Kann Advanced Micro Devices seine beeindruckende KI-Rallye fortsetzen, obwohl die Bewertung im Vergleich zur Konkurrenz immer kritischer wird?
Wie positioniert sich AMD im KI-Wettbewerb?
Im schnell wachsenden Halbleiter-Ökosystem sind Advanced Micro Devices und NVIDIA entscheidende Treiber der KI-Infrastruktur. Während NVIDIA mit seinen Blackwell- und Rubin-GPU-Architekturen die Führung bei großen Trainings- und Inferenz-Workloads innehat, ergänzt AMD den Markt mit seinen Instinct MI-Serien-Beschleunigern und Epyc-Prozessoren. Diese bieten Hochleistungs-CPUs und GPUs, die von Hyperscalern wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta Platforms für kosteneffektive KI-Cluster eingesetzt werden, um die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter zu reduzieren.AMD konnte im zweiten Quartal 2026 solide Ergebnisse vorweisen. Das Unternehmen meldete einen Gesamtumsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 50 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Rechenzentrumssegment, der Haupttreiber des KI-Wachstums, steigerte seine Umsätze um 107 % auf 6,7 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow wuchs moderat auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen unterstreichen AMDs Engagement und Erfolg im KI-Segment, auch wenn die absolute Größe der Geschäftsbereiche noch deutlich hinter der von NVIDIA zurückbleibt.Welche Rolle spielt die AMD Bewertung im Vergleich zu Nvidia?
Ein genauerer Blick auf die Bewertung offenbart eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen AMD und NVIDIA. AMD wird derzeit mit einem Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 63 gehandelt, während NVIDIA bei 24 liegt. Diese Entwicklung ist in den letzten Monaten besonders auffällig, da NVIDIAs Forward-KGV weitgehend in einem Bereich zwischen dem 20-fachen und 40-fachen lag, während das von AMD stark anstieg. Dieses Premium für AMD erscheint auf den ersten Blick kontraintuitiv, insbesondere angesichts NVIDIAs überlegener Größe, schnellerem Gesamtwachstum und deutlich höherer Profitabilität.Ein Grund für diese Bewertungsdifferenz könnte in der Erwartung der Anleger liegen, dass AMDs Instinct-Beschleuniger und die dazugehörige Software-Suite ein erhebliches Aufholpotenzial bieten. Dies gilt, obwohl die Bedrohung durch kundenspezifische ASICs, die von Hyperscalern wie Googles TPUs, Amazons Trainium und Inferentia-Chips sowie Microsofts Maia entwickelt werden, hauptsächlich NVIDIA betrifft. Diese Chips stellen ein Substitutionsrisiko für NVIDIAs GPUs dar, da Cloud-Anbieter versuchen, Infrastrukturkosten zu senken und mehr Kontrolle über ihren Chip-Stack zu erlangen. Für AMD gelten diese Dynamiken nicht in gleichem Maße, was die höhere AMD Bewertung erklären könnte.Was bedeuten die Quartalszahlen für AMDs Zukunft?
Die Zahlen des zweiten Quartals 2026 zeigen, dass AMD weiterhin ein starkes Wachstum im Rechenzentrumsgeschäft verzeichnet. Lisa Su, CEO von AMD, betonte, dass die Helios-Systeme bis zu 15 % mehr Durchsatz bei gleicher Rack-Leistung und bis zu 30 % mehr Token pro Dollar als die Konkurrenz liefern. Zudem bestätigte sie, dass Anthropic bis zu 2 Gigawatt der MI450-Serien-GPUs einsetzen wird, was die kommerzielle Akzeptanz in großem Maßstab belegt. Analysten von Baird haben ihr Kursziel für AMD von 625 auf 1.250 US-Dollar angehoben, was die optimistischen Erwartungen an das zukünftige Wachstum unterstreicht, insbesondere durch die bevorstehende “Agentic AI”, die stärker auf CPUs setzt und AMD einen massiven Aufschwung bescheren könnte.Allerdings gibt es auch Risiken. Investoren zeigen sich zunehmend skeptisch hinsichtlich der Nachhaltigkeit der erhöhten KI-Ausgaben, was sich in der Kursbewegung von AMD nach dem jüngsten Quartalsbericht widerspiegelte. Trotz hervorragender Umsatz- und Gewinnzahlen fiel die AMD-Aktie um mehr als 8 %. Dies deutet darauf hin, dass der Markt die Validität der KI-Infrastrukturausgaben kritisch hinterfragt. Patrick Moorhead, Gründer und CEO von Moor Insights Strategy, warnt zudem davor, dass NVIDIA ähnliche Fehler wie Intel in der Vergangenheit machen könnte, indem es sich zu sehr auf “Financial Engineering” statt auf Produktinnovation konzentriert, was AMD zugutekommen könnte.Die historische Entwicklung zeigt, dass sowohl AMD als auch NVIDIA dazu neigen, eine Neubewertung zu erfahren, sobald ihre Forward-KGV-Verhältnisse einen hohen Schwellenwert erreichen. In früheren Zyklen stieg AMDs Forward-KGV über 50 oder 60, nur um dann durch eine Multiplikator-Kompression zu normalisieren. NVIDIAs vergleichsweise moderates KGV lässt Raum für eine Bewertungsexpansion, sollte das Wachstumstempo anhalten. Angesichts NVIDIAs überlegener Skalierung, schnelleren Gesamtwachstums und stärkerer Position in Hyperscale-KI-Ökosystemen sieht Moorhead das Risiko-Rendite-Verhältnis derzeit zugunsten von NVIDIA.AMD und der Halbleitersektor im Fokus
Die jüngsten Entwicklungen bei Advanced Micro Devices zeigen, dass trotz starker Zahlen im letzten AMD Quartal Anleger verhalten reagieren, was die Frage nach der hohen Bewertung der Aktie aufwirft. Gleichzeitig profitiert der gesamte Halbleitersektor, wie am Beispiel von Lam Research deutlich wird, weiterhin stark vom anhaltenden KI-Boom und der steigenden Nachfrage nach Chip-Technologien.
Die aktuelle AMD Bewertung spiegelt hohe Erwartungen an das zukünftige KI-Wachstum wider, insbesondere durch das starke Rechenzentrumssegment und neue Technologien wie die “Agentic AI”. Für Anleger bedeutet dies, dass das Aufwärtspotenzial erheblich sein kann, jedoch auch eine gewisse Volatilität und Skepsis hinsichtlich der Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben berücksichtigt werden müssen. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob AMD die hohen Erwartungen weiterhin erfüllen und seine Position im hart umkämpften KI-Markt festigen kann.



