Können die überraschend starken KI-Wachstumszahlen den jüngsten Kurssturz der Intel-Aktie nachhaltig stoppen oder droht der nächste Abverkauf?
Was bedeuten die Intel Quartalszahlen für die Aktie?
Die jüngsten Intel Quartalszahlen sorgten im nachbörslichen Handel für ein kräftiges Kursfeuerwerk. Die Aktie, die im Juli im Zuge einer allgemeinen Branchenrotation noch rund 28 Prozent an Wert verloren hatte, schoss nachbörslich zeitweise um über zehn Prozent nach oben. Zum Handelsende stabilisierte sich das Papier bei 104,83 US-Dollar, nachdem es im regulären Handel noch bei 100,23 US-Dollar geschlossen hatte.
Im abgelaufenen zweiten Quartal erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,42 US-Dollar. Damit verdoppelte der Konzern die Konsensschätzungen der Analysten, die im Schnitt lediglich mit 0,21 US-Dollar gerechnet hatten. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein bereinigter Verlust von 0,10 US-Dollar je Aktie in den Büchern. Auch beim Umsatz überzeugte das Unternehmen auf ganzer Linie: Die Erlöse kletterten im Jahresvergleich um 25 Prozent auf 16,13 Milliarden US-Dollar, während der Markt im Vorfeld mit 14,43 Milliarden US-Dollar kalkuliert hatte. Trotz eines bilanziellen GAAP-Nettoverlusts von 11,03 Milliarden US-Dollar, der primär auf eine nicht-operative, buchhalterische Wertberichtigung im Rahmen des US-CHIPS-Act zurückzuführen ist, feierten die Investoren das operative Comeback.
Wie läuft das operative Geschäft bei Intel?
Der Turnaround unter Konzernchef Lip-Bu Tan gewinnt sichtlich an Dynamik. Besonders die Sparte Data Center & AI (DCAI) entpuppte sich im abgelaufenen Vierteljahr als absoluter Wachstumsmotor. Hier explodierte der Umsatz um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden US-Dollar. Intel profitiert massiv davon, dass Rechenzentren im Zuge des KI-Booms neben Grafikprozessoren von NVIDIA verstärkt auf leistungsstarke Zentraleinheiten (CPUs) setzen. Diese CPUs sind besonders effizient bei der Ausführung von sogenannten agentischen KI-Systemen.
Auch das klassische PC-Geschäft, das nun unter dem Namen Client Computing and Physical AI Group (CCPG) firmiert, wuchs um 13 Prozent auf 8,9 Milliarden US-Dollar. Analyst Angelo Zeno von CFRA bewertet die Entwicklung positiv und empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf. Er sieht erhebliches Potenzial für eine Ausweitung der Bruttomarge, die sich im zweiten Quartal bereits auf starke 41,8 Prozent verbesserte. Dagegen zeigt sich Srini Pajjuri von RBC Capital Markets etwas verhaltener. Er stuft das Papier der Intel Corporation weiterhin mit “Sector Perform” und einem Kursziel von 80 US-Dollar ein, da die Konkurrenz durch AMD und Tesla im Bereich spezialisierter KI-Chips hoch bleibt.
Warum steigen die Investitionen bei Intel?
Ein zentraler Pfeiler der langfristigen Strategie ist der Ausbau des Foundry-Geschäfts, also der Auftragsfertigung für Drittkunden wie Apple. Die Sparte verzeichnete einen Umsatzanstieg von 31 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Um den technologischen Vorsprung gegenüber dem Marktführer TSMC aufzuholen, erhöht Finanzchef David Zinsner das Budget für Investitionen (CapEx) im Jahr 2026 von zuvor geplanten 18 Milliarden auf über 20 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2027 stellte das Management bereits weitere signifikante Erhöhungen in Aussicht.
Diese massiven Ausgaben belasten zwar kurzfristig den freien Cashflow, der im zweiten Quartal auf minus 8,42 Milliarden US-Dollar abrutschte, sind jedoch essenziell für die Zukunft. Für das anstehende dritte Quartal zeigt sich der Konzern optimistisch und prognostiziert einen Umsatz von 15,8 bis 16,8 Milliarden US-Dollar – weit über den bisherigen Erwartungen der Wall Street von 15,1 Milliarden US-Dollar. Auch die EPS-Prognose für das Folgequartal liegt mit 0,38 US-Dollar deutlich über dem Analystenkonsens von 0,27 US-Dollar.
Die hervorragenden Intel Quartalszahlen beweisen eindrucksvoll, dass der Halbleiterpionier im KI-Zeitalter wieder eine tragende Rolle spielt. Für langfristig orientierte Anleger bietet die erfolgreiche Restrukturierung unter Lip-Bu Tan eine vielversprechende Wachstumsstory. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Intel die hohe Dynamik beibehalten und neue Großkunden für seine modernen Fabriken gewinnen kann.
Welche Auswirkungen hat das auf den Halbleiter-Sektor?
AI is driving unprecedented demand for compute, and as we continue to execute, Intel is well-positioned to capture sustainable growth across our CPU franchise, ASICs, advanced packaging and vast wafer foundry network.— Lip-Bu Tan
Die starken Ergebnisse senden auch positive Signale an die gesamte Technologiebranche. Wer die Dynamik vor der Veröffentlichung der Ergebnisse analysieren möchte, findet im Artikel über die Intel Quartalszahlen und die Rallye vor den Zahlen wertvolle Hintergründe. Zudem lohnt sich ein Blick auf andere Branchenberichte, wie die ebenfalls starken IMAX Quartalszahlen, um die aktuelle Stimmung am Markt besser einzuordnen.



