Warum stuft JPMorgan die Munich Re Aktie nach einer starken Rally ab, obwohl das Kursziel unverändert bleibt?
JPMorgan sieht weniger Kurspotenzial
Die aktuelle Einschätzung stammt von JPMorgan-Analyst Kamran Hossain. Er hält die Bewertung des Rückversicherers nach dem kräftigen Kursanstieg für angemessen. Das unveränderte Kursziel von 590 Euro liegt nur begrenzt über dem Kurs von 571,80 Euro. Die Abstufung ist damit keine Senkung des Kursziels, sondern eine vorsichtigere Empfehlung.
Auch die Entwicklung seit Anfang Oktober spielt in die Einordnung hinein: Die Aktien der Rückversicherer hatten zeitweise rund ein Viertel zugelegt. Im bisherigen Jahresverlauf lag Munich Re laut dpa-AFX rund 2 Prozent im Plus. Am Freitag gehörte der Titel mit seinem Minus von 3,83 Prozent zu den schwächsten DAX-Werten.
Warum wird JPMorgan vorsichtiger?
Hossain verweist auf die Erneuerungsrunde 2027 und erwartet dort weiteren Preisdruck. Bei den Vertragsverlängerungen werden Preise und Bedingungen für Rückversicherungsschutz neu vereinbart. Sinkende Preise können die Profitabilität des neu abgeschlossenen Geschäfts belasten. Eine konkrete Höhe möglicher Preisrückgänge oder eine daraus abgeleitete Gewinnsenkung nennt die Analyse jedoch nicht.
Der JPMorgan-Analyst sieht zudem die außergewöhnlich starke Phase der Rückversicherer bei den Eigenkapitalrenditen als schwer fortsetzbar an. Nach seiner Einschätzung war es die beste Phase der vergangenen dreißig Jahre. Zugleich erscheine die Gesamtrendite der Rückversicherer nach ihrer Rally weniger attraktiv als die der Erstversicherer. Das Rating „Neutral“ bedeutet daher nicht, dass JPMorgan die operative Stärke des Konzerns infrage stellt, sondern dass die Aktie im Vergleich weniger heraussticht.
Quartalsmitteilung folgt am 12. November
Die Kursreaktion fällt unterschiedlich aus, je nachdem, welcher Stand zugrunde liegt: Die aktuellen Kursdaten weisen 571,80 Euro und ein Tagesminus von 3,83 Prozent aus; dpa-AFX nannte für Freitag 571,40 Euro und einen Rückgang von 3,9 Prozent. Beide Angaben zeigen deutliche Verluste nach der Analystenentscheidung. Die nächste Quartalsmitteilung ist für den 12. November angekündigt und dürfte Anlegern neue Informationen zur Geschäftsentwicklung liefern.
Im Branchenvergleich wurden auch die Papiere von Hannover Rück belastet. Swiss Re blieb ebenfalls unter Druck; bei dem Schweizer Rückversicherer hielt JPMorgan laut dpa-AFX an der Einstufung „Underweight“ fest. Für Munich Re bleibt der zentrale Punkt jedoch die Frage, ob die hohen Renditen und Preise der vergangenen Jahre Bestand haben.
JPMorgan stuft Munich Re nach der starken Rally auf „Neutral“ ab und hält das Kursziel bei 590 Euro, während Preisdruck in der Erneuerungsrunde 2027 die Erwartungen belastet. Für Anleger zählt, dass die vorsichtigere Empfehlung keine konkrete Gewinnsenkung vorwegnimmt, aber das begrenzte Kurspotenzial betont. Die Quartalsmitteilung am 12. November bietet den nächsten Anlass, die Geschäftsentwicklung und die Perspektiven des Rückversicherers neu zu bewerten.



