dollar (+4,33%), getrieben von der Aussicht auf ein höheres Gebot oder einen Bieterwettstreit, während NFLX mit 96,41 Dollar (-3,82%) unter Druck geriet. Analysten warnen, dass Netflix mit dem Warner-Deal kurzfristig eine Phase erhöhter Unsicherheit und Verschuldung eingeht, während die versprochenen Synergien von rund 6 Milliarden Dollar EBITDA nur einen relativ kleinen Bruchteil des Kaufpreises ausmachen und die Kapitalrendite für das eingegangene Risiko bislang wenig überzeugend wirkt. Zugleich wird Hollywood nervös: Kreative und Gewerkschaften fürchten weitere Massenentlassungen und Studio-Zusammenlegungen, egal ob Netflix oder Paramount am Ende den Zuschlag erhält – und Kartell- und Medienexperten verweisen darauf, dass nicht nur Netflix, sondern auch YouTube, Amazon Prime und werbefinanzierte Plattformen wie Tubi den Streamingmarkt immer stärker oligopolisieren.

Warum zahlt IBM 11 Milliarden Dollar für Confluent – und was bedeutet das für den KI-Boom?

IBM greift für rund 11 Milliarden US‑Dollar in bar zu und übernimmt die Daten-Streaming-Plattform Confluent (CFLT) für 31 Dollar je Aktie, um sich im KI-Zeitalter als zentrale Infrastrukturadresse für Echtzeitdaten in Unternehmen zu positionieren. Der Deal, einer der größten Zukäufe in der IBM-Geschichte, wird vollständig aus vorhandenen Barmitteln finanziert und soll bis zur Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein; die CFLT-Aktie sprang daraufhin um knapp +29% auf 29,84 Dollar, während IBM mit 309,46 Dollar leicht fester schloss (+0,49%), was der Markt als stillschweigende Zustimmung zum strategischen Schritt interpretiert. CEO Arvind Krishna will Confluent nicht in Red Hat, sondern in die IBM-Softwaresparte “Data” integrieren und setzt auf “unglaubliche Go-to-Market-Synergien” über den bestehenden IBM-Vertrieb, um Confluents derzeit rund 20-prozentiges Umsatzwachstum auf über eine Milliarde Dollar Jahresumsatz hinaus weiter zu beschleunigen.

Inhaltlich zielt IBM damit klar auf den Engpass, der alle generativen KI-Anwendungen verbindet: KI-Agenten müssen in Echtzeit und kontrolliert auf Daten aus unterschiedlichsten Quellen wie Azure, AWS, ServiceNow oder On-Prem-Rechenzentren zugreifen können – genau hier ist Confluent mit seiner Event- und Daten-Streaming-Plattform Marktführer. IBM prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren rund eine Milliarde neuer KI-Anwendungen entstehen werden, die eine leistungsfähige Datenplattform als “Intelligenz-Zulieferer” benötigen, und will Confluent nutzen, um diesen Bedarf quer über Multi-Cloud-Umgebungen hinweg zu adressieren. Trotz fehlender Nettogewinne bei Confluent verweist IBM auf die attraktive Unit Economics: Durch die Einbettung in IBMs Konzernstruktur (G&A, Treasury, Payroll) sollen Kosten gesenkt, mehr Mittel für F&E freiwerden und der Pfad zur Profitabilität verkürzt werden.

Strategisch differenziert sich IBM damit von Cloud-Schwergewichten wie Microsoft und Oracle, die stärker auf Rechenzentrumsinfrastruktur und eigene KI-Modelle fokussieren: Krishna beschreibt Oracle als klassisches Infrastruktur-Play, während IBM sich als Daten-Orchestrator sieht, der auch auf fremder Infrastruktur – etwa Oracles Datenbanken oder Microsofts Azure – läuft und diese für KI-Anwendungen erschließt. Für Investoren ist der Deal ein weiterer Beleg dafür, dass der KI-Investitionszyklus hinter der Modell-Ebene (LLMs, Chips) nun massiv in die “Plumbing” aus Daten-, Netzwerk- und Softwareinfrastruktur hineinwächst – und dass etablierte Konzerne bereit sind, zweistellige Milliardenbeträge zu zahlen, um sich hier führende Spezialisten einzuverleiben.

Warum wird die Tesla-Aktie trotz KI- und Robotik-Fantasie von Morgan Stanley auf Equal-Weight gesetzt?

