Wird der Boeing China-Auftrag zum politischen Dealbreaker oder zum Startschuss für Boeings Comeback im wichtigsten Wachstummarkt?
Warum ist der Boeing China-Auftrag so wichtig?
Für Boeing wäre ein großer Auftrag aus China ein strategischer Wendepunkt. Seit 2017 hat der Konzern aus dem Land keinen Deal vergleichbarer Größenordnung mehr erhalten. Das belastet die Wettbewerbsposition, denn China bleibt einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für Verkehrsflugzeuge weltweit. Konzernchef Kelly Ortberg reist deshalb mit Trump nach China und sieht in dem möglichen Boeing China-Auftrag eine bedeutende Chance. Gleichzeitig machte er klar, dass ein Abschluss vollständig von den politischen Beziehungen zwischen Washington und Peking abhängt.
Diese Abhängigkeit erklärt, warum der mögliche Deal weit über den Luftfahrtsektor hinausreicht. Im Raum steht ein Paket, in dem China Flugzeuge, Agrarprodukte und Energie aus den USA kaufen könnte, während Washington im Gegenzug bei Zöllen oder Technologiebeschränkungen Bewegung zeigt. Damit wird Boeing zum sichtbaren Testfall für Trumps Deal-Politik gegenüber China.
Kann Boeing in China zu Airbus aufschließen?
Die Ausgangslage bleibt schwierig. Boeing leidet in China noch immer unter den Nachwirkungen der 737-MAX-Abstürze von 2018 und 2019. Erst Ende 2023 hatten chinesische Behörden das Modell wieder technisch freigegeben. Parallel verschärfte der Handelsstreit das Geschäft: Zeitweise nahmen chinesische Kunden keine weiteren Boeing-Jets ab, während Drohungen rund um Exportbeschränkungen für Ersatzteile zusätzliche Unsicherheit schufen.
Davon profitierte vor allem Airbus. Der europäische Rivale hat Boeing in China in den vergangenen Jahren deutlich abgehängt und zuletzt einen Milliardenauftrag mit China Southern Airlines und Xiamen Airlines vereinbart. Gerade deshalb wäre ein Boeing China-Auftrag von hoher Symbolkraft. Marktbeobachter halten Berichten zufolge sogar eine Bestellung von bis zu 500 Flugzeugen für möglich. Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt aber weniger an der Nachfrage der Airlines als an der großen geopolitischen Lage.
Operativ hätte Boeing jedenfalls viel zu gewinnen. Der Konzern rechnet in seinem langfristigen Marktausblick damit, dass sich Chinas Flugzeugflotte in den kommenden 20 Jahren auf mehr als 9.700 Maschinen verdoppeln wird. Das Passagieraufkommen soll dabei jährlich um 5,3 Prozent wachsen und damit deutlich schneller als die Wirtschaft.
Wie reagiert die Boeing-Aktie auf die Spekulationen?
Die Aktie von The Boeing Company notiert intraday bei 240,02 US-Dollar nach 237,20 US-Dollar am Vortag, ein Plus von 1,33 Prozent. Damit liegt der Kurs weiter unter dem 52-Wochen-Hoch von 254,35 Dollar, aber klar über dem 52-Wochen-Tief von 176,77 Dollar. Die Bewegung zeigt, dass Anleger den möglichen Boeing China-Auftrag als potenziellen Kurstreiber einpreisen, ohne bereits einen sicheren Abschluss zu unterstellen.
Begleitet wird die Reise von mehreren prominenten US-Managern, darunter Spitzen von Apple, BlackRock, Blackstone, Citi, Goldman Sachs und GE Aerospace. Das unterstreicht, dass es nicht nur um Luftfahrt geht, sondern um die wirtschaftliche Gesamtbeziehung beider Staaten. Analystenkommentare aus Citigroup, RBC Capital Markets oder Goldman Sachs zu einem möglichen China-Großauftrag liegen bislang nicht vor. Gerade deshalb dürfte jede offizielle Aussage von Boeing oder aus dem Weißen Haus in den kommenden Tagen besonders kursrelevant sein.
Entscheidend bleibt, ob aus Fototerminen tatsächlich belastbare Vereinbarungen werden. Nach dem Qatar-Deal vom vergangenen Jahr, bei dem Qatar Airways bis zu 210 Boeing-Jets kaufen wollte, wissen Anleger, wie stark politische Reisen kurzfristig in konkrete Aufträge münden können.
Der Boeing China-Auftrag ist damit die vielleicht wichtigste kurzfristige Story für Boeing. Kommt es zu einem Großdeal, wäre das ein Signal für eine Rückkehr in den chinesischen Markt und ein starkes Argument für den laufenden Turnaround. Bleibt es bei diplomatischen Gesten, dürfte die Aktie vorerst anfällig für Enttäuschungen bleiben. Die nächsten Tage zeigen, ob aus Hoffnung wieder echtes Wachstum wird.
Wie beeinflusst das die Boeing-Aktie?
Ich denke, dass dies eine bedeutende Chance für uns ist.— Kelly Ortberg
Wer die aktuelle Lage bei Boeing einordnen will, sollte auch auf die jüngste Berichterstattung zum operativen Umbau schauen: Boeing Quartalszahlen: -2,6% Kursreaktion trotz weniger Cash-Burn beleuchtet, wie wichtig Liquidität und Auslieferungen für den Turnaround bleiben. Aus dem weiteren Industriesektor zeigt zudem Verbio Quartalszahlen: EBITDA-Rekord treibt Aktie um 10% hoch, wie stark einzelne operative Katalysatoren derzeit Aktienkurse bewegen können.



