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Oracle Quartal -3,6%: KI-Boom, Milliarden-Backlog und Risiko-Schock
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Oracle Quartal -3,6%: KI-Boom, Milliarden-Backlog und Risiko-Schock

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ORCL Oracle Corporation $149.91 -3.59% Aktuell: 20.03.26 16:25 Uhr MEZ

Kann das Oracle Quartal mit KI-Boom und Milliarden-Backlog den Kursrutsch stoppen oder kippt die Wette auf massive Capex?

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Aktuell 149,91$ -3,59% 20.03.26 16:25 Uhr MEZ
Oracle Corporation

Oracle Quartal: Wie stark ist das Wachstum wirklich?

Im jüngsten Oracle Quartal, dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2026 (bis 28. Februar), legte Oracle Corporation beim Umsatz um 22 % auf 17,2 Milliarden US-Dollar zu und übertraf damit die Markterwartung von 16,9 Milliarden US-Dollar. Auf Non-GAAP-Basis stieg der Gewinn je Aktie um 21 % auf 1,79 US-Dollar, ebenfalls deutlich über den erwarteten 1,70 US-Dollar. Damit liefert das Oracle Quartal klare Signale, dass das Kerngeschäft trotz hoher Investitionen in KI-Infrastruktur profitabel wächst.

Treiber ist vor allem die Cloud-Infrastruktur-Sparte: Hier kletterte der Umsatz um beeindruckende 84 % auf 4,9 Milliarden US-Dollar und lag damit über den Konsensschätzungen von rund 4,74 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu schwoll der Auftragsbestand, die sogenannten Remaining Performance Obligations (RPO), um 325 % auf 553 Milliarden US-Dollar an. Dieser Wert steht sinnbildlich für die Wette des Konzerns, künftig zu einem der zentralen Anbieter für KI-Workloads zu werden – in direkter Konkurrenz zu Hyperscalern und spezialisierten Chip-Partnern wie NVIDIA.

Trotz dieser starken operativen Entwicklung notiert die Aktie aktuell deutlich unter ihren Hochs vom September, nachdem sie in den vergangenen sechs Monaten zeitweise fast die Hälfte ihres Wertes verloren hatte. Gründe dafür sind Sorgen über die Abhängigkeit von Großkunden wie OpenAI, die hohe Verschuldung für den Infrastruktur-Ausbau und die Frage, ob sich das enorme Wachstumstempo halten lässt.

Oracle: Wie riskant ist der KI-Investitionsplan?

Um den gigantischen Auftragsbestand des Oracle Quartal in tatsächliche Umsätze zu verwandeln, investiert Oracle Corporation massiv in neue Rechenzentren. Die Investitionsausgaben (Capex) sprangen im jüngsten Quartal um 269 % auf 8,5 Milliarden US-Dollar, für das Gesamtjahr werden rund 50 Milliarden US-Dollar Capex erwartet – mehr als doppelt so viel wie die 21 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahr. Finanziert wird dieser Kraftakt über eine Mischung aus neuem Eigenkapital und Anleihen: Bereits rund 20 bis 30 Milliarden US-Dollar an neuen Aktien und etwa 25 Milliarden US-Dollar an neuer Verschuldung wurden platziert.

Der Markt reagierte zunächst skeptisch: Die Kombination aus hoher Verschuldung, Zinskosten und dem Risiko einer Abschwächung des KI-Booms löste einen starken Kursrückgang aus. Einige Investoren befürchten, dass Oracle in eine Überkapazität hinein investiert. Gleichzeitig verweisen Optimisten auf den spektakulären RPO-Anstieg und die hohe Wachstumsdynamik der Cloud-Sparte, die nach ihrer Lesart das aggressive Investitionsprogramm rechtfertigen.

Unterstützung erhält diese Sichtweise von Analystenhäusern: J.P. Morgan und Oppenheimer haben die Aktie nach dem Oracle Quartal hochgestuft beziehungsweise ihre Kursziele angehoben und argumentieren, der vorausgegangene Kurssturz sei übertrieben gewesen. Zugleich diskutieren Research-Häuser wie Zacks Investment Research die Frage, ob das auf 50 Milliarden US-Dollar erhöhte KI-Capex ein “High Risk oder High Reward”-Szenario darstellt – die Antwort hängt wesentlich davon ab, wie schnell Oracle die neuen Kapazitäten auslasten kann.

Oracle Corporation Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Maerz 2026

Oracle: Bringt das Partner-Modell die Wende?

