Kann das Tesla Robotaxi trotz Unfällen, Bewertungsfantasie und Europa-Frust die hochgesteckten Autonomie-Erwartungen noch erfüllen?
Wie steht das Tesla Robotaxi nach den jüngsten Unfällen da?
Im Fokus der Märkte steht aktuell das Tesla Robotaxi, das seit Juni 2025 in Austin mit einer kleinen Flotte unterwegs ist. Jüngst wurden fünf weitere Unfälle gemeldet, womit sich die Gesamtzahl der Crashs seit Start auf 14 summiert. Das klingt zunächst überschaubar, doch statistisch ergibt sich ein Unfall alle 57.000 Meilen – deutlich schlechter als die rund 229.000 Meilen pro Crash bei durchschnittlichen US-Fahrern und den etwa 500.000 Meilen laut Daten der Verkehrssicherheitsbehörde für polizeilich erfasste Unfälle. Brisant: Trotz Sicherheitsfahrer auf dem Vordersitz schneidet das Tesla Robotaxi damit vier- bis achtmal schlechter ab als menschliche Fahrer.
Parallel kämpft das Unternehmen um regulatorische Klarheit. In Kalifornien argumentiert Tesla, dass der Robotaxi-Betrieb nicht vollständig unter die dortigen Regeln für autonome Fahrzeuge fällt, da Sicherheitsfahrer und Remote-Assistenten eingebunden sind. Gleichzeitig wehrt sich der Konzern gegen Einschränkungen bei Marketingbegriffen wie „driverless“, „self-driving“ oder „Robotaxi“, nachdem das Unternehmen in einem früheren Verfahren wegen „Autopilot“ und „Full Self-Driving“ bereits eine Niederlage einstecken musste. Diese Gemengelage verschärft die Zweifel, ob das Tesla Robotaxi schon reif für einen breiten Rollout ist.
Welche Rolle spielt Tesla Robotaxi für die extrem hohe Bewertung von Tesla?
Trotz aller Risiken setzen viele Investoren darauf, dass das Tesla Robotaxi langfristig zu einem margenstarken Plattform-Geschäft wird. Die Aktie notiert mit einem sehr hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis; in einzelnen Schätzungen wird für 2026 ein Forward-KGV im hohen dreistelligen Bereich genannt. Darin eingepreist ist nicht nur ein profitabler Elektroauto- und Energiespeicherhersteller, sondern auch ein skalierter Ride-Hailing-Dienst auf Basis des Tesla Robotaxi und Softwareerlöse über FSD-Abos.
Gleichzeitig stagniert das klassische E-Auto-Geschäft. Die Auslieferungen in Europa fielen zuletzt deutlich, die operativen Margen standen unter Druck und die Aktie liegt trotz KI-Fantasie wieder unter 400 US-Dollar. Hinzu kommt ein massiver Investitionsplan: Für 2026 kalkuliert Tesla mit über 20 Milliarden US-Dollar an Investitionen, nach 8,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Finanziert werden sollen insbesondere KI-Rechenzentren, Cybercab-Produktionslinien, der Ausbau der Robotaxi-Flotte und neue KI-fähige Assets. Scheitert das Tesla Robotaxi daran, Sicherheit und Skalierung zeitnah zu liefern, droht der Aktie angesichts dieser Vorschusslorbeeren ein empfindlicher Bewertungsabschlag.

Wie entwickelt sich Tesla in Europa?
Während Tesla in den USA auf Autonomie und Software setzt, gerät der Konzern in Europa zunehmend unter Druck. Die Neuzulassungen fielen im Januar um 17 % auf nur noch rund 8.000 Fahrzeuge – der 13. Rückgang in Folge. Der Marktanteil in der Region, inklusive EU, Großbritannien, Schweiz, Norwegen und Island, sank auf lediglich 0,8 %. Branchenbeobachter verweisen auf mehrere Faktoren: Das Modellportfolio altert, günstige E-Autos von Wettbewerbern wie BYD, MG oder Zeekr erobern Marktanteile, und zusätzlich drückt ein großer Bestand an Leasing-Rückläufern die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt. In vielen Ländern können Käufer heute relativ günstig auf gebrauchte Teslas ausweichen, was Neuwagenverkäufe weiter bremst.
Erschwerend kommt Reputationsschaden hinzu – sowohl durch Diskussionen um Autopilot und das Tesla Robotaxi als auch durch die politische Polarisierung rund um Elon Musk. Für Tesla bedeutet dies: Die Wachstumsstory in Europa hängt stärker denn je von neuen Produkten und einer überzeugenden KI-Strategie ab – bloße Preissenkungen scheinen nicht mehr zu reichen.
Kann Optimus die Wette auf Autonomie absichern?
Neben dem Tesla Robotaxi rückt der humanoide Roboter Optimus ins Zentrum der Strategie. Tesla wandelt Teile des Werks in Fremont von der Produktion der Modelle S und X zu einer Fertigungslinie für Optimus um. Langfristig plant Musk dort eine Kapazität von bis zu einer Million Roboter pro Jahr. Das Geschäftsmodell erinnert an die Kombination aus Hardware plus Abo, die Tesla bereits bei seinen Fahrzeugen verfolgt: Einmalige Anschaffungskosten für den Roboter, ergänzt um laufende Software- und Serviceerlöse, wenn Optimus neue Fähigkeiten erlernt oder in unterschiedliche Arbeitsumgebungen integriert wird.
Fazit
An der Börse wird Optimus zunehmend als zweites großes KI-Standbein neben dem Tesla Robotaxi gesehen, das langfristig ein erhebliches Gewinnpotenzial bietet. Kurzfristig bleibt der Beitrag jedoch begrenzt: Optimus befindet sich noch in der Entwicklungsphase und ist aktuell nur in Tesla-Fabriken im Einsatz, um Routinetätigkeiten zu erlernen. Für Anleger bedeutet das: Die Fantasie ist groß, der Nachweis der kommerziellen Skalierung steht aber noch aus.
Weiterführende Quellen
- Tesla, Inc. – Kurs und Kennzahlen (Yahoo Finance)
- Tesla hat ein Robotaxi-Problem, und das ist schlecht für die Aktie (The Motley Fool)
- Below $400 Again, Is Tesla Stock a Buy? (The Motley Fool)
- Tesla’s Europe problem keeps getting worse (CNBC)

