Schaffen die aktuellen PDD Quartalszahlen trotz Margendruck und neuer Zölle den Startschuss für eine nachhaltige Rallye der Aktie?
PDD Quartalszahlen: Wie fielen Umsatz und Gewinn aus?
PDD Holdings Inc., Mutter von Pinduoduo und Temu, meldete für das vierte Quartal 2025 Erlöse von rund 123,9 Milliarden RMB, umgerechnet etwa 17,7 bis 18,0 Milliarden US‑Dollar. Damit legte der Umsatz im Jahresvergleich um rund 12 bis 20 % zu – je nach zugrunde gelegtem Wechselkurs – und lag leicht über den zuvor erwarteten 18,15 Milliarden US‑Dollar. Analysten hatten im Vorfeld laut Konsens mit einem Gewinn je Aktie von gut 3 US‑Dollar gerechnet, die tatsächlichen PDD Quartalszahlen weisen 3,06 US‑Dollar pro Aktie aus.
Trotz des Umsatzanstiegs ging der Nettogewinn zurück. Der auf Aktionäre entfallende Überschuss fiel im Jahresvergleich um 11 % auf 24,5 Milliarden RMB, was eine Nettomarge von gut 24 % bedeutet. Auf Non‑GAAP‑Basis verringerte sich der Gewinn ähnlich deutlich. Das Management verweist auf steigende Erfüllungskosten, höhere Marketingbudgets sowie Investitionen in Technologie und Lieferketten, die kurzfristig auf das Ergebnis drücken.
Beim operativen Ergebnis konnte PDD Holdings Inc. hingegen noch zulegen: Das operative Ergebnis stieg auf knapp 27,7 Milliarden RMB, nach 25,6 Milliarden RMB im Vorjahresquartal. Die operative Marge blieb jedoch hinter den Hochphasen der Jahre 2023 und 2024 zurück, als Temu in vielen Märkten aggressiv expandierte und gleichzeitig der Wettbewerb weniger intensiv war.
PDD: Welche Rolle spielt Temu im Wachstum?
Treiber der PDD Quartalszahlen ist weiterhin Temu, die internationale Shopping‑App, sowie das Kernmarktplatzgeschäft in China. Die Umsätze aus Transaktionsservices stiegen im vierten Quartal um 19 % auf rund 63,9 Milliarden RMB, gestützt von höheren Bestellvolumina und stärkerer Nutzeraktivität. Die Marketing- und Serviceerlöse legten hingegen nur um 5 % zu, was zeigt, dass PDD stärker auf Volumen- als auf Preiserhöhungen setzt.
Die weltweite Expansion von Temu in die USA und Europa geht mit massiven Werbeausgaben einher. Die Vertriebs- und Marketingkosten kletterten im Quartal auf rund 34,4 Milliarden RMB, nach 31,4 Milliarden RMB im Vorjahr. Vor allem in westlichen Märkten konkurriert Temu direkt mit etablierten Plattformen wie Amazon und auch indirekt mit Elektronik-Ökosystemen von Konzernen wie Apple, was hohe Anlaufkosten erfordert.
Gleichzeitig investiert PDD verstärkt in die Lieferkette. Das Management betont, dass 2026 den Beginn einer neuen Investitionsdekade markiert, in der die Stärkung der Supply Chain im Mittelpunkt steht. Höhere Fulfillment-, Server- und Zahlungskosten spiegeln sich bereits in den Kosten der umgesetzten Leistungen wider, die um 15 % auf 55,2 Milliarden RMB zulegten. Dieser Spagat aus Wachstum und Profitabilität ist einer der Hauptgründe, warum Anleger die PDD Quartalszahlen kritisch sezieren.
PDD: Wie belasten neue Zollregeln und Regulierung?
