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TUI Quartal mit Rekord-Winter und Dividenden-Comeback: Warum die Aktie trotz Gewinnsprung um 4,5% fällt

ERWÄHNTER TICKER
Schlusskurs 8,93€ -4,45% 10.02.26 11:18 Uhr
TUI AG

Das aktuelle TUI Quartal liefert gleich mehrere Überraschungen: operativ schreibt der Reisekonzern im traditionell schwachen Winter deutliche schwarze Zahlen, die Nettoverschuldung sinkt und die Dividende kehrt zurück. Trotzdem rutscht die TUI-Aktie nach den Zahlen deutlich ab. Was hinter dem Rekord-Winter, dem Dividenden-Comeback und der skeptischen Reaktion an der Börse steckt, ordnen wir im folgenden Überblick ein.

TUI Quartal: Wie stark war der Jahresauftakt?

Im ersten TUI Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 blieb der Umsatz mit 4,86 Milliarden Euro praktisch stabil. Wechselkursbereinigt entspricht das einem Plus von rund 1,3 Prozent. Entscheidend ist jedoch die Ergebnisseite: Das bereinigte EBIT kletterte um gut die Hälfte auf 77,1 Millionen Euro, nach 50,9 Millionen Euro im Vorjahr. Damit meldet TUI das beste Winterquartal seiner Unternehmensgeschichte und dreht ein traditionell verlustreiches Viertel operativ deutlich ins Plus.

Unter dem Strich steht für die Anteilseigner zwar weiterhin ein Fehlbetrag von knapp 44 Millionen Euro, dieser liegt allerdings nur noch etwa halb so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt reisten im TUI Quartal rund 7,1 Millionen Gäste mit dem Konzern, ein Plus von zwei Prozent. Getrieben wurde die Verbesserung vor allem von Kreuzfahrten und Hotels, während das klassische Veranstalter- und Airline-Geschäft weiter unter hohem Wettbewerb und Preisdruck steht.

TUI: Woher kommt der Gewinnsprung?

Besonders dynamisch entwickelte sich das Kreuzfahrtsegment, das sein bereinigtes EBIT um rund 70 Prozent steigern und einen Rekordwert erzielen konnte. Höhere Auslastungen und zusätzliche Kapazitäten – etwa durch neue Schiffe – zahlten sich klar aus. Auch der Bereich Hotels & Resorts legte operativ zu und übertraf die zugrunde liegende Entwicklung des Vorjahresrekords, wurde jedoch durch Sondereffekte gebremst: Der Hurrikan auf Jamaika belastete mit rund 10 Millionen Euro, zudem entfiel ein positiver Bewertungseffekt von 15 Millionen Euro aus dem Vorjahr.

Im Segment Märkte + Airline, in dem die klassischen Pauschalreisen und das Fluggeschäft gebündelt sind, blieben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. TUI reduzierte bewusst Risikokapazität, um Preisdruck zu vermeiden, und setzt stärker auf dynamische, flexibel paketierte Produkte sowie den App-Vertrieb. Das bereinigte EBIT verbesserte sich hier dennoch um knapp acht Prozent, unterstützt durch Effizienzprogramme und eine gesenkte Kostenbasis. Gleichzeitig verschob sich ein Teil der Nachfrage hin zu Ausflügen, Aktivitäten vor Ort und Fernreisezielen in Asien, während USA-Trips erkennbar an Beliebtheit verloren.

TUI Quartalszahlen und Dividenden-Comeback Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

TUI: Dividenden-Comeback und Schuldenabbau

Finanziell hat TUI in den vergangenen Quartalen weiter Boden gutgemacht. Die Nettoverschuldung sank zum 31. Dezember 2025 um rund 0,5 Milliarden Euro auf 3,6 Milliarden Euro. Ein höherer operativer Cashflow, positive Währungseffekte sowie vorzeitige Rückzahlungen von Schiffs-Leasingverbindlichkeiten und Flugzeugfinanzierungen trugen dazu bei. Zudem überführte der Konzern durch einen Schuldschein in Höhe von 295,5 Millionen Euro Vermögenswerte in das eigene Eigentum.

Auf dieser Basis wagt der Konzern den Schritt zurück zur Ausschüttung: Vorgeschlagen ist eine Starter-Dividende von 0,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025. Ab dem Geschäftsjahr 2026 soll eine Ausschüttungsquote von 10 bis 20 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie gelten. Die neue Dividendenpolitik soll Aktionärsrendite, Investitionsspielraum und weiteren Schuldenabbau ausbalancieren. Für Anleger signalisiert das TUI Quartal damit nicht nur operative Stabilität, sondern auch einen strukturellen Übergang von Krisenbewältigung zurück zu einem normalen Kapitalmarktfokus.

TUI: Warum fällt die Aktie trotz Rekordquartal?

An der Börse überwiegt zunächst die Ernüchterung: Die Aktie von TUI (TUI1.DE) notiert am Dienstagvormittag bei rund 8,93 Euro und damit etwa 4,5 Prozent unter dem Vortagesschluss von 9,35 Euro. Zeitweise lagen die Abschläge sogar noch höher. Hintergrund ist, dass der Kurs seit Anfang November von unter 7 Euro auf ein Jahreshoch von 9,56 Euro gestiegen war – ein Plus von rund 38 Prozent. Nach diesem Lauf waren die Erwartungen hoch, viele Investoren hatten zusätzlich auf positive Überraschungen im TUI Quartal gesetzt.

TUI bleibt auf Wachstumskurs. Wir sind mit dem ersten Quartal zufrieden.
— Sebastian Ebel, Vorstandschef TUI

Fazit

Der von JPMorgan zuständige Analyst Karan Puri bezeichnete den Jahresauftakt als solide, verwies aber darauf, dass das laufende Geschäft aktuell etwas schwächer laufe. Entscheidend: TUI bestätigt zwar die Ziele für das Gesamtjahr – ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 2 bis 4 Prozent und ein EBIT-Anstieg von 7 bis 10 Prozent –, deutet aber nicht an, diese übertreffen zu können. Das dämpft die Fantasie nach der Rallye und eröffnet Raum für Gewinnmitnahmen. Weitere große Häuser wie Citigroup oder RBC Capital Markets werden nun genau beobachten, ob Buchungstrends und Margen die bestätigte Prognose untermauern, und ihre Einschätzungen entsprechend anpassen.

Weiterführende Quellen