Trotz eines gestoppten US-Gesetzes zur Krypto-Regulierung steigt der Bitcoin Kurs deutlich – ist das nur eine kurzfristige Erholung oder ein Zeichen für nachhaltige Stärke?
Ein Kurssprung trotz widriger Nachrichten
Am Freitagnachmittag stieg der Bitcoin um bis zu fünf Prozent auf rund 80.500 US-Dollar. Am Dienstag und Mittwoch war der Kurs zeitweise noch unter 75.000 Dollar gefallen, nachdem der US-Senat einen Gesetzentwurf zur umfassenden Regulierung von Kryptowährungen gestoppt hatte. Mit dem Clarity Act hätte die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) die primäre Zuständigkeit für digitale Vermögenswerte erhalten sollen. Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader, kommentierte: “Die Enttäuschung über die jüngste Hiobsbotschaft aus den USA scheinen Anleger abgeschüttelt zu haben.” Damit dürften Anleger hinter der Schlappe im Senat einen Haken gemacht haben.
Die SEC öffnet die Tür für tokenisierte Aktien
Rückenwind liefert vor allem die US-Börsenaufsicht SEC, die nach dem ins Stocken geratenen Clarity Act eine bedingte Ausnahmeregelung für tokenisierte Aktien bekannt gab. Die sogenannte “Innovation Exemption” gilt für fünf Jahre und erlaubt bestimmten tokenisierten Aktien des US-amerikanischen National Market System den Handel über zugangsbeschränkte automatisierte Market Maker und Liquiditätspools. Sowohl die Zahl der handelbaren Wertpapiere als auch das Handelsvolumen sind begrenzt, und Emittenten können dem Handel widersprechen. SEC-Chef Paul Atkins bezeichnete die Entscheidung als bedeutenden Schritt, um die amerikanischen Kapitalmärkte in das digitale Zeitalter zu führen. Von der Entwicklung profitieren Plattformen wie Robinhood und Coinbase, deren Aktien deutlich zulegten.
Institutionelle Nachfrage bleibt zweigeteilt
Die Nachfragesignale sind gemischt. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Donnerstag Zuflüsse von rund 159 Millionen US-Dollar, über die laufende Woche summieren sich die Mittelzuflüsse auf 426,81 Millionen Dollar. Auf Jahressicht fehlen den Produkten jedoch weiterhin rund eine Milliarde Dollar bis zu einem positiven Saldo. Der Stablecoin-Markt, der als Indikator für frisches Kapital gilt, stagniert seit Monaten zwischen 300 und 310 Milliarden Dollar. Börsennotierte Unternehmen haben in den vergangenen drei Monaten laut Glassnode nur rund 5.900 Bitcoin erworben – weniger als sieben Prozent der Käufe vom Juli 2025, als innerhalb eines Monats 89.000 Coins den Besitzer wechselten. Der durchschnittliche Einstiegskurs der Corporate Treasuries liegt bei rund 80.500 Dollar und damit über dem aktuellen Niveau.
Wie reagieren die anderen Kryptowährungen?
Die Erholung erfasst den gesamten Markt. Ethereum stieg um 1,75 Prozent auf 2.476 Dollar, XRP gewann 1,66 Prozent auf 1,32 Dollar. BNB legte 3,61 Prozent zu, Solana stieg 4,73 Prozent. Besonders stark zeigten sich ZCash mit einem Plus von 9,52 Prozent und Hype mit 9,73 Prozent. Die gesamte Marktkapitalisierung der Kryptowährungen erhöhte sich um 1,75 Prozent auf 2,65 Billionen Dollar. Die US-Notenbank Fed hatte ihren Leitzins um 25 Basispunkte angehoben, die Bank of England hielt ihren Leitzins bei 3,75 Prozent stabil, bevor die Bank of Japan am Freitag ebenfalls um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent erhöhte.
Was macht der Bitcoin-Kurs mittelfristig?
Seit dem Rekordhoch von mehr als 126.000 Dollar im Oktober 2025 hat die Digitalwährung fast 40 Prozent ihres Werts eingebüßt. Im bisherigen Jahresverlauf steht ein Minus von fast neun Prozent zu Buche, nachdem sie bereits 2025 rund sechs Prozent nachgegeben hatte. Mittel- und längerfristig bleibt Bitcoin dennoch eine der erfolgreichsten Anlageklassen: In den vergangenen fünf Jahren zog der Kurs um circa 70 Prozent an, seit September 2016 verteuerte sich die Währung um mehr als 13.000 Prozent. Die Marktkapitalisierung aller Bitcoins liegt aktuell bei 1,4 Billionen Dollar.
Der Ausblick bleibt vorsichtig
Für den Kryptomarkt bleiben der Ölpreis und die Renditen von US-Staatsanleihen entscheidend. Bleibt Öl länger auf hohem Niveau, kann das die Inflation weiter antreiben und den Notenbanken weniger Spielraum für spätere Zinssenkungen lassen. Hohe Renditen bei US-Staatsanleihen machen vergleichsweise sichere Anlagen attraktiver, wodurch Investoren Kapital aus riskanten Anlagen wie Bitcoin abziehen könnten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Kurs die Marke von 80.000 Dollar nachhaltig verteidigen kann.
Das Scheitern des Clarity Act und seine Folgen
Das Nein des US-Senats zum Clarity Act hat den Kryptomarkt kurzzeitig erschüttert, doch die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Während Bitcoin sich schnell erholte, gerieten andere Digitalwährungen stärker unter Druck. Eine Analyse zeigt, warum XRP, Ethereum und Solana so unterschiedlich auf das Scheitern des Gesetzes reagierten und welche regulatorischen Alternativen nun von SEC und CFTC kommen.
Die Enttäuschung über die jüngste Hiobsbotschaft aus den USA scheinen Anleger abgeschüttelt zu haben.— Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader
Bitcoin hat die Marke von 80.000 Dollar zurückerobert und damit seine Widerstandskraft gegen regulatorische Rückschläge und straffere Geldpolitik bewiesen. Für Anleger bleibt die Digitalwährung trotz der jüngsten Schwankungen eine langfristig erfolgreiche Anlageklasse mit erheblichem Erholungspotenzial. Ob der Kurs die 80.000-Dollar-Marke nachhaltig verteidigen kann, wird sich in den kommenden Handelstagen zeigen.




