Kann der Taiwan Semiconductor AI-Boom das rasante Gewinnwachstum trotz hoher Bewertung und geopolitischer Risiken langfristig tragen?
Wie stark profitiert Taiwan Semiconductor vom AI-Boom?
Der Taiwan Semiconductor AI-Boom zeigt sich eindrucksvoll in den jüngsten Zahlen: Im vierten Quartal 2025 steigerte Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. den Umsatz um 20,5 % gegenüber dem Vorjahr, der Gewinn legte sogar um 35 % zu. Treiber sind vor allem AI-Hyperscaler, die Hunderte Milliarden US-Dollar in neue Rechenzentren investieren. TSMC fertigt dabei die führenden GPUs von Nvidia, das im Bereich KI-Rechenzentrumschips Schätzungen zufolge rund 80 % Marktanteil hält. Diese Dominanz hat TSMC geholfen, seinen Anteil am globalen Foundry-Umsatz auf etwa 72 % auszubauen.
Parallel dazu setzen immer mehr Chip-Designer und Cloud-Konzerne auf spezialisierte AI-Beschleuniger, was den strukturellen Vorteil des reinen Auftragsfertigers weiter stärkt. Analystenschätzungen gehen davon aus, dass TSMC den Gewinn in den kommenden drei bis fünf Jahren im Schnitt um rund 30 % pro Jahr steigern könnte. Angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von etwa 34 bleibt damit weiterer Spielraum nach oben, sofern der Investitionszyklus bei KI-Servern anhält.
Steht die Taiwan Semiconductor AI-Boom-Rally vor einer Pause?
Nach einer kräftigen Rally notiert die Aktie von Taiwan Semiconductor aktuell bei 369,55 US-Dollar und damit leicht unter dem Vortagesschluss von 370,54 US-Dollar (−0,27 %). Marktbeobachter sehen in dem fast treppenförmigen Kursanstieg der vergangenen Monate ein mögliches Zwischenplateau. Einige Anleger warten nun darauf, ob die Marke von 375 US-Dollar nachhaltig überwunden werden kann, um den nächsten Aufwärtsschub zu bestätigen.
Bewertungsexperten kommen derweil zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Modell sieht TSMC etwa 7,4 % unterbewertet mit einem fairen Wert um 400 US-Dollar – gestützt insbesondere auf die Rolle des Unternehmens im Herzstück der KI-Infrastruktur. Eine detaillierte Discounted-Cashflow-Analyse kommt hingegen auf einen inneren Wert von knapp 299 US-Dollar und warnt vor einer gewissen Übertreibung. Für Investoren bedeutet das: Der Taiwan Semiconductor AI-Boom ist im Kurs bereits teilweise eingepreist, Schwankungen bei AI-Chip-Nachfrage, Zinsen und geopolitischen Risiken können jederzeit Korrekturen auslösen.
Gleichzeitig bleibt das Interesse institutioneller Anleger hoch. Prominente Investoren wie Stanley Druckenmiller haben ihre Positionen in TSMC weiter ausgebaut und setzen damit darauf, dass der Foundry-Gigant vom strukturellen Trend zu KI, Cloud und High-Performance-Computing überproportional profitiert.

Wie wichtig sind USA-Expansion und Politik für Taiwan Semiconductor?
Neben dem reinen Taiwan Semiconductor AI-Boom rückt die geografische Diversifikation der Fertigung in den Mittelpunkt. In Arizona investiert TSMC über 65 Milliarden US-Dollar in drei hochmoderne Werke, unterstützt von bis zu 6,6 Milliarden US-Dollar Fördermitteln im Rahmen des US-CHIPS-and-Science-Acts. Dort sollen künftig auch 2-Nanometer-Chips vom Band laufen – eine Schlüsseltechnologie für KI-Beschleuniger und High-End-Prozessoren. Die US-Regierung verbindet damit nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Ziele, um bei kritischen Halbleitern weniger abhängig von Asien zu sein.
Rund um den neuen Standort entstehen weitere Projekte: In der Nähe des Werks in der Region Phoenix entstehen neue Wohnanlagen, um die Tausenden hochqualifizierten Beschäftigten zu beherbergen, und lokale Universitäten wie Arizona State University bauen gemeinsam mit TSMC Programme für Forschung und Ausbildung auf. Damit verankern sich Wertschöpfung und Know-how immer stärker in den USA – ein weiterer Pluspunkt für die langfristige Positionierung des Konzerns im westlichen Markt.
Für Anleger bleibt entscheidend, dass TSMC als unverzichtbare Schnittstelle zwischen Chip-Designern wie Nvidia, AMD oder auch großen Cloud-Anbietern agiert. Solange der weltweite Bedarf an Rechenleistung für KI-Anwendungen, Datenanalyse und Cloud-Dienste wächst, dürfte der Taiwan Semiconductor AI-Boom das Ertragsprofil des Unternehmens prägen, wenngleich kurzfristige Volatilität wegen Bewertungsfragen und geopolitischer Spannungen einkalkuliert werden muss.
Fazit
Zusammengefasst untermauert der aktuelle Taiwan Semiconductor AI-Boom die Rolle von TSMC als zentrale Infrastruktur-Aktie im globalen KI-Ökosystem. Für Anleger bedeutet das eine Kombination aus starkem Gewinnwachstum, hoher Markteintrittsbarriere und strategischer US-Expansion, auch wenn Bewertungsdebatten und politische Risiken genau beobachtet werden müssen. Die nächsten Quartalszahlen und Investitionsentscheidungen der großen KI-Hyperscaler werden zeigen, ob TSMC seinen Wachstumskurs im AI-Zeitalter weiter beschleunigen kann.
Weiterführende Quellen
- Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- The Supply Chain Quietly Powering the AI Boom—And 4 Ways to Play It (MarketBeat)
- You Can’t Afford Not to Know More About This Unseen AI Stock Giant (The Motley Fool)
- Assessing Taiwan Semiconductor Manufacturing’s Valuation After Strong Recent Share Price Momentum (Simply Wall Street)
- Biden-Harris Administration Announces Preliminary Terms with TSMC, Expanded Investment from Company to Bring World’s Most Advanced Leading-Edge Technology to the U.S. (National Institute of Standards and Technology)
