Kann das starke Siemens Quartal mit Rekord-Aufträgen und Milliardenrückkauf die Skepsis wegen der Margen wirklich ausbremsen?
Wie stark war das Siemens Quartal?
Im Siemens Quartal legte der Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 18 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro zu. Der Umsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um sechs Prozent auf 19,8 Milliarden Euro, blieb nominal wegen des stärkeren Euro aber auf Vorjahresniveau. Damit lag der Erlös leicht unter den Markterwartungen von rund 20,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis des industriellen Geschäfts sank um acht Prozent auf 2,97 Milliarden Euro, wobei ein positiver Sondereffekt aus dem Vorjahr die Vergleichsbasis verzerrte. Unter dem Strich verdiente Siemens 2,2 Milliarden Euro und damit etwas weniger als im Vorjahreszeitraum.
Die Aktie notiert intraday bei 265,95 Euro nach 263,98 Euro am Vortag und liegt damit um 0,51 Prozent im Plus. Von einem neuen 52-Wochen-Hoch kann auf Basis der vorliegenden Kursdaten nicht gesprochen werden. An der Börse wurden die Zahlen dennoch gemischt aufgenommen, weil starke Aufträge und solide Cashflows einer nur leicht unter den Erwartungen liegenden Profitabilität gegenüberstehen.
Was treibt Siemens?
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Software, Automatisierung und Infrastruktur. Die Digitalumsätze stiegen um 19 Prozent. In der Sparte Digital Industries erhöhte sich der Umsatz vergleichbar um acht Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, der Auftragseingang kletterte um 12 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis sprang um gut ein Drittel auf 857 Millionen Euro, die Marge erreichte 18,5 Prozent. Rückenwind kam aus dem Softwaregeschäft, der fortgeschrittenen SaaS-Transformation und Synergien nach der Altair-Übernahme.
Smart Infrastructure profitierte kräftig vom Ausbau von KI- und Cloud-Rechenzentren. Der Auftragseingang stieg dort um 35 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, der Umsatz um zehn Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Allein auf Rechenzentren entfielen 1,9 Milliarden Euro an Bestellungen. Siemens baut deshalb seine Kapazitäten für Nieder- und Mittelspannung in den USA aus. Das macht den Konzern zu einem wichtigen Zulieferer für den Infrastrukturboom rund um NVIDIA, Apple und andere große Technologiekonzerne, die weltweit in KI-Rechenleistung investieren.
Wo liegen die Belastungen bei Siemens?
Nicht alle Bereiche liefen gleich rund. Mobility wurde durch US-Zölle belastet, auch Siemens Healthineers bekam Gegenwind zu spüren. Für Mobility senkte Siemens daher die Wachstumserwartung beim Umsatz. Das dämpfte die Begeisterung einiger Investoren trotz des starken Auftragseingangs. Vorstandschef Roland Busch betonte zugleich, Siemens profitiere von seiner technologischen Stärke und der guten Positionierung in wichtigen Wachstumsmärkten.
Zum Kapitalmarkt kommt ein weiteres Signal hinzu: Siemens startet ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu sechs Milliarden Euro mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren. Das unterstreicht die robuste Liquidität. Der Free Cash Flow stieg im Quartal auf 1,7 Milliarden Euro, im industriellen Geschäft auf 2,4 Milliarden Euro. Die Jahresprognose bleibt bestehen: Siemens erwartet weiterhin ein vergleichbares Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent und ein unverwässertes Ergebnis je Aktie von 10,70 bis 11,10 Euro.
Wie bewerten Analysten das Siemens Quartal?
Das Siemens Quartal wird am Markt differenziert eingeordnet. JPMorgan-Analyst Phil Buller sprach von starken Resultaten in den Kerngeschäften, vor allem bei Digital Industries, wo Auftragseingang, Umsatz und Gewinn über den Konsensschätzungen gelegen hätten. Bernstein-Analyst Alasdair Leslie verwies dagegen auf die leicht verfehlte Margenerwartung und darauf, dass einige Anleger auf eine Anhebung der Konzernprognose gehofft hatten. Jefferies hob hervor, dass die Aufträge im Rechenzentrumsumfeld deutlich besser als erwartet ausfielen, während die Bestellungen in der Industrieautomatisierung hinter zuletzt gestiegenen Markterwartungen zurückblieben.
Siemens profitiert von seiner technologischen Stärke und seiner starken Positionierung in wichtigen Wachstumsmärkten.— Roland Busch
In Summe zeigt das Siemens Quartal einen Konzern mit starkem Nachfragebild, wachsendem Softwareanteil und zusätzlichem Rückenwind durch Datencenter-Investitionen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob Siemens die höhere Auftragsbasis in den kommenden Quartalen in profitables Umsatzwachstum umsetzen kann. Mit bestätigter Prognose, starkem Cashflow und dem Milliarden-Rückkauf bleibt die Aktie für langfristig orientierte Investoren ein relevanter Industriewert.