Ein zentrales Element der Strategie aus dem Oracle Quartal ist das sogenannte Bring-Your-Own-Hardware-Modell. Oracle schließt dabei langfristige Verträge, in denen Kunden eigene Hardware in Oracle-Rechenzentren einbringen oder diese vorfinanzieren. Im jüngsten Quartal wurden Verträge im Volumen von 29 Milliarden US-Dollar nach diesem Muster abgeschlossen. Der Konzern betont, dass diese Struktur es ermögliche, die Cloud-Infrastruktur auszubauen, ohne den freien Cashflow zusätzlich zu belasten.

Zudem hat sich Oracle Corporation bereits 10 Gigawatt an Rechenzentrums-Leistung gesichert, von denen 90 % durch Partner finanziert werden sollen. Angesichts geschätzter Kosten von bis zu 35 Milliarden US-Dollar pro Gigawatt ist dies ein Hebel, um die Kapitalintensität des Wachstums zu senken. Gelingt es, diese Kapazitäten zügig ans Netz zu bringen, könnte Oracle den 553-Milliarden-US-Dollar-Backlog schneller in Umsätze überführen und die Ertragskraft mittelfristig deutlich steigern.

Gleichzeitig berichten Kundenwechsel von Wettbewerbern wie SAP und Workday hin zu Oracle-Cloud-Lösungen. Für den Wettbewerb im KI-Zeitalter ist dies ein wichtiges Signal: Oracle positioniert sich nicht nur als Datenbankanbieter, sondern als voll integrierte Plattform für Unternehmens- und KI-Workloads – vergleichbar mit der Rolle, die Apple im Konsumenten-Ökosystem oder Tesla im E-Mobilitäts-Ökosystem einnimmt.

Oracle: Kursdruck und Klagerisiko im Blick

Während das Oracle Quartal operativ überzeugt, steht die Aktie zusätzlich durch mehrere Sammelklagen in den USA unter Beobachtung. Mehrere Kanzleien, darunter Rosen Law Firm, Kessler Topaz Meltzer & Check sowie Bronstein, Gewirtz & Grossman, haben Wertpapierklagen gegen Oracle und einzelne Führungskräfte eingereicht. Im Kern geht es um den Vorwurf, der Markt sei im Zeitraum von Juni bis Dezember 2025 unzureichend über die tatsächlichen KI-Datacenter-Fähigkeiten und den Umfang der geplanten Kapitalausgaben informiert worden.

Für die kurzfristige Kursentwicklung könnte dies zu erhöhter Volatilität führen, zumal die Aktie mit 149,91 US-Dollar aktuell unter den Zwischenhochs nach der jüngsten Kurserholung liegt. Fundamental orientierte Analysten verweisen jedoch darauf, dass Oracle trotz der Klagerisiken weiterhin stark wächst und auf Basis der Konsensschätzungen nur mit rund 19-mal dem erwarteten Gewinn bewertet wird. Szenario-Rechnungen gehen davon aus, dass der Gewinn je Aktie bis 2028 auf etwa 10,7 US-Dollar steigen könnte. Legt man Bewertungsmultiplikatoren an, wie sie für den Nasdaq-100 gelten, wären Kurse jenseits von 260 bis über 300 US-Dollar denkbar – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Das Oracle Quartal bestätigt damit sowohl die Chancen als auch die Risiken der aktuellen Transformationsphase: Ein explosionsartiger Auftragsbestand und stark wachsendes Cloud-Geschäft stehen hohen Investitionen, Schulden und rechtlichen Unsicherheiten gegenüber.

Fazit

Das aktuelle Oracle Quartal unterstreicht eindrucksvoll, wie stark der Konzern vom KI- und Cloud-Boom profitiert und mit einem 553-Milliarden-US-Dollar-Backlog langfristige Wachstumspfade sichert. Für Anleger bedeutet das eine attraktive Mischung aus zweistelligen Wachstumsraten und vergleichsweise moderater Bewertung, auch wenn hohe KI-Investitionen, zusätzliche Schulden und Sammelklagen für Schwankungen sorgen können. Entscheidend wird sein, ob die kommenden Quartale zeigen, dass Oracle Quartal für Quartal mehr des gigantischen Auftragsbestands in profitables Umsatzwachstum verwandeln kann – gelingt dies, dürfte die Aktie wieder stärker in den Fokus langfristig orientierter Investoren rücken.

Maik Kemper
Über den Autor
Maik Kemper

Finanzjournalist und Trader mit über 10 Jahren Erfahrung an den Märkten. Spezialisiert auf Aktienanalyse, Forex und makroökonomische Zusammenhänge.