Kann Coinbase seine Abhängigkeit vom Bitcoin-Handel wirklich ablegen und mit neuen Produkten sowie Abo-Modellen langfristig überzeugen?
Ein Rekord beim Abo-Geschäft
Der Krypto-Börsenbetreiber Coinbase hat im abgelaufenen Coinbase Quartal einen Meilenstein vermeldet: Die Zahl der zahlenden Abonnenten von Coinbase One erreichte ein Allzeithoch. Finanzchefin Alicia Haas betonte in der Telefonkonferenz, dieses Wachstum sei besonders bemerkenswert, weil es in einem schwachen Marktumfeld mit rückläufigen Handelsvolumina erzielt wurde. Die Abonnenten zählen zu den engagiertesten Kunden und nutzen überdurchschnittlich viele Produkte. Das Abo-Modell sorgt damit für planbarere Erlöse und eine höhere Kundenbindung.
Weg vom Bitcoin – hin zum breiten Angebot
Ein zentraler Punkt der Strategie ist die Abkehr von der Abhängigkeit vom Bitcoin-Handel. Machten Bitcoin-bezogene Transaktionen früher mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus, sind es heute nur noch rund zwölf Prozent. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Prognosemärkte, Perpetual Futures, Aktienhandel und weitere Derivate. Haas zufolge zeigt sich, dass Kunden, die neue Produkte wie Prognosemärkte nutzen, zusätzliches Spot-Handelsvolumen generieren. Von einer Kannibalisierung bestehender Angebote sei bislang nichts zu sehen. Auch die Erlöse aus dem Abo- und Dienstleistungsgeschäft wachsen und machen das Geschäft insgesamt berechenbarer.
Neue Produkte und regulatorische Meilensteine
Für zusätzlichen Schub sorgt die Nachricht, dass Coinbase bei der US-Aufsichtsbehörde CFTC die Zulassung für Perpetual Futures auf einzelne US-Aktien beantragt hat. Nach Angaben des Wall Street Journal sollen Kontrakte auf rund 50 bis 60 große Titel wie Apple, Microsoft, Tesla und NVIDIA angeboten werden. Der Start ist für später in diesem Jahr geplant, vorbehaltlich der Genehmigung. Bereits seit Mai sind in den USA Perpetual Futures auf Kryptowährungen und thematische Aktienindizes zugelassen. Zudem hat die SEC zuletzt eine Ausnahmeregelung verlängert, die den Handel mit tokenisierten Aktien erlaubt – ein Schritt, der Krypto- und traditionelle Märkte näher zusammenrücken lässt.
Wie reagiert die Coinbase-Aktie auf die Nachrichten?
Die Anleger reagierten deutlich positiv. Die Aktie von Coinbase (COIN) stieg am Freitag um 11,21 Prozent auf 192,65 Dollar, nach einem Vortagesschluss von 173,97 Dollar. Damit gehört der Wert zu den stärksten Performern im S&P 500. Rückenwind kam auch vom Bitcoin, der um mehr als fünf Prozent zulegte, sowie von der allgemeinen Erholung der Krypto-Werte. Die positive Stimmung überlagerte dabei die Enttäuschung über das Scheitern des Clarity Act im US-Senat.
Was passiert, wenn der Clarity Act scheitert?
CEO Brian Armstrong zeigte sich in der Telefonkonferenz gelassen. Selbst wenn das Gesetz nicht durchkommt, sei das für Coinbase “business as usual”, sagte er. Das Unternehmen erfülle bereits viele der geforderten Standards. Wichtiger sei, dass die Chefs von SEC und CFTC öffentlich erklärt hätten, klare Regeln auch ohne den Clarity Act auf den Weg zu bringen. “I am pretty optimistic that it will get to a full Senate floor vote” (Ich bin ziemlich optimistisch, dass es zu einer Abstimmung im gesamten Senat kommt), so Armstrong. Für die amerikanischen Verbraucher wäre ein Scheitern allerdings nachteilig.
Stablecoin-Strategie und Wettbewerb
Coinbase verfolgt zudem eine Multi-Stablecoin-Strategie. Neben dem eigenen USDC-Partner Circle unterstützt das Unternehmen auch andere Stablecoins wie PYUSD von PayPal. Die Partnerschaft mit Circle wird laut Haas zu unveränderten Bedingungen verlängert. Im Wettbewerb mit Robinhood und anderen Anbietern setzt Armstrong auf Netzwerkeffekte und die eigene Layer-2-Blockchain Base, die als größtes L2 auf Ethereum gilt und bei Stablecoin-Transfers führend ist. Bei der Führungsriege betonte er die tiefe Talentbank und einen starken Nachfolgeplan.
Regulatorische Unsicherheit bleibt ein Belastungsfaktor
Die jüngste Ablehnung des Clarity Act im US-Senat hat die Krypto-Branche aufgeschreckt und für erhebliche Kursbewegungen gesorgt. Wie stark der Rückschlag für Coinbase ausfiel und welche Alternativen der Konzern nun verfolgt, zeigt der aktuelle Hintergrundbericht. Auch die breite Reaktion des Marktes auf das Scheitern des Solana CLARITY Act macht deutlich, wie sensibel Anleger auf regulatorische Signale reagieren.
I am pretty optimistic that it will get to a full Senate floor vote.— Brian Armstrong, CEO Coinbase
Coinbase überzeugt mit einem Rekord beim Abo-Geschäft, wachsender Erlösdiversifizierung und neuen Produkten wie Perpetual Futures auf US-Aktien. Für Anleger ist das ein Signal, dass sich das Geschäftsmodell zunehmend unabhängig vom Bitcoin-Handel entwickelt. Ob der Schwung anhält, dürfte maßgeblich von der Zulassung der neuen Kontrakte und der weiteren Regulierung abhängen.