Tesla (TSLA) wurde von Morgan Stanley von “Overweight” auf “Equal-Weight” herabgestuft, obwohl das Kursziel leicht von 410 auf 425 US‑Dollar angehoben wurde – ein Niveau, das vom Schlusskurs bei 440,19 Dollar aus immer noch ein moderates Abwärtspotenzial signalisiert. Der neue zuständige Analyst Andrew Prococo argumentiert, Tesla verdiene zwar ein Bewertungsprämium für seine technologische Führungsrolle, doch die Story jenseits des klassischen Autogeschäfts – also Robotaxis, KI-Software und der humanoide Roboter Optimus – sei inzwischen weitgehend eingepreist. Entsprechend kritisiert Morgan Stanley eine extreme Bewertung von rund dem 210‑fachen der erwarteten Gewinne des kommenden Jahres und rechnet damit, dass TSLA 2026 hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben wird.

Gleichzeitig mehren sich operative Fragezeichen: Tesla sieht sich laut Berichten mit “katastrophalen” Verkäufen in wichtigen Märkten konfrontiert, insbesondere in China, wo die Produktion im Werk Shanghai um rund 8,5 Prozent gekürzt wurde. Auf der Produktseite sorgt der jüngste Auftritt des Optimus-Roboters für Spott – ein Video aus Miami zeigt das System stolpernd und mit Bewegungen, die Kritiker wie YouTuber JerryRigEverything für ferngesteuert halten, was Zweifel an der von Elon Musk propagierten Vision nährt, wonach bis zu 80 % der Tesla-Bewertung aus der Robotik stammen könnten. Parallel belastet Musks polarisierende politische Positionierung – etwa seine heftigen Angriffe auf die EU – zunehmend die Marke: Marktbeobachter verweisen darauf, dass Premium-Verbrenner- und Hybridanbieter wie BMW und Mercedes zuletzt deutlich stabilere Absätze und Aktienkursentwicklungen zeigten als Tesla.

Die Herabstufung reiht sich in eine breitere Neubewertung des gesamten EV-Sektors ein, in deren Zuge Morgan Stanley auch Rivian und Lucid wegen “EV-Winter” und nachlassender Nachfrage zurückstuft, während klassische Autobauer wie General Motors wegen profitabler Verbrenner- und Hybridmodelle aufgewertet werden. Für Anleger bedeutet das: Die Tesla-Story verschiebt sich zwar weiter in Richtung Software, KI und Robotik, doch die Börse beginnt, härter zwischen ambitionierter Vision und kurzfristig belastbarer Ertragskraft zu unterscheiden – ein Umfeld, in dem Kursrücksetzer auch bei Highflyern mit KI-Fantasie wieder wahrscheinlicher werden.

Verliert Apple im KI-Rennen den Anschluss, während Meta und OpenAI seine Top-Talente abwerben?

Apple (AAPL) gilt seit Jahren als verlässlicher Qualitätswert, doch aktuell mehren sich die Anzeichen, dass der Konzern im Rennen um KI und neue Hardware-Plattformen ins Hintertreffen gerät, während gleichzeitig wichtige Führungskräfte und Spezialisten zu Rivalen abwandern. In der vergangenen Woche kündigten gleich vier zentrale Köpfe ihren Abschied an: Interface-Designchef Alan Dye wechselt zu Meta, Chefsyndika Kate Adams und Umwelt-Vizepräsidentin Lisa Jackson gehen 2026 in den Ruhestand, und KI-Chef John Giannandrea tritt ebenfalls ab; parallel wird über einen möglichen Abgang von Chip-Architekt Johny Srouji spekuliert. Brancheninsider berichten zudem, dass viele Apple-Engineers, die nicht in den Ruhestand gehen, entweder zu Meta oder zu OpenAI wechseln – zwei der aggressivsten Wettbewerber im aktuellen KI-Wettrennen.

