Kann die radikale neue Porsche Strategie den angeschlagenen Luxusautobauer sanieren und die Aktie jetzt dauerhaft beflügeln?
Wie verändert die neue Porsche Strategie den Autobauer?
Der Aufsichtsrat der Porsche AG kommt am heutigen Mittwoch zusammen, um über ein richtungsweisendes Zukunftspaket zu entscheiden. Für den neuen Porsche-Chef Michael Leiters, der das Amt erst in diesem Jahr übernommen hat, steht viel auf dem Spiel. Im Kern der neuen **Porsche Strategie** steht eine Vollsanierung, die neben den bereits von Vorgänger Oliver Blume beschlossenen 3.900 Streichungen den Abbau von mehreren Tausend weiteren Stellen vorsieht. Um diesen drastischen Personalabbau sozialverträglich zu gestalten, plant Leiters den Arbeitnehmern stark entgegenzukommen. So soll die Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte bis Ende 2035 verlängert werden. Zudem bleibt die sogenannte „Steinkühlerpause“ für Bandarbeiter unangetastet, und die Homeoffice-Regelungen sollen mit bis zu acht Tagen mobilem Arbeiten im Monat wieder flexibler gestaltet werden. Im Gegenzug ist die Arbeitnehmerseite bereit, den tieferen Stellenabbau mitzutragen, der über die zuletzt diskutierten 4.000 Stellen hinausgehen könnte.
Welche Risiken birgt der Deal für Volkswagen und Audi?
Obwohl das geplante Paket dem Porsche-Chef intern den Rücken stärkt, birgt es erhebliche Sprengkraft für den gesamten Mutterkonzern. Im Aufsichtsrat der Porsche AG sitzen neben den Familien Porsche und Piëch auch Spitzenmanager der Volkswagen-Gruppe. Eine Standortgarantie bis zum Jahr 2035 bei der Tochtergesellschaft dürfte bei Volkswagen und Audi für Begehrlichkeiten sorgen, wo derzeit ebenfalls harte Sanierungsprogramme laufen. Ein solcher Präzedenzfall könnte den Sparkurs von Konzernchef Oliver Blume massiv erschweren. Zudem unterscheidet sich das ertragsstarke Luxussegment von Modellen wie dem Porsche 911 grundlegend vom Massenmarkt. Während eine Verknappung bei Luxusautos funktioniert, lässt sich diese **Porsche Strategie** nicht einfach auf Volumenmarken übertragen. Dennoch drängt Leiters auf eine schnelle Einigung, um den Kopf für drängende Produktentscheidungen wie die Zukunft des elektrischen Taycan freizubekommen. Am 7. Oktober soll die „Strategie 2035“ auf dem Kapitalmarkttag offiziell vorgestellt werden, bei der eine operative Rendite von zehn bis 15 Prozent angestrebt wird.
Warum stuft das Bankhaus Metzler die Aktie hoch?
Für frischen Optimismus an der Börse sorgt am Mittwoch eine fundamentale Neueinschätzung durch das Bankhaus Metzler. Der zuständige Analyst Daniel Schwarz stufte die Aktie der Porsche AG gleich um zwei Stufen von „Sell“ auf „Buy“ hoch und verdoppelte das Kursziel von bisher 31 Euro auf nun 64 Euro. Schwarz begründet diesen Schritt damit, dass Michael Leiters den Sportwagenhersteller erfolgreich in ein kleineres, aber deutlich profitableres Unternehmen umbaut. Trotz eines aktuell schwierigen Umfelds mit sinkenden Absatzzahlen und Schwächen im China-Geschäft könnte im Jahr 2027 ein leichter Volumenrückgang durch eine starke Preisgestaltung und konsequente Kostensenkungen überkompensiert werden. Sobald sich dieses Szenario abzeichnet, dürfte der Markt bereits die Rückkehr zu starkem Wachstum und noch höheren Erträgen im Jahr 2028 einpreisen.
Wir werden greifbar machen, wohin wir uns entwickeln.— Michael Leiters
Die Aktie der Porsche AG sendet mit dem heutigen Kurssprung ein kräftiges Lebenszeichen und schiebt sich im laufenden Jahr wieder ins Plus. Die von CEO Michael Leiters forcierte neue **Porsche Strategie** verbindet schmerzhafte Einschnitte beim Personal mit langfristigen Standortgarantien, was den Weg für eine nachhaltige Sanierung ebnen könnte. Für langfristig orientierte Anleger bietet der aktuelle Umbau bei gleichzeitigem Analysten-Lob eine spannende Turnaround-Story, deren Erfolg sich maßgeblich an der Umsetzung der Renditeziele bis zum Kapitalmarkttag im Oktober messen lassen muss.



