Kann die KI-Offensive mit Tesla Robotaxis und Optimus-Roboter das Geschäftsmodell des E-Autobauers komplett drehen? Während erste Robotaxis in Austin ohne Sicherheitsfahrer rollen und Optimus in Teslas Fabriken anläuft, stellt sich für Anleger die Frage, ob hier nur Vision oder schon ein neuer Bewertungshebel entsteht.

Setzt Tesla jetzt alles auf das Robotaxi?
Die Story rund um das Tesla Robotaxi gewinnt im Januar 2026 spürbar an Fahrt. In Austin hat Tesla einen Fahrdienst gestartet, bei dem inzwischen erste Fahrzeuge komplett ohne menschlichen Sicherheitsbegleiter unterwegs sind. Zuvor liefen nur Tests mit Sicherheitsfahrern in Austin und ein noch konventioneller Fahrdienst in San Francisco, bei dem Menschen das Steuer führen. CEO Elon Musk bekräftigte in Davos, dass selbstfahrende Autos für ihn „im Wesentlichen ein gelöstes Problem“ seien und das Robotaxi-Netz in den USA bis Ende des Jahres „sehr weit verbreitet“ sein solle.
Damit greift Tesla etablierte Player wie Waymo von Alphabet oder Zoox von Amazon an, die in mehreren US-Städten bereits genehmigte, vollautonome Dienste anbieten. Der US-Markt für Robotaxis ist hart umkämpft, doch Musks Ziel ist ehrgeizig: Bis Ende 2026 strebt er ein flächendeckendes Netz in den Vereinigten Staaten an. Für Anleger ist klar: Gelingt der breite Rollout des Tesla Robotaxi, könnte sich die Bewertungslogik des Konzerns grundlegend verschieben – weg von Stückzahlen, hin zu wiederkehrenden Service-Umsätzen.
Wie reagiert die Börse auf Tesla Robotaxi?
Die Börse honoriert den neuen Fokus: Die Aktie von Tesla (TSLA) legte zuletzt um rund 4,15 Prozent auf 453,81 US-Dollar zu. Nach einem schwachen Jahr bei den Auslieferungen – die Fahrzeuglieferungen gingen 2025 um etwa 8,6 Prozent zurück, während BYD Tesla als größten Elektroautobauer ablöste – suchen Investoren nach neuen Wachstumstreibern. Autonomie und „physical AI“ stehen dabei im Zentrum der aktuellen Fantasie.
Morgan Stanley verweist auf das wachsende Ökosystem um Teslas Full Self-Driving (FSD): Versicherer wie Lemonade bieten bereits Policen an, die Telematikdaten und FSD-Nutzung einpreisen und bei aktivem FSD Rabatte von bis zu 50 Prozent in Aussicht stellen. Parallel treibt Musk die Monetarisierung voran: Das FSD-Abo liegt aktuell bei 99 US-Dollar im Monat und soll mit steigenden Fähigkeiten teurer werden, womit zusätzliche margenstarke Softwareerlöse aus dem Tesla Robotaxi-Geschäft möglich wären.

Wie stark ist Teslas Doppelwette mit Optimus?
Parallel zum Tesla Robotaxi rückt Musk den humanoiden Roboter Optimus in den Mittelpunkt. In den eigenen Fabriken erledigt Optimus bereits einfache Aufgaben; bis Ende 2026 sollen die Roboter deutlich komplexere Tätigkeiten in industriellen Umgebungen übernehmen. Musk stellt in Aussicht, Optimus ab Ende 2027 an die breite Öffentlichkeit zu verkaufen – vorausgesetzt, Zuverlässigkeit und Sicherheit sind hoch genug.
Damit verfolgt Tesla eine Doppelstrategie: Autonome Fahrzeuge als mobile KI-Plattform und humanoide Roboter als stationäre Arbeitskräfte. Cathie Woods ARK Invest modelliert Robotaxis bereits als dominanten Werttreiber und sieht langfristig bis zu 90 Prozent der Tesla-Bewertung aus diesem Segment, mit einem Kursziel von 2.600 US-Dollar je Aktie; Optimus wäre in diesem Szenario zusätzlicher Aufwärtspuffer.
Welche Risiken drohen Tesla bei Robotaxis?
Trotz der Fortschritte beim Tesla Robotaxi bleiben Risiken erheblich. Tesla hinkt bei Genehmigungen in Schlüsselmärkten wie Kalifornien hinterher und steht in den USA wegen früherer Autopilot- und FSD-Versprechen unter Beobachtung der Regulierer. Zudem zeigen Umfragen, dass viele Verbraucher Robotaxis noch skeptisch sehen, insbesondere beim Thema Sicherheit. Auch beim Optimus-Programm gilt: Musk ist bekannt dafür, aggressive Zeitpläne zu nennen, die er oft verfehlt. HSBC-Analyst Michael Tyndall bleibt daher vorsichtig und hält an seiner „Reduce“-Einstufung mit Kursziel 131 US-Dollar fest, da er Teslas Kerngeschäft im Elektroautomarkt unter Druck sieht.
Dem gegenüber stehen optimistischere Stimmen wie Morgan Stanley, die Autonomie und Robotik als entscheidenden Hebel für eine Neubewertung sehen. Unstrittig ist: Gelingt es Tesla, ein skalierbares Tesla Robotaxi-Netz und einen Massenmarkt für Optimus-Roboter aufzubauen, könnten Margen und adressierbarer Markt deutlich über das klassische Autogeschäft hinauswachsen.
„Ich denke, selbstfahrende Autos sind im Grunde ein gelöstes Problem“ – Elon Musk in Davos über den Stand der Autonomie bei Tesla.— Elon Musk
Unterm Strich verschiebt Tesla seinen strategischen Fokus klar in Richtung KI-gestützter Dienste – mit dem Tesla Robotaxi und Optimus als zentralen Säulen. Für Anleger bleibt die Aktie damit eine spekulative Wette auf die Kommerzialisierung von Autonomie und humanoider Robotik, deren Erfolg sich in den kommenden Quartalen im operativen Geschäft und im regulatorischen Fortschritt zeigen muss.