Droht der Netflix-Deal zu kippen, wenn Paramount bei der Warner Bros Discovery Übernahme weiter nachlegt?
Warner Bros Discovery Übernahme: Wie ist der Stand?
Die Übernahmeschlacht um Warner Bros. Discovery, Inc. erreicht eine neue Eskalationsstufe. Aktuell existiert eine bindende Vereinbarung, nach der Netflix das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner Bros. Discovery für rund 83 Milliarden US‑Dollar übernehmen soll. Die TV-Sender, darunter CNN, würden im Zuge dieser Transaktion in ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen abgespalten. Damit wäre der Konzern grundlegend neu strukturiert und stärker auf Streaming und Inhalte fokussiert.
Parallel dazu versucht jedoch Paramount Skydance, die Warner Bros Discovery Übernahme in eine andere Richtung zu lenken. Paramount legt nicht nur ein Komplettangebot für den gesamten heutigen Konzern inklusive der TV-Sender auf den Tisch, sondern hat sein Gebot zuletzt deutlich attraktiver ausgestaltet. Im Raum steht ein Kaufpreis von rund 108,4 Milliarden US‑Dollar, womit Paramount das Netflix-Paket klar überbieten würde. Der Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery diskutiert nun intensiv, ob dieses Angebot als „überlegen“ einzustufen ist und den bestehenden Netflix-Deal ins Wanken bringen könnte.
An der Börse reagiert die Aktie verhalten konstruktiv: Warner Bros. Discovery (WBD) notiert aktuell bei 27,99 US‑Dollar, leicht unter dem Vortagesschluss von 28,11 US‑Dollar (‑0,43 %), während der außerbörsliche Handel bei 28,02 US‑Dollar (+0,11 %) liegt. Damit befindet sich der Kurs deutlich über dem Jahrestief von 6,74 Euro, aber unter dem Jahreshoch von 25,65 Euro auf Xetra-Basis.
Was genau bietet Paramount Warner Bros. Discovery?
Herzstück des neuen Paramount-Vorstoßes ist eine umfangreiche Risikoübernahme. Da Warner Bros. Discovery bereits eine rechtsverbindliche Vereinbarung mit Netflix geschlossen hat, wäre bei einem Abbruch der Transaktion eine empfindliche Kündigungsgebühr von 2,8 Milliarden US‑Dollar an Netflix fällig. Paramount signalisiert nun, diese Zahlung vollständig zu übernehmen. Damit würde der finanzielle Schaden für Warner Bros. Discovery bei einem Kurswechsel minimiert und die Hürde für ein Umschwenken auf das Paramount-Angebot deutlich gesenkt.
Zusätzlich enthält das überarbeitete Angebot eine Art „Verzugsprämie“ für die Aktionäre: Für jedes Quartal, in dem die Transaktion nach 2026 noch nicht abgeschlossen wäre, sollen weitere Zahlungen an die Anteilseigner fließen. Damit adressiert Paramount die Sorge, dass sich die Warner Bros Discovery Übernahme durch langwierige regulatorische Prüfungen oder politische Widerstände verzögern könnte. Insbesondere in den USA und Europa könnten Kartellbehörden die Marktstellung eines fusionierten Medienriesen kritisch hinterfragen, ganz gleich ob Netflix oder Paramount letztlich den Zuschlag bekommt.
Bisher hatte der Verwaltungsrat sämtliche vorherigen, unaufgeforderten Offerten von Paramount klar abgelehnt und sich für den Netflix-Deal entschieden. Nun aber sehen mehrere Mitglieder offenbar die Chance, entweder einen deutlich besseren Gesamtpreis zu erzielen oder Netflix zu einer substantiellen Nachbesserung seines Angebots zu bewegen.

Wie reagieren Netflix, Investoren und Aufseher?
Für Netflix steht bei der Warner Bros Discovery Übernahme strategisch enorm viel auf dem Spiel. Durch den Zukauf von Warner-Studios und HBO-Content könnte der Streaming-Pionier sein Angebot massiv ausbauen und sich gegenüber Disney+ und anderen Wettbewerbern neu positionieren. Gleichzeitig leidet die Netflix-Aktie bereits unter der Unsicherheit rund um die geplante Transaktion und die regulatorischen Hürden, auf die auch Analysten wiederholt hinweisen.
Auf Investorenseite ist der Druck hoch: Institutionelle Großaktionäre von Warner Bros. Discovery zeigen sich zunehmend ungeduldig, da der Bieterkampf zwar Potenzial für höhere Preise bietet, zugleich aber die Visibilität über die künftige Struktur des Konzerns einschränkt. Aktivistische Investoren wie Sachem Head Capital Management haben ihren Einsatz im vierten Quartal erhöht und verfolgen das Ringen zwischen Netflix und Paramount genau, um Einfluss auf die finale Ausgestaltung zu nehmen.
Parallel dazu bereitet sich Paramount auf eine härtere Gangart vor. Medienberichten zufolge wird etwa der Hedgefonds-Manager Matthew Halbower von Pentwater Capital als möglicher Kandidat für einen Sitz im Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery gehandelt, falls es zu einem offenen Board-Fight kommt. Damit könnte der Druck auf das Gremium steigen, das Paramount-Angebot zumindest gleichwertig zur Netflix-Vereinbarung zu prüfen.
Was bedeutet die Warner Bros Discovery Übernahme für die Aktie?
Für Anleger steht im Zentrum die Frage, welches Szenario den höchsten Wert je Aktie freisetzen kann. Das Netflix-Paket fokussiert sich auf Studio- und Streaming-Assets und lässt die TV-Sender separat an der Börse zurück. Paramount hingegen will den gesamten Konzern schlucken und bietet einen nominell höheren Unternehmenswert. Entscheidender Unterschied ist die Risikoverteilung: Während beim Netflix-Deal die regulatorische Genehmigung als größte Hürde gilt, verspricht Paramount Kompensation für Verzögerungen und übernimmt zusätzlich die Milliarden-Kündigungsgebühr.
Fazit
Analystenhäuser wie Citigroup, Goldman Sachs oder Morgan Stanley beobachten die Lage aufmerksam, da sich Bewertungsmodelle je nach Ausgang des Bieterwettstreits signifikant unterscheiden. Zwar stehen konkrete neue Ratings aktuell nicht im Vordergrund, doch im Markt kursiert die Erwartung, dass ein echter Bieterkrieg den Druck auf beide Käuferseite erhöhen und damit den Break-up-Value von Warner Bros. Discovery sichtbar machen könnte. Kurzfristig dürfte die Aktie stark von Nachrichtenfluten rund um die Warner Bros Discovery Übernahme abhängig bleiben, während langfristig die Integrations- und Synergiepotenziale des siegreichen Bieters über den nachhaltigen Wert entscheiden.
