Kann das starke Comcast Quartal mit Olympia- und Super-Bowl-Effekt den Druck im Kerngeschäft wirklich überdecken?
Wie stark war das Comcast Quartal?
Das Comcast Quartal brachte einen Kurssprung: Die Aktie steigt am Donnerstag auf 31,89 Dollar nach 29,28 Dollar am Vortag, ein Plus von 8,56%. Ein neues Jahreshoch ist das jedoch nicht. Operativ meldete der Konzern einen Umsatzanstieg auf 31,46 Milliarden Dollar und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,79 Dollar. Am Markt waren nur rund 0,73 Dollar je Aktie und gut 30,4 Milliarden Dollar Umsatz erwartet worden. Gleichzeitig sank der Nettogewinn auf 2,17 Milliarden Dollar nach 3,38 Milliarden Dollar im Vorjahr, während das bereinigte EBITDA um 17% auf 7,93 Milliarden Dollar zurückging.
Der wichtigste Treiber war das außergewöhnlich starke Sportprogramm bei NBCUniversal. Die Mailand-Cortina-Olympiaübertragungen erreichten im Schnitt 23,5 Millionen Zuschauer und waren die meistgesehenen Winterspiele seit 2014. Der Super Bowl LX kam auf 125 Millionen Zuschauer und war damit die meistgesehene Sendung in der Geschichte von NBCUniversal. Die Werbeumsätze im Mediensegment schossen dadurch um 135% auf 3,45 Milliarden Dollar nach oben.
Wie entwickelt sich Comcast im Kerngeschäft?
Trotz des starken Comcast Quartal bleibt das klassische Breitbandgeschäft unter Druck. Im ersten Quartal verlor Comcast im US-Privatkundengeschäft netto 65.000 Breitbandkunden. Das ist zwar deutlich besser als der Verlust von 183.000 im Vorjahreszeitraum, zeigt aber, wie intensiv der Wettbewerb durch Glasfaser und Fixed Wireless bleibt. Das Management betonte selbst, dass inzwischen rund 55% der privaten Breitbandabdeckung mit glasfaserbasierter Konkurrenz überlappt.
Positiv lief dagegen das Mobilfunkgeschäft. Comcast gewann im Quartal rekordhohe 435.000 neue Mobilfunkleitungen hinzu und kam damit auf insgesamt 9,7 Millionen Lines. Die Konnektivitätssparte steigerte den Umsatz um 1,6% auf 11,6 Milliarden Dollar. Geschäftskundenservices legten um 5,8% auf 2,6 Milliarden Dollar zu. Allerdings sank der Breitband-ARPU um 3,1%, weil vereinfachte Preise, fehlende Preiserhöhungen und Gratis-Mobilfunklinien auf die Erlöse drückten.
Was liefern Comcast und Peacock im Mediengeschäft?
Im Mediengeschäft war Peacock ein weiterer Blickfang im Comcast Quartal. Der Streamingdienst erhöhte die Zahl zahlender Abonnenten binnen eines Jahres um 12% auf 46 Millionen. Der Umsatz sprang um 71% auf 2,1 Milliarden Dollar und überschritt damit erstmals die Marke von 2 Milliarden Dollar in einem Quartal. Noch schreibt Peacock rote Zahlen: Der EBITDA-Verlust weitete sich von 215 auf 432 Millionen Dollar aus. Finanzchef Jason Armstrong sieht jedoch bereits das zweite Quartal als möglichen Wendepunkt in Richtung operativer Gewinnschwelle.
Auch die übrigen Entertainment-Bereiche halfen. Das Filmstudio setzte 3,43 Milliarden Dollar um, ein Plus von 21%. Die Freizeitparks steigerten den Umsatz um 24% auf 2,33 Milliarden Dollar, gestützt durch Epic Universe in Orlando. Im weiteren Branchenumfeld bleibt der Wettbewerb mit Disney und Netflix hoch, während im Werbemarkt auch Plattformen wie Apple und Amazon zunehmend Budgets anziehen.
Wie bewerten Anleger Comcast jetzt?
Die Börse honoriert vor allem die klare Ergebnisüberraschung und die bessere Entwicklung bei Breitband und Mobilfunk. Zugleich bleiben die Risiken sichtbar. Höhere Kosten aus den neuen NBA-Rechten sowie Investitionen in Vertrieb und Vermarktung belasteten die Profitabilität. Comcast erwirtschaftete im Quartal dennoch 3,9 Milliarden Dollar freien Cashflow und gab 2,5 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an Aktionäre zurück.
2026 ist ein wichtiges Jahr der Umsetzung, und wir sehen greifbare erste Anzeichen dafür, dass unser Strategiewechsel greift.— Brian L. Roberts und Mike Cavanagh
Bei Analysten war das Bild vor den Zahlen eher vorsichtig. Morgan Stanley hatte Comcast erst diese Woche mit „Equal Weight“ und einem Kursziel von 31 Dollar gestartet und auf begrenztes kurzfristiges Aufwärtspotenzial wegen anhaltender Breitbandverluste verwiesen. Der Konsens am Markt lag zuletzt bei einer Halte-Einstufung mit einem durchschnittlichen Kursziel von rund 34,81 Dollar. Das starke Comcast Quartal dürfte nun vor allem die Diskussion verschieben, ob der operative Tiefpunkt im Breitbandgeschäft näher rückt. Unterm Strich liefert Comcast ein starkes Signal: Sportrechte, Peacock und Mobilfunk stabilisieren das Geschäft, während Anleger nun auf die zweite Jahreshälfte und den Margendruck durch die NBA-Kosten achten sollten.