Über die reinen PDD Quartalszahlen hinaus rücken regulatorische Risiken stärker in den Vordergrund. In den USA laufen Verschärfungen des sogenannten De‑Minimis‑Regimes, das bisher zollfreie Kleinsendungen bis 800 US‑Dollar ermöglicht hat. Diese Regel war ein zentraler Baustein für Temus Geschäftsmodell, da viele günstige Waren direkt aus China an Endkunden geliefert werden. Das Auslaufen beziehungsweise die Einschränkung dieser Regel könnte zusätzliche Zoll- und Abwicklungskosten verursachen und damit die ohnehin unter Druck stehenden Margen weiter belasten.
Auch in der EU drohen Einschnitte: Ab dem 1. Juli sollen neue Zölle auf Billigimporte unter 150 Euro greifen. Für Temu bedeutet das, dass ein Teil des Preisvorteils gegenüber lokalen Anbietern und etablierten E‑Commerce‑Plattformen schrumpfen könnte. PDD betont zwar, die zusätzlichen Belastungen durch Optimierungen in der Lieferkette und Skaleneffekte abfedern zu wollen, doch kurzfristig dürfte der Margendruck hoch bleiben.
Gleichzeitig ist der chinesische Heimatmarkt mit seiner schwächeren Konsumnachfrage und intensiver Konkurrenz herausfordernd. Berichte über eine abkühlende Inlandsnachfrage und aggressiven Preiskampf auf den chinesischen Plattformen zeigen, dass PDD nicht nur im Ausland, sondern auch im Kerngeschäft unter Druck steht. Im Wettbewerbsumfeld mit Konzernen wie Alibaba oder im Technologiebereich mit Schwergewichten wie NVIDIA und Tesla zählt jeder Prozentpunkt Marktanteil – oft auf Kosten der Profitabilität.
PDD: Was bedeutet die Bewertung für Anleger?
Trotz sinkender Gewinne bleibt PDD Holdings Inc. hochprofitabel. Das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis liegt derzeit um die 10, basierend auf den jüngsten PDD Quartalszahlen. Angesichts eines zweistelligen Umsatzwachstums und einer Nettomarge jenseits der 20‑Prozent‑Marke wirkt die Bewertung im Vergleich zu vielen westlichen E‑Commerce‑Titeln moderat. Die starke Bilanz mit rund 422 Milliarden RMB an liquiden Mitteln und kurzfristigen Investments bietet zusätzlichen Puffer für die ehrgeizigen Expansionspläne.
An der Börse kommt die Zahlenvorlage gemischt, aber letztlich positiv an: Die Aktie steigt am Berichtstag auf 105,86 US‑Dollar, ein Tagesplus von 7,92 % nach einem Vortagesschluss bei 98,06 US‑Dollar. Von neuen Hochs ist der Kurs zwar entfernt, doch kurzfristig hat die Aktie den psychologisch wichtigen Widerstand bei 100 US‑Dollar deutlich überwunden und damit einen kurzfristigen Ausbruch aus dem jüngsten Abwärtstrend signalisiert.
„2026 markiert den Beginn unserer Reise in das nächste Jahrzehnt. Mit einem All-in-Mindset werden wir signifikante Ressourcen in die Lieferkette investieren, um dauerhafte Vorteile für das gesamte Ökosystem zu schaffen.“— Jiazhen Zhao, Co‑CEO von PDD Holdings Inc.
Auch institutionelle Investoren und Analysten blicken differenziert auf die PDD Quartalszahlen. Häuser wie Citigroup oder Goldman Sachs hatten im Vorfeld vor allem die Entwicklung der operativen Marge und die Auswirkungen der Zollreformen auf das Temu‑Geschäft im Fokus. Ob mögliche Kursziele angehoben oder gesenkt werden, wird maßgeblich davon abhängen, ob PDD im Laufe des Jahres 2026 beweisen kann, dass sich die aktuellen Investitionen in Marketing, Logistik und Forschung in nachhaltiges Gewinnwachstum übersetzen.
