Kann der neue Lululemon CEO den US-Kernmarkt wiederbeleben – oder bleibt das Wachstum nur international intakt?
Warum setzt Lululemon beim Lululemon CEO auf Heidi O’Neill?
Lululemon Athletica Inc. hat mit Heidi O’Neill eine frühere Spitzenkraft von Nike zur neuen Vorstandschefin ernannt. Sie soll den Posten des Lululemon CEO am 8. September antreten. Bis dahin führen Finanzchefin Meghan Frank und Vertriebschef André Maestrini das Unternehmen weiter als Co-CEOs und kehren anschließend in ihre bisherigen Rollen zurück. O’Neill verbrachte mehr als zwei Jahrzehnte bei Nike und war dort zuletzt als Präsidentin für Konsumenten, Produkt und Marke tätig. In dieser Zeit half sie, das Frauengeschäft auszubauen und den Bekleidungsabsatz zu stärken.
Mit der Personalie beendet Lululemon eine monatelange Suche nach einem Nachfolger für Calvin McDonald. Die Entscheidung kommt in einer Phase, in der der Konzern seine Position im nordamerikanischen Markt verteidigen muss. Kritiker sehen die Marke dort nicht mehr so dominant wie früher, während neue Produktimpulse und eine klarere Ladenpräsentation erst noch dauerhaft Wirkung zeigen müssen.
Wie groß sind die Baustellen bei Lululemon?
Die Herausforderungen für den neuen Lululemon CEO sind erheblich. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz konzernweit nur um 1 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. In Amerika, dem wichtigsten Markt, sanken die Erlöse dagegen um 4 Prozent. International lief es mit plus 17 Prozent deutlich besser. Diese Schere zeigt, dass Lululemon zwar global wachsen kann, im Heimatmarkt aber an Zugkraft verloren hat.
Auch an der Börse ist die Nervosität sichtbar. Die Aktie von lululemon athletica inc. (LULU) notierte zuletzt bei 163,45 Dollar nach 166,81 Dollar am Vortag, ein Minus von 1,95 Prozent. Außerbörslich fiel der Wert auf 156,40 Dollar, was einem weiteren Abschlag von 4,31 Prozent entspricht. Der Markt bewertet den Chefwechsel damit zunächst vorsichtig. Zugleich liegt die Marktkapitalisierung inzwischen deutlich unter früheren Spitzenwerten, nachdem der Kurs in den vergangenen zwölf Monaten stark nachgegeben hatte.
Der Druck kommt nicht nur vom Markt, sondern auch von einflussreichen Investoren. Elliott Investment Management hatte eine Beteiligung von mehr als 1 Milliarde Dollar aufgebaut und auf schnellere Veränderungen gedrängt. Firmengründer Chip Wilson hatte zudem eine Auseinandersetzung um die Besetzung des Boards angestoßen und die Governance scharf kritisiert.
Kann Lululemon mit der neuen Führung wieder wachsen?
Die Hoffnung ist, dass der neue Lululemon CEO genau jene Mischung aus Produktverständnis, Markenführung und operativer Disziplin mitbringt, die jetzt gefragt ist. O’Neill gilt als Managerin, die Marken nah am Kunden entwickelt. Das dürfte für Lululemon besonders wichtig sein, weil der Konzern zuletzt auf neue Kollektionen unter Kreativchef Jonathan Cheung und auf übersichtlichere Stores gesetzt hat, um wieder mehr Verkäufe zum vollen Preis zu erzielen.
Zusätzliche Brisanz erhält der Wechsel durch O’Neills Vernetzung über die Sportartikelbranche hinaus. Sie sitzt in den Boards von Spotify, Hyatt und Lithia & Driveway. Für Lululemon kann das helfen, Markenführung, Loyalität und internationales Wachstum breiter zu denken. Entscheidend wird aber sein, ob sie die US-Nachfrage beleben und das Sortiment klarer schärfen kann.
Bemerkenswert ist auch, dass keine Analysten-Ratings von Häusern wie Citigroup, RBC Capital Markets oder Goldman Sachs zu dieser Personalie vorlagen. Damit richtet sich der Blick der Börse vor allem auf die operative Trendwende statt auf frische Kursziele.
Wie beeinflusst das die Lululemon-Aktie?
Wer die Hintergründe der aktuellen Spannungen besser verstehen will, findet in unserem Beitrag zu Governance, Gewinnrückgang und wachsendem Druck bei Lululemon die passende Einordnung. Interessant ist auch der Blick auf einen anderen Händler im Umbruch: Beim Best-Buy-CEO-Wechsel und dem Kurseinbruch zeigt sich, wie sensibel Anleger auf Führungswechsel im Einzelhandel reagieren.
Many of them said they would not make a move except for this one.— Marti Morfitt
Der neue Lululemon CEO bringt große Erfahrung von Nike mit, übernimmt aber auch ein Unternehmen unter spürbarem Ergebnis- und Governance-Druck. Für Anleger zählt nun, ob Heidi O’Neill das US-Geschäft beleben, die Marke wieder schärfer positionieren und das Vertrauen des Marktes zurückgewinnen kann. Die nächsten Quartale dürften zeigen, ob der Chefwechsel für Lululemon zum echten Wendepunkt wird.
