Steht The Trade Desk vor einem dauerhaften Absturz oder vor dem vielleicht spannendsten Comeback der eigenen Börsengeschichte?
Wie stark steht The Trade Desk unter Druck?
The Trade Desk, Inc. hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Die Aktie liegt rund 55 % unter dem Niveau des Vorjahres und notiert mit 27,36 US-Dollar in Regionen, die zuletzt während der Corona-Baisse 2020 gesehen wurden. Auslöser des jüngsten Rutschs war vor allem das vierte Quartal 2024, in dem das Unternehmen seine eigene Umsatzerwartung verfehlte – ein Bruch mit der früheren Erfolgsserie stetiger Übererfüllungen.
Operativ ist das Bild zweigeteilt. Der Umsatz legte 2025 auf 2,9 Milliarden US-Dollar zu, was einem Wachstum von 18 % entspricht. Damit bleibt der Werbespezialist für das offene Internet klar im Plus, verfehlt aber deutlich die 26 % Wachstum aus 2024. Besonders kritisch: Im Q4 2024 verlangsamte sich das Plus auf nur noch 14 %, was die Sorge nährt, dass sich die Wachstumsdelle im laufenden Jahr fortsetzt und die bisherige The Trade Desk Prognose vieler Analysten zu optimistisch war.
Immerhin bleibt das Unternehmen profitabel: Der Nettogewinn stieg auf 443 Millionen US-Dollar, ein Zuwachs von 13 %. Die Margen litten vor allem unter beinahe verdoppelten Steueraufwendungen und weniger unter operativen Problemen – ein wichtiger Punkt für Investoren, die die Ertragskraft im Kerngeschäft beurteilen wollen.
KI-Plattform Kokai: Fehlstart oder strategischer Befreiungsschlag?
Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht Kokai, die KI-gestützte Kaufplattform für digitale Werbung. Sie sollte Kampagnen automatisieren und Effizienzen heben, sorgte aber zunächst für Frust bei Werbekunden. Viele Nutzer kritisierten, dass sie nicht mehr alle Steuerparameter auf einen Blick sehen und manuelle Eingriffe schwieriger vornehmen konnten. Statt gefühlter Kontrolle bekamen Kunden einen Black Box-Algorithmus – in einem Umfeld, in dem Performance-Marketer Transparenz schätzen.
Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb: Alphabet, Amazon und zunehmend auch Apple bauen ihre „Walled Gardens“ aus und geben ihren eigenen Werbeplattformen bevorzugten Zugang zu Premium-Inventar. Für einen offenen Adtech-Player wie The Trade Desk, Inc. bedeutet das Gegenwind, weil hochwertige Reichweiten außerhalb dieser Ökosysteme schwerer zu skalieren sind.
Trotzdem sehen mehrere Analysten das Potenzial von Kokai langfristig positiv, wenn die Bedienbarkeit nachgeschärft und zusätzliche Kontrollmöglichkeiten integriert werden. In dieses Bild passt, dass die Bewertung deutlich gefallen ist: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 31, die Forward-P/E sogar nur bei 13 – ein Niveau, das die The Trade Desk Prognose für ein mögliches Re-Rating bei wieder anziehendem Wachstum unterstützt.

The Trade Desk Prognose: Wie wichtig ist ein OpenAI-Deal?
Für Fantasie sorgt die Spekulation um eine Partnerschaft mit OpenAI. Demnach könnte The Trade Desk, Inc. Unternehmen helfen, Anzeigen in ChatGPT-Umgebungen zu platzieren. Sollte sich das bewahrheiten, wäre das ein starkes Signal, dass KI-Assistenten klassische Werbemodelle nicht verdrängen, sondern in neue Kanäle überführen – und The Trade Desk eine zentrale Rolle in dieser Wertschöpfungskette einnehmen könnte.
Marktbeobachter verweisen zudem darauf, dass der CEO zuletzt signifikant Aktien zugekauft hat. Solche Insiderkäufe werden an der Börse oft als Vertrauensbeweis in die eigene The Trade Desk Prognose gewertet, gerade wenn sie in eine Phase schwacher Kursentwicklung fallen. Parallel dazu hob das Analysehaus Arete die Aktie von „Sell“ auf „Neutral“ an und setzte ein Kursziel von 25 US-Dollar. Zwar liegt dieses leicht unter dem aktuellen Kurs, signalisiert aber, dass der stärkste Pessimismus überwunden sein könnte.
Auch im internationalen Geschäft bleibt Bewegung: Der Ausbau der Präsenz in EMEA und APAC stärkt die regionale Diversifikation und reduziert die Abhängigkeit vom nordamerikanischen Werbemarkt. In einem Szenario, in dem globale Markenbudgets langsam wieder wachsen, könnte genau dieser Hebel stärker zum Tragen kommen und die mittelfristige The Trade Desk Prognose stützen – ähnlich, wie es bei anderen Wachstumswerten im KI-Umfeld wie NVIDIA oder Tesla beobachtet wurde.
Was bedeutet die Bewertung für Anleger?
Nach dem Einbruch wirkt die Aktie deutlich günstiger bewertet als in den vergangenen Jahren, als The Trade Desk mit hohen Prämien auf den Markt gehandelt wurde. Ein KGV nahe dem S&P-500-Durchschnitt und eine zweistellige Forward-P/E bieten Spielraum für eine Neubewertung, falls Kokai stabiler läuft und ein möglicher OpenAI-Deal neue Wachstumsimpulse setzt. Die Kombination aus intaktem Gewinn, robuster Bilanz und gesunkener Bewertung macht den Titel für langfristig orientierte Anleger wieder interessanter.
Risiken bleiben: Anhaltende Wachstumsverlangsamung, eine verschärfte Abschottung durch Werbe-Giganten und Verzögerungen bei der Optimierung von Kokai könnten die Erholung verzögern. Dennoch überwiegt aus heutiger Sicht die Chance, dass The Trade Desk, Inc. aus der aktuellen Schwächephase gestärkt hervorgeht, wenn Management und Technologie-Linie greifbare Verbesserungen liefern.
Fazit
Unterm Strich zeichnet die aktuelle The Trade Desk Prognose das Bild eines angeschlagenen, aber keineswegs geschlagenen Adtech-Pioniers mit intakter Profitabilität. Für Anleger eröffnet der Kursrückgang die Chance, einen etablierten Wachstumswert zu deutlich niedrigeren Multiples als in der Vergangenheit einzusammeln. Entscheidend wird nun, ob Kokai stabilisiert und ein möglicher OpenAI-Partnerdeal realisiert wird – dann könnte sich The Trade Desk als einer der spannenderen Turnaround-Kandidaten im Tech-Sektor erweisen.
Weiterführende Quellen
- The Trade Desk, Inc. bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- The Trade Desk Stock Isn’t What It Was a Year Ago. Here’s What Changed. (The Motley Fool)
- 3 Reasons Why The Trade Desk Is a Screaming Buy Right Now (The Motley Fool)
- Trade Desk’s EMEA and APAC Push Strengthens International Growth (Zacks Investment Research)