Währenddessen bleibt Apples KI-Strategie nach außen wenig greifbar: Das große, vielfach erwartete Siri-Upgrade wird immer wieder verschoben, und eine kohärente Vision für generative KI im iPhone-Ökosystem ist bislang nicht zu erkennen – auch wenn Häuser wie Wedbush das Kursziel für AAPL jüngst auf 350 Dollar angehoben haben und 2026 als das Jahr ausrufen, in dem Apple voll in die KI-Revolution einsteige. Im Hintergrund bauen Meta und OpenAI gezielt Anti-Apple-Teams auf: Meta holt Apple-Designer, um KI-Wearables und Mixed-Reality-Produkte der nächsten Generation zu entwickeln, während OpenAI seit 2023 mit Hilfe von Sam Altmans Milliarden-Investitionen und der Kooperation mit Star-Designer Jony Ive an neuer, potenziell smartphone-ersetzender Hardware arbeitet. Diese Talentabwanderung trifft Apple in einer Phase, in der chinesische Smartphone-Hersteller aggressiv mit KI-Features werben und Wechselhilfen vom iPhone anbieten – auch wenn Apple im Oktober seine Position im chinesischen Luxussegment mit einem iPhone-Absatzplus von 37 % noch einmal deutlich stärken konnte.

Für Investoren ergibt sich ein ambivalentes Bild: Einerseits bleibt Apple dank Ökosystem, Markenstärke und Services ein Cashflow-Monolith mit weiterhin positiven Analystenstimmen (UBS-Kursziel 280 Dollar, Wedbush 350 Dollar), andererseits steigt der Druck, zeitnah eine überzeugende KI-Produktstrategie zu liefern, um den Bewertungsaufschlag gegenüber der Konkurrenz zu rechtfertigen. Der Konflikt zwischen dieser hohen Erwartungshaltung und der bislang eher vorsichtigen, intern fokussierten KI-Kommunikation dürfte die AAPL-Aktie in den kommenden Quartalen empfindlicher für Nachrichten über weitere Managerabgänge oder Verzögerungen bei KI-Features machen.

Warum bedeuten sinkende Leitzinsen der Fed nicht automatisch billiges Geld für Unternehmen und Verbraucher?

Auch wenn der Markt für die Fed-Sitzung am Mittwoch mit rund 90–93% Wahrscheinlichkeit eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte einpreist, warnen Ökonomen und Anleiheprofis, dass dies nicht automatisch zu deutlich niedrigeren Finanzierungskosten im gesamten System führt. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries ist zuletzt wieder auf etwa 4,15% gestiegen – der stärkste Wochenanstieg seit April – und könnte nach Einschätzung von Marktstrategen trotz zusätzlicher Fed-Cuts 2026 hartnäckig um 4 bis 4,5 % verharren, getrieben von strukturell höherer Inflation, massiven Staatsanleiheemissionen und einem wachsenden Misstrauen gegenüber einer zunehmend politisierten Notenbank. Hintergrund: Die Fed senkt die Leitzinsen primär, um die Refinanzierungskosten der Banken zu reduzieren und die Kreditvergabe anzukurbeln; doch wenn Kreditinstitute angesichts eines reifen Kreditzyklus und steigender Ausfallrisiken selektiver werden, kommt das billigere Zentralbankgeld nicht zwangsläufig bei Haushalten und Unternehmen an.

Genau das zeigt sich aktuell in der K-förmigen US-Wirtschaft, in der wohlhabende Haushalte vom starken Aktienmarkt profitieren, während breite Verbraucherschichten unter hohen Kreditkosten leiden und zunehmend Konsumausgaben zurückfahren. Der aktuelle Kern-PCE-Index mit 2,8% Teuerung zum Vorjahr – der schnellste Anstieg seit dem Frühjahr 2024 – sowie das Beige Book mit Berichten über kühlere Konsumausgaben und einen “stolpernden” Jobmarkt deuten darauf hin, dass die Fed zwar formal Spielraum für weitere Schnitte hat, zugleich aber Gefahr läuft, mit zu lockerer Geldpolitik längerfristig neue Inflationswellen anzustoßen. Zusätzliche Nervosität entsteht, weil im Mai der Fed-Vorsitz wechselt und Präsident Trump offen angekündigt hat, in den kommenden Wochen einen neuen Chef zu nominieren – etwa Kevin Hassett, der von Teilen des Anleihemarkts als potenziell deutlich politisierter Währungshüter gesehen wird.

