Trotz beeindruckender Quartalszahlen und optimistischem Ausblick: Warum notierte die Marvell-Aktie nachbörslich im Minus?
Starkes Marvell Quartal durch KI-Boom
Marvell Technology konnte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekordumsatz von 2,739 Milliarden US-Dollar erzielen, was einem Anstieg von 37 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Segment Rechenzentren war dabei der Haupttreiber und verzeichnete ein Wachstum von 46 % auf 2,17 Milliarden US-Dollar. Damit macht das Rechenzentrumsgeschäft nun beeindruckende 79 % des Gesamtumsatzes aus. Diese Zahlen unterstreichen die zentrale Rolle von Marvell im Aufbau der globalen KI-Infrastruktur.
Das Management von Marvell hob den Ausblick für das Gesamtjahr zum zweiten Mal in Folge an. Für das Geschäftsjahr 2027 wird nun ein Umsatz von rund 12 Milliarden US-Dollar erwartet, eine Steigerung gegenüber der vorherigen Prognose von 11,5 Milliarden US-Dollar. Auch die Prognose für das Geschäftsjahr 2028 wurde um 1,5 Milliarden US-Dollar auf rund 18 Milliarden US-Dollar erhöht, was einem erwarteten Wachstum von fast 50 % entspricht. Die Wachstumsrate beschleunigt sich somit, selbst bei einer bereits wachsenden Umsatzbasis.
Warum Marvell Technology weiterhin ein wichtiger Akteur ist
Ein wesentlicher Faktor für das beschleunigte Wachstum ist die Nachfrage nach kundenspezifischen Siliziumlösungen. Marvell gab eine erweiterte Vereinbarung mit einem großen Hyperscaler bekannt, die ein potenzielles kumuliertes Umsatzvolumen von 120 Milliarden US-Dollar über etwa sechs Jahre verspricht. Das kundenspezifische Geschäft soll sich im Geschäftsjahr 2028 voraussichtlich mehr als verdoppeln und im Geschäftsjahr 2029 weiter beschleunigen. Dies, zusammen mit der starken Nachfrage nach 800-Gigabit-Optiklösungen und der schnellen Einführung von 1.6T-Produkten, positioniert Marvell Technology als Schlüsselanbieter im Bereich der Rechenzentrums-Konnektivität.
JPMorgan Chase bekräftigte seine positive Einschätzung für Halbleiterunternehmen wie Broadcom, NVIDIA, AMD und Marvell, die als Hauptprofiteure des anhaltenden Aufbaus der KI-Infrastruktur gelten. Auch die Profitabilität entwickelt sich positiv: Die Non-GAAP-Betriebsmarge erreichte 36,6 %, ein Anstieg von 180 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr, womit das langfristige Ziel von 38 % bis 40 % bis zum vierten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres in Reichweite rückt. Der Non-GAAP-Gewinn pro Aktie stieg um 40 % auf 0,94 US-Dollar.
Welche Herausforderungen bleiben für Marvell Technology?
Trotz des beeindruckenden Wachstums gibt es auch Bereiche, die Aufmerksamkeit erfordern. Das Management räumte ein, dass das Unternehmen zusätzliche Chip-Lieferungen sichert, obwohl branchenweite Engpässe bestehen. Dies verdeutlicht, dass das Wachstum von Marvell von Kapazitäten abhängt, die es nicht vollständig kontrolliert. Dies spiegelt sich auch in der Bilanz wider: Der Cashflow aus operativer Tätigkeit sank leicht auf 606 Millionen US-Dollar, da das Unternehmen rund 1 Milliarde US-Dollar an geplanten Vorauszahlungen für Kapazitäten in diesem Geschäftsjahr tätigte, um die zukünftige Produktion zu sichern.
Die Aktie von Marvell (MRVL) notierte am Dienstag vorbörslich mit einem Minus von fast 4 % bei 203,87 US-Dollar, während der breitere Technologiesektor ebenfalls unter Druck stand. Dies könnte auf Gewinnmitnahmen nach einem starken Anstieg von 227,65 % in den letzten zwölf Monaten zurückzuführen sein. Die Benzinga Edge Rankings zeigen für Marvell hohe Werte für Wachstum und Momentum, aber einen schwachen Wert für “Value”, was darauf hindeutet, dass das starke zukünftige Wachstum bereits in den Kurs eingepreist ist.
Analysten sehen weiterhin Potenzial
Trotz der kurzfristigen Kursbewegungen bleibt die langfristige Einschätzung der Analysten positiv. Craig-Hallum bestätigte am 28. August eine “Buy”-Empfehlung und erhöhte das Kursziel auf 300 US-Dollar. B. Riley Securities behielt ebenfalls eine “Buy”-Einstufung bei, senkte aber das Kursziel auf 315 US-Dollar. TD Cowen stufte die Aktie als “Hold” ein und erhöhte das Kursziel auf 245 US-Dollar. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 296,35 US-Dollar, was ein erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs von 209,43 US-Dollar impliziert.
Die Konzentration auf Hyperscaler-Kunden birgt ein gewisses Risiko, da eine Verlangsamung der Investitionsausgaben im Jahr 2027 beide Unternehmen, Marvell und Broadcom, unabhängig von der Ausführungsqualität belasten könnte. Dennoch bleibt die erweiterte Vereinbarung mit einem Hyperscaler, die sich über Jahre erstreckt und verschiedene Programme umfasst, ein starkes Argument für Marvell. CEO Matt Murphy betonte, dass dieses Wachstum “breit gefächert” sei und Konnektivität, Switching, kundenspezifisches Silizium und CXL-Speicher umfasse.
Marvell Technology und Eli Lilly im Fokus der Anleger
Während Marvell Technology mit seinen jüngsten Quartalszahlen und einem vielversprechenden Google-Deal die Aufmerksamkeit auf sich zieht, wie der Artikel “Marvell Technology Quartalszahlen -2.5%: Google-Deal enttäuscht Anleger” zeigt, verfolgt Eli Lilly eine aggressive Akquisitionsstrategie. Der Artikel “Eli Lilly Übernahme: Merida Biosciences für bis zu 2,88 Milliarden Dollar gesichert” beleuchtet, wie der Pharmakonzern im boomenden GLP-1-Markt durch Zukäufe seine Marktposition stärken will.
JPMorgan Chase reiterated its very constructive view on Broadcom and others, saying: ‘Taken together, we continue to see AI as a durable multi-year driver of semiconductor demand. And we continue to view Broadcom, NVIDIA, AMD, Marvell, some other names, as key beneficiaries of the ongoing AI infrastructure build-out.’— JPMorgan Chase
Das jüngste Marvell Quartal belegt eindrucksvoll die starke Position des Unternehmens im boomenden KI-Sektor, angetrieben durch Rekordumsätze und optimistische Prognosen für die kommenden Geschäftsjahre. Für Anleger signalisieren die erhöhten Umsatzziele und die wachsende Profitabilität, dass Marvell Technology von der anhaltenden KI-Infrastruktur-Expansion maßgeblich profitieren dürfte. Die nächsten Quartalszahlen und der Investor Day im Oktober werden entscheidend sein, um die langfristige Entwicklung und die Umsetzung der ambitionierten Wachstumspläne zu bewerten.



