Wie verändert die Partnerschaft zwischen Siemens und Nvidia die industrielle Produktion und welche Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz?
Wie verändert die Technologie die Produktion?
In Erlangen zeigen die Partner die Technik unter anderem bei der optischen Kontrolle von Leiterplatten. Für wechselnde Produktkonfigurationen musste ein Prüfsystem bislang von Hand auf das jeweilige Bauteil eingestellt werden. Das konnte mehrere Stunden dauern und die Produktion unterbrechen. Nun sollen Daten zur Produktion und zum Produkt genutzt werden, um mithilfe von Simulationen virtuelle Bilder guter und fehlerhafter Leiterplatten zu erzeugen.
Die Anwendungen gehen über die Qualitätskontrolle hinaus: KI-Agenten können Fertigungsszenarien vorschlagen und dabei Materialverfügbarkeit, Kapazitäten und Liefertermine berücksichtigen. Ein digitaler Zwilling der Fabrik soll helfen, diese Szenarien vor der Umsetzung zu prüfen. Siemens erwartet dadurch Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent.
Ein Erlanger Werk als Blaupause
Das Werk soll als Vorbild für weitere Standorte des Konzerns und für Kunden dienen. Siemens-Vorstandsmitglied Cedrik Neike sieht darin eine „historische Chance für Deutschland und Europa“, künstliche Intelligenz in Fabriken zu bringen und im industriellen Maßstab einzusetzen. Konzernchef Roland Busch bezeichnete industrielle KI als „Jahrhundertchance für Deutschland“ und mahnte, das Tempo zu erhöhen.
Nach Darstellung von Neike liegt ein wesentlicher Vorteil darin, dass sich mit KI auch vielfältige und sich ändernde Abläufe automatisieren lassen. Bisher ließen sich Fabriken zu 30 oder 40 Prozent automatisieren; mit KI seien 70 oder 80 Prozent möglich, sagte er. Nvidia-Manager Rev Lebaredian betonte, Fabriken müssten mit Veränderungen ebenso gut umgehen können wie mit wiederkehrenden Abläufen.
Die Aktie gibt am Montag nach
Die Siemens-Aktie notierte bei 265,02 Euro und damit 2,08 Prozent unter dem Vortagesschluss von 270,65 Euro. Die heute vorgestellten Anwendungen und die möglichen Effizienzgewinne stehen damit im Kontrast zur schwächeren Tagesbewegung der Aktie. Die Partnerschaft der beiden Unternehmen für KI-gestützte Fabriken war im Januar 2026 auf der CES angekündigt worden.
Siemens und Nvidia testen in Erlangen KI-Anwendungen, die Entwicklungszeiten verkürzen, Produktionsabläufe flexibler machen und laut Konzern erhebliche Einsparungen ermöglichen sollen. Für Anleger sind die möglichen Effizienzgewinne ein konkreter Anwendungsfall für industrielle KI, während der Kurs am Montag nachgab. Entscheidend wird sein, ob sich die Pilotlösungen auf weitere Werke übertragen lassen und die angekündigten Vorteile in der Praxis sichtbar werden.



