Ist die SpaceX IPO-Bewertung ein Meilenstein oder schon ein Warnsignal für Anleger?
Wie hoch ist die Bewertung beim SpaceX IPO?
SpaceX plant ein Debüt mit einer Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen Dollar – damit würde das Unternehmen größer als Tesla und in die Top 10 der weltweit wertvollsten Firmen einziehen. Die Bewertung basiert auf einer Kurs-Aktie von 135 Dollar, wobei der Verkauf von 555,6 Millionen Aktien rund 4 % des gesamten Unternehmens umfasst. Goldman Sachs fungiert als Lead-Underwriter und hat die Platzierung als „wohl überzeichnet“ eingestuft. Die Bank argumentiert jedoch, dass die jüngsten KI-Verträge – 1,25 Milliarden Dollar monatlich mit Anthropic und 920 Millionen Dollar mit Google – den Umsatz um 26 Milliarden Dollar pro Jahr steigern und das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 100x auf rund 40x drücken. Dennoch bleibt die Bewertung extrem: Bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar im Vorjahr ergibt sich ein KUV von 94 – weit über Branchenvergleichen.
Welche Rolle spielt Starlink beim SpaceX IPO?
Starlink ist der einzige Gewinnbringer: Mit 11,4 Milliarden Dollar Umsatz (61 % des Gesamterlöses) und einem operativen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar ist die Satelliten-Internetplattform die Finanzsäule des Unternehmens. Die Umsätze stiegen 2025 um 50 %, die Nutzerbasis wuchs auf über 8,2 Millionen Haushalte – darunter viele in ländlichen und katastrophenanfälligen Regionen, wo Starlink als zuverlässige Backup-Lösung dient. Doch die Expansion bleibt kapitalintensiv: Der Ausbau der Gen3-Satellitenflotte und der Bodenstationen bindet Milliarden. RBC Capital Markets hebt hervor, dass Starlink „die einzige nachhaltige Cashflow-Quelle bleibt, solange die Raumfahrt- und KI-Sparten nicht profitabel werden“.
Warum sorgen die KI-Deals beim SpaceX IPO für Skepsis?
Die jüngsten Verträge mit Anthropic und Google sind ein Doppelklingel: Sie stärken kurzfristig die Umsatzprognosen, bergen aber erhebliche Risiken. Beide Deals enthalten 90-Tage-Kündigungsfristen – Musk selbst deutete an, der Anthropic-Vertrag sei „zeitlich begrenzt“. Zudem wurde xAI in SpaceX integriert, was die Verluste weiter treibt: Der KI-Bereich verursachte im ersten Quartal 2026 allein 4,3 Milliarden Dollar Verlust. Citigroup warnt: „Die KI-Rentals sind ein kurzfristiger Finanz-Boost, aber keine langfristige Gewinnstrategie – solange die Infrastrukturkosten nicht sinken und die eigene Modellentwicklung (Grok) hinterherhinkt.“
Welche Risiken birgt der SpaceX IPO für Anleger?
SpaceX ist all über Geld verdienen – die KI-Rentals sind kein strategischer Zwischenschritt, sondern der Kern der neuen Geschäftsmodells.— Gene Munster, Deepwater Asset Management
Neben der extremen Bewertung und den kurzfristigen KI-Verträgen stehen strukturelle Risiken im Fokus: SpaceX ist weiterhin verlustbringend, erfüllt nicht die Profitabilitätsvoraussetzungen für den S&P 500 und bleibt vom US-Militärbudget und regulatorischen Entscheidungen abhängig. Der Free Float liegt bei nur 4,2 % – was zu massiver Volatilität nach dem Debüt führen könnte, insbesondere bei der geplanten Aufnahme in den Nasdaq-100 nach nur 15 Handelstagen. Zudem warnen Analysten vor „IPO-Flipping“: Ein schneller Verkauf nach dem Debüt könnte die Liquidität destabilisieren. Die historische Datenlage ist klar: Laut einer Studie von Finanzprofessor Jay Ritter (University of Florida) unterliegen Groß-IPOs mit über 500 Millionen Dollar Umsatz nach drei Jahren einer durchschnittlichen Underperformance von minus 4 %.



