Trotz eines leicht gesunkenen Durchschnittspreises im Quartal verzeichnete Nordex einen beeindruckenden Auftragseingang – doch wie bewerten Analysten diese Entwicklung?
Was treibt den Zuwachs bei den Bestellungen?
Im Segment Projekte, ohne das Servicegeschäft, bestellten Kunden zwischen Juli und September insgesamt 427 Windkraftanlagen für Vorhaben in zehn Ländern. Die Türkei, Deutschland und die USA waren die stärksten Einzelmärkte. Auf die Türkei entfielen mehr als 900 Megawatt; in den USA verbuchte Nordex seit Jahresbeginn bereits Aufträge über mehr als 1,3 Gigawatt.
In den ersten neun Monaten summierte sich das Volumen auf 7.733 Megawatt, ein Plus von 16,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag im dritten Quartal bei 0,90 Millionen Euro je Megawatt, nach 0,93 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate stieg er dagegen leicht auf 0,93 Millionen Euro je Megawatt, gegenüber 0,92 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen führt die Unterschiede auf Projektumfang und regionale Mischung zurück und bezeichnet das Preisumfeld als stabil.
Die Aktie reagiert mit einem Plus
Die Aktie stieg auf 36,29 Euro, verglichen mit 35,42 Euro am Vortag. Die dpa-AFX-Berichterstattung hob den deutlichen Bestellzuwachs und den zugleich niedrigeren Quartalspreis hervor. Dow Jones nannte ebenfalls den Anstieg um 29,5 Prozent und verwies auf die internationale Zusammensetzung der Bestellungen. Ein Händler schätzte in der dpa-AFX-Berichterstattung, der Zuwachs dürfte den Rückgang des durchschnittlichen Verkaufspreises mehr als ausgleichen.
Auch die Einschätzungen am Markt fielen positiv aus: Berenberg bestätigte die Einstufung „Buy“ und das Kursziel von 58 Euro. Analyst Richard Dawson verwies darauf, dass die bestellte Gesamtleistung mit gut 2,8 Gigawatt über der vergleichsweise niedrigen Konsensschätzung von 2,5 Gigawatt gelegen habe. Jefferies-Analyst Constantin Hesse bezeichnete den Auftragseingang ebenfalls als stark und sah die bestellte Leistung fast 30 Prozent über dem Vorjahresquartal sowie 13 Prozent über dem Konsens.
Internationalisierung soll weitergehen
Nordex-Chef José Luis Blanco sagte: „Unser Auftragseingang wird zunehmend internationaler, und das dritte Quartal bestätigt diese Entwicklung.“ Er erwartet, dass der internationale Anteil weiter wächst, wenn das Unternehmen seine Projektpipeline in Aufträge umsetzt. Zugleich bleibe die Nachfrage in Europa und Deutschland stark. Für Anleger ist neben dem kräftigen Bestellvolumen deshalb auch entscheidend, wie sich Preise, Projektmix und die Umsetzung der Aufträge entwickeln.
Türkei-Aufträge ergänzen das Quartalsbild
Bereits zuvor hatte Nordex neue Bestellungen aus der Türkei gemeldet. Der Beitrag zu den Türkei-Aufträgen über 389 Megawatt ordnet diese Deals in die Ertragsperspektive des Windkraftanlagenbauers ein.
Nordex steigerte die Bestellungen im dritten Quartal deutlich und erzielte auch über neun Monate ein Wachstum, während der durchschnittliche Verkaufspreis im Quartal niedriger ausfiel. Für Anleger sprechen der breite geografische Auftragseingang und die positive Kursreaktion für eine verbesserte Nachfrageperspektive, doch die Preisentwicklung bleibt ein wichtiger Faktor. Entscheidend wird sein, ob Nordex die Pipeline in Aufträge umsetzt und die Projekte profitabel abarbeitet.