Die Tatsache, dass die Kapitalmarktzinsen trotz erwarteter Leitzinssenkung steigen, werten viele Investoren daher als “Abstimmung mit den Füßen”: Der Bondmarkt preist ein Szenario höherer künftiger Inflation und erhöhter Staatsverschuldung ein, was höhere Renditen und damit teurere langfristige Kredite erfordert. Für Aktienmärkte und Kreditnehmer heißt das: Selbst wenn die Fed die Leitzinsen 2026 weiter reduziert, bleibt der Zugang zu günstigem Kapital selektiv – und Unternehmen mit schwachen Bilanzen oder Geschäftsmodellen, die auf billige Finanzierung angewiesen sind, könnten im nächsten Abschnitt des Kreditzyklus deutlich stärker unter Druck geraten.

KURZNEWS

  • Oracle (ORCL) legt diese Woche Zahlen vor; trotz leicht gesenktem Kursziel bleibt die Aktie bei Guggenheim auf Overweight, während sich Credit-Spreads ausweiten – die Marktteilnehmer erwarten Klarheit, ob der 455-Milliarden-Dollar-Auftragsbestand ohne Bonitätsverlust finanzierbar ist.
  • Broadcom (AVGO) notiert nur rund 3 % unter Allzeithoch, profitiert von Spekulationen, künftig kundenspezifische KI-Chips für Microsoft liefern zu können und bleibt einer der am höchsten bewerteten AI-Networking-Player vor Quartalszahlen.
  • Mastercard (MA) und Visa (V) wurden von HSBC jeweils auf “Buy” hochgestuft; für Visa hoben Analysten das Kursziel auf 389 Dollar an und setzen damit auf robuste Zahlungsvolumina trotz Konjunktursorgen.
  • Occidental Petroleum (OXY) wurde von JPMorgan auf Underweight abgestuft, da die Analysten angesichts einer drohenden Ölüberversorgung und höherer Lagerbestände begrenztes Upside sehen, während Devon Energy (DVN) wegen einer erwarteten Nachfragewende im Gasmarkt auf Overweight hochgestuft wurde.
  • General Motors (GM) erhält Rückenwind von Morgan Stanley: Die Analysten stuften die Aktie auf Overweight und erhöhten das Kursziel auf 90 Dollar, weil sie vom Rückenwind klassischer Verbrenner- und Hybridmodelle bei schleppender EV-Nachfrage ausgehen.
  • Carvana (CVNA) wird in den S&P 500 aufgenommen; die Aktie ist seit den Tiefs 2022 um über 8.000 % gestiegen, und Bank of America hob das Kursziel auf 455 Dollar an – Analysten verweisen auf vertikale Integration und Skalierungsvorteile.
  • Micron Technology (MU) legte zu, nachdem mehrere Häuser ihre Kursziele anhoben – unter anderem Asquanta von 200 auf 300 Dollar – und mittlerweile 46 Analysten die Aktie mit “Kaufen” einstufen, getrieben vom strukturellen Speicherbedarf durch KI-Workloads.
  • Wave Life Sciences (WVE) schoss nach positiven Phase‑1‑Zwischendaten zu einem Adipositas-Medikament um mehr als 70% nach oben; der GLP‑1‑ähnliche Ansatz zeigte in drei Monaten signifikanten Fettabbau ohne Muskelverlust und war gut verträglich.
  • Structure Therapeutics (GPCR) sprang nach starken Top-Line-Daten aus einem Adipositas-Programm um über 30% auf neue Allzeithochs über 76 Dollar – Investoren wetten auf eine weitere GLP‑1‑Alternative im Milliardenmarkt.
  • Medline peilt mit einem IPO-Volumen von rund 5,37 Milliarden Dollar den bisher größten US-Börsengang des Jahres an; angeboten werden 179 Millionen Aktien zu 26–30 Dollar je Anteil, was die Marktstimmung für große Emissionen testet.
  • Nvidia (NVDA) legte um etwa 1 % zu, nachdem bekannt wurde, dass das US-Handelsministerium den Export der H200-KI-Chips nach China vorbereiten soll – ein Balanceakt zwischen geopolitischen Bedenken und dem Wunsch, restliche Bestände und Nachfrage im Reich der Mitte zu adressieren.
  • Bitcoin pendelte knapp unter der Marke von 90.000 Dollar, während BlackRock einen iShares Staked Ethereum Trust bei der SEC einreichte; Ether stieg im Zuge der ETF-Fantasie um mehr als 2%, XRP und Solana-ETFs verzeichneten weiter hohe Zuflüsse.
  • Lululemon (LULU) gehörte mit einem Rückgang von über 4% zu den größten Verlierern im S&P 500, da Investoren vor den anstehenden Quartalszahlen Gewinnmitnahmen vornahmen und höhere Erwartungen an Margen und Ausblick einpreisen.

