Wird Workday privatisiert und welche Rolle spielen die aktuellen Gerüchte um eine Übernahme für den Aktienkurs?
Wie beeinflusst die mögliche Workday Übernahme den Markt?
Vergangene Woche sorgten Berichte von Reuters für Aufsehen: Die Private-Equity-Firma Silver Lake soll seit Monaten Gespräche über eine mögliche Workday Übernahme führen, um den Anbieter von Personal- und Finanzsoftware zu privatisieren. Diese Nachricht katapultierte den Aktienkurs von Workday, Inc. (WDAY) um fast 18 % in die Höhe, was die Marktkapitalisierung von rund 43 Milliarden US-Dollar auf fast 51 Milliarden US-Dollar ansteigen ließ. Trotz dieses deutlichen Anstiegs bleibt der Kurs jedoch immer noch rund 17 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 249,85 US-Dollar.
Bislang wurden weder ein Preis noch konkrete Bedingungen der potenziellen Transaktion bekannt gegeben, und weder Workday noch Silver Lake haben sich zu den Gerüchten geäußert. Solche Gespräche führen nicht immer zu einem erfolgreichen Abschluss, doch allein die Tatsache, dass ein finanzstarker Käufer Interesse zeigt, deutet darauf hin, dass die Bedenken des Marktes hinsichtlich der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf das Geschäftsmodell von Workday möglicherweise übertrieben sind. Ein Private-Equity-Unternehmen, das ein solches Unternehmen ins Visier nimmt, wettet darauf, dass die Cashflows robust genug sind, um einen fremdfinanzierten Deal zu tragen.
Workdays Geschäftsentwicklung im Fokus der Anleger
Unabhängig von den Übernahmegesprächen ist es wichtig, die fundamentale Entwicklung von Workday zu betrachten. Das Unternehmen verzeichnete in den letzten zwölf Monaten einen Umsatz von 9,85 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 13,3 % entspricht. Im Geschäftsjahr 2026 (das am 31. Januar 2026 endete) lag das Umsatzwachstum bei 13,1 %, ein Rückgang gegenüber den 16,4 % des Vorjahres und den hohen zweistelligen Raten früherer Jahre. Gleichzeitig verbesserte sich die Profitabilität deutlich: Die operative Marge stieg von 2,5 % im Geschäftsjahr 2024 auf 4,9 % im Geschäftsjahr 2025 und erreichte 7,5 % im Geschäftsjahr 2026. Der Nettogewinn der letzten zwölf Monate stieg um etwa 74 % auf 847 Millionen US-Dollar.
Der Free Cashflow, eine entscheidende Kennzahl für Softwareunternehmen, betrug in den letzten zwölf Monaten rund 2,97 Milliarden US-Dollar, was etwa 30 % des Umsatzes ausmacht. Die Frage nach den Auswirkungen von KI auf das Wachstum bleibt jedoch bestehen. Da Workday seine Preise hauptsächlich nach der Mitarbeiterzahl der Kunden berechnet, könnten schlankere Back-Offices durch KI das Wachstum der Mitarbeiterzahl stagnieren lassen, selbst wenn die Software weiterhin unverzichtbar bleibt. Dieses Risiko hatte den Aktienkurs in der ersten Jahreshälfte belastet, bevor eine starke Erholung im Juli einsetzte. Das Wachstum von 13 % im Geschäftsjahr 2026 ist zwar langsamer als in der Vergangenheit, aber weit entfernt von dem Schrumpfen, das Skeptiker befürchteten.
Analysten-Herabstufung nach Kursrallye
Nach der jüngsten Kursrallye durch die Übernahmegerüchte hat BTIG-Analyst Allan Verkhovski Workday von „Buy“ auf „Neutral“ herabgestuft. Diese Herabstufung erfolgte am 17. August 2026 und spiegelt möglicherweise die Einschätzung wider, dass ein Großteil des positiven Überraschungseffekts bereits im Kurs eingepreist ist und die Unsicherheit bezüglich eines tatsächlichen Deals weiterhin besteht. Trotz der Herabstufung sehen andere Analysten weiterhin Potenzial. Baird erhöhte sein Kursziel von 190 auf 215 US-Dollar, und Jefferies hob sein Ziel von 140 auf 205 US-Dollar an, wobei beide die KI-Wertschöpfung des Unternehmens betonten.
Einige Investoren wie Eagle Capital Management, LLC und Hotchkis & Wiley Capital Management, LLC halten signifikante Anteile an Workday, was das Vertrauen institutioneller Anleger in das Unternehmen unterstreicht. Eine Prognose, die von einem Umsatzwachstum von durchschnittlich 10 % pro Jahr ausgeht und eine Free-Cashflow-Marge von 30 % beibehält, würde den Umsatz in fünf Jahren auf fast 16 Milliarden US-Dollar und den jährlichen Free Cashflow auf etwa 4,8 Milliarden US-Dollar schätzen. Bei einer Bewertung von 18 bis 20 Mal Free Cashflow könnte das Unternehmen dann 85 bis 95 Milliarden US-Dollar wert sein, was einem Kurs von 340 bis 385 US-Dollar pro Aktie entspräche.
Aktuelle Entwicklungen im Software-Sektor und bei Workday
Die Gerüchte um eine Workday Übernahme durch Silver Lake haben den Software-Riesen in den Fokus gerückt, wie im Artikel Workday Übernahme: 30% Kurssprung durch Silver Lake Gerüchte ausführlich beleuchtet wird. Auch im breiteren Technologiesektor bleiben Analysten aktiv, wie die Einschätzungen zu SoFi Technologies Kursziel: Analysten sehen Potenzial trotz Konsolidierung zeigen.
Die Gerüchte um eine mögliche Workday Übernahme durch Silver Lake haben die Aktie von Workday stark bewegt und die Aufmerksamkeit der Anleger auf das Unternehmen gelenkt. Trotz einer jüngsten Analysten-Herabstufung zeigen die fundamentalen Kennzahlen ein solides, profitables Geschäft mit vielversprechenden Free Cashflows. Für Anleger könnte die anhaltende Unsicherheit rund um eine potenzielle Übernahme kurzfristig zu Volatilität führen, während langfristig die Fähigkeit des Unternehmens, sich an das KI-Zeitalter anzupassen, entscheidend sein wird. Die nächsten Entwicklungen bezüglich der Übernahmegespräche und die zukünftigen Quartalsergebnisse werden zeigen, welchen Weg Workday einschlagen wird.




