Droht der US-Regierung Zölle nach dem Supreme-Court-Urteil ein teurer Zoll-Schock mit milliardenschweren Rueckerstattungen?
Was ändert das Urteil an der US-Regierung Zölle?
Mit einem 6:3-Votum erklärte der Supreme Court die weitreichenden IEPA-Zölle von Präsident Trump für verfassungswidrig. Das Internationale Notstandsgesetz von 1977 sei für “echte nationale Sicherheitsnotfälle” gedacht, nicht für eine dauerhafte Zollpolitik. Damit fällt das zentrale Instrument weg, mit dem die US-Regierung Zölle seit 2025 ein komplexes, teils über 30 % liegendes Abgabensystem aufgebaut hatte. Die Entscheidung reduziert den durchschnittlichen US-Zollsatz zunächst deutlich – von zuvor rund 16,9 % auf etwa 9 %. Doch der Entspannungseffekt hielt nur Stunden.
Trump reagierte mit einer neuen Durchführungsverordnung: Ab sofort wird ein pauschaler Importzoll von 15 % unter Sektion 122 des Handelsgesetzes fällig. Dieses Instrument erlaubt zwar nur Abgaben für maximal 150 Tage, könnte aber durch wiederholte Ausrufung einer Zahlungsbilanz-Notlage faktisch verlängert werden. Für Unternehmen ist damit klar: Die Richtung der US-Regierung Zölle bleibt protektionistisch, aber der rechtliche Unterbau ist brüchig.
Wie wirken die neuen 15-%-Zölle global?
Der neue One-size-fits-all-Tarif ersetzt einen Flickenteppich aus IEPA-Abgaben und senkt den effektiven durchschnittlichen Satz laut Schätzungen auf etwa 13,5 bis 13,7 %. Besonders China und Brasilien verzeichnen unterm Strich niedrigere Belastungen: Für China könnten die effektiven Sätze von 32 % auf rund 24 % fallen, bei Brasilien mehr als halbiert werden. Gleichzeitig bleiben besonders sensible Sektoren wie Stahl, Aluminium, Halbleiter und Teile der Pharmaindustrie unter separaten Sektion-232-Zöllen von bis zu 50 % außen vor – hier bleibt die Kostenbasis für Importeure hoch.
Leidtragende sind vor allem europäische Exporteure. Für EU-Autobauer bleiben rund 15 % Zoll auf Ausfuhren in die USA bestehen, bei Stahl und Aluminium gilt weiter eine Belastung von rund 50 %. Eine europäische Bewertung kommt zu dem Schluss, dass die pauschalen 15 % der US-Regierung Zölle auf einige Produkte höher ausfallen als die Abgaben, die das geplante US-EU-Handelsabkommen vorgesehen hätte. Das Europäische Parlament hat die Ratifizierung dieses Abkommens daher formell auf Eis gelegt.
zölle: Was bedeutet die Zollwende für Unternehmen?
Für global agierende Konzerne herrscht ein außergewöhnlich unsicheres Planungsumfeld. Die 150-Tage-Limitierung der Sektion-122-Zölle bedeutet, dass innerhalb des aktuellen Fensters bis Ende Juli keine größeren Standortentscheidungen getroffen werden dürften – weder Fabrikschließungen noch Neuansiedlungen rechnen sich auf dieser Basis. Viele Unternehmen haben bereits in den vergangenen Jahren Lieferketten verlagert, etwa weg von China hin zu anderen asiatischen Standorten, nach Südamerika oder in geringerem Umfang nach Afrika.
Einzelhändler wie Gap oder Online-Plattformen wie Amazon und Walmart sahen ihre Margen durch Spitzenzölle von bis zu 50 % massiv belastet. Nun zwingt die erneute Neuordnung der US-Regierung Zölle sie, Sortimente zu straffen und stärker margenstarke Kategorien zu priorisieren. Kleine Hersteller mit hohem Importanteil an Vorleistungen leiden besonders, da sie Kostensteigerungen nicht so leicht weitergeben können. Gleichzeitig steigen politische Risiken: Mehrere Länder, darunter die EU, Großbritannien und Australien, prüfen offen Gegenmaßnahmen.
Rückerstattung von 175 Milliarden Dollar – was ist drin?
Seit März 2025 haben die US-Zölle schätzungsweise bis zu 175 Milliarden Dollar in die Staatskasse gespült. Nach dem Supreme-Court-Urteil stellen sich Importeure die Frage, ob illegal erhobene Abgaben erstattet werden. Formal müsste der Court of Federal Claims und der Court of International Trade nun klären, wie ein Rückzahlungsmechanismus aussehen könnte. Experten rechnen mit einem langwierigen, bürokratischen Prozess von zwei bis fünf Jahren. Konzerne wie Apple (geschätzt 3,6 Milliarden Dollar Zolleinsatz) oder Costco haben bereits Klagen eingereicht, um sich frühzeitig zu positionieren.
Politisch ist die Lage hoch aufgeladen: Demokratische Gouverneure wie Gavin Newsom und J.B. Pritzker fordern direkte Auszahlungen an Haushalte, teils über 1.700 Dollar pro Familie. Die Trump-Administration signalisiert dagegen, dass sie die Einnahmen lieber zur Defizitreduzierung nutzen will und Rückerstattungen keinen leichten Weg durch den Kongress finden dürften. Für Anleger bleibt damit offen, ob und in welchem Umfang Unternehmen jemals Geld zurücksehen – ein weiterer Unsicherheitsfaktor der US-Regierung Zölle.
Nur ein stabiles Zollregime kann zu Investitionen führen.
— Handelsexperte eines US-Think-Tanks
Fazit
Die aktuelle Linie der US-Regierung Zölle nach dem Supreme-Court-Urteil verfestigt einen protektionistischen Kurs, ohne den Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen zu geben. Für Anleger erhöht das die Volatilität in zollsensiblen Branchen wie Industrie, Konsum und Autos, während exportorientierte Regionen wie die EU unter zusätzlichem Druck stehen. Wer investiert ist, sollte die weitere rechtliche Entwicklung rund um Sektion 122 und mögliche Übergänge zu dauerhaften Sektion-301-Zöllen eng verfolgen und Portfolios gezielt auf Zollrisiken und globale Lieferkettenexponierung prüfen.
Weiterführende Quellen
- US Supreme Court ruling limits presidential use of IEPA for tariffs (Bloomberg)
- Analysis of Trump’s new 15% global tariff under Trade Act Section 122 (Reuters)
- EU freezes work on US trade deal after new US import tariffs (Financial Times)
- US-Zollpolitik nach Supreme-Court-Urteil bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