KALENDER Firmen & Unternehmen

Quartalszahlen

DatumUnternehmenEventDetails
Montag, nachbörslichToll Brothers (TOL)Q4-Zahlen Toll BrothersErwartet werden 4,89 Dollar Gewinn je Aktie bei 3,3 Milliarden Dollar Umsatz; Fokus auf Nachfrage im Luxussegment und Einschätzung zu Hypothekenzinsen und Margen
Donnerstag, nachbörslichLululemon Athletica (LULU)Quartalszahlen LululemonBericht am Donnerstagabend; Anleger achten auf Same-Store-Sales und Margen, nachdem die Aktie vorab bereits mehr als 4 % verloren hat
Mittwoch, nachbörslichOracle (ORCL)Oracle-Zahlen und Ausblick auf Cloud-/KI-InvestitionenMarkt erwartet hohe Volatilität, da Oracle seine hohen Cloud- und Infrastrukturinvestitionen rechtfertigen muss; CDS-Spreads signalisieren erhöhte Vorsicht
Montag, nachbörslichPhreesia (PHR), Compass Minerals (CMP)Ergebnisse Phreesia und Compass MineralsPhreesia soll 0,02 Dollar EPS bei 120 Mio. Dollar Umsatz liefern, Compass Minerals wird ein Verlust von 0,23 Dollar je Aktie bei 223,5 Mio. Dollar Umsatz erwartet
voraussichtlich Ende der Woche, nach US-BörsenschlussMedline (Ticker ausstehend)Medline-IPO-PreisfestsetzungBookbuilding-Spanne 26–30 Dollar je Aktie für 179 Mio. Anteile; größtes US-IPO des Jahres, wichtiges Stimmungsbarometer für den Primärmarkt

Makrodaten

DatumRegionEventDetails
Mittwoch, 20:00–20:30 MEZUSAFed-Zinsentscheidung und PressekonferenzDritte Zinssenkung des Jahres um voraussichtlich 25 Basispunkte, Signale zu weiteren Cuts bis 2026 und zur Einschätzung von Inflation (PCE 2,8%) und Arbeitsmarkt
Mittwoch, direkt nach dem ZinsentscheidUSAFed-Pressekonferenz und Debatte um Powell-NachfolgeFragen zur künftigen Fed-Strategie, möglichen personellen Neubesetzungen ab Mai und zur Unabhängigkeit der Notenbank unter einem von Trump nominierten Vorsitzenden

IM BLICKPUNKT

Welche Analysten-Einstufungen und Kursziele stechen derzeit besonders hervor?

Mehrere große Häuser justieren ihre Sektorpräferenzen neu: Morgan Stanley stuft Tesla (TSLA) trotz eines auf 425 Dollar erhöhten Kursziels auf Equal-Weight ab und verweist auf eine bereits eingepreiste KI-/Robotik-Story und ein 210‑faches KGV, hebt im Gegenzug aber General Motors (GM) auf Overweight mit einem Kursziel von 90 Dollar aufgrund robuster Verbrenner- und Hybridmargen. Im Zahlungssektor erhält Visa (V) von HSBC ein “Buy”-Rating samt Ziel 389 Dollar, während Mastercard (MA) ebenfalls auf Kaufen hochgestuft wird. Im Energie-Bereich senkt JPMorgan Occidental Petroleum (OXY) auf Underweight wegen Überangebotsrisiken am Ölmarkt, stuft dafür aber Devon Energy (DVN) auf Overweight hoch und betont die attraktiveren Perspektiven im Gas.

Zudem empfiehlt Bank of America den Turnaround-Titel Carvana (CVNA) mit einem angehobenen Kursziel von 455 Dollar, nachdem der Online-Autohändler in den S&P 500 aufsteigt und sich dank Effizienzgewinnen aus der Restrukturierung emanzipiert hat. Auf der Makroebene rät Yardeni Research erstmals seit 2010, die Sektoren Informationstechnologie und Kommunikationsdienste – trotz starker Magnificent Seven – im S&P 500-Portfolio zu untergewichten, da sie inzwischen rund 45% der gesamten Index-Marktkapitalisierung stellen und Anleger wieder stärker auf Finanz-, Industrie- und Gesundheitswerte setzen sollten.