Wie stark belasten Oracles ambitionierte KI-Investitionen die Kreditwürdigkeit des Tech-Riesen und drohen weitere Herabstufungen?
Steigendes Oracle Kreditrisiko durch KI-Strategie
Die Kreditausfallversicherungsprämien für Oracle haben ein Niveau erreicht, das über dem der Lehman-Pleite liegt, was ein deutliches Zeichen für ein erhöhtes Oracle Kreditrisiko im KI-Sektor darstellt. Oracle hat seine Investitionen in KI-Rechenzentren massiv beschleunigt, um sein Cloud-Geschäft auszubauen. Da die liquiden Mittel begrenzt sind, greift das Unternehmen verstärkt auf Fremdfinanzierung und langfristige Mietverpflichtungen zurück.
Zum Ende des Geschäftsjahres 2026 wies Oracle einen negativen freien Cashflow, erhöhte Investitionsausgaben und rund 260 Milliarden US-Dollar an Mietverpflichtungen für Rechenzentren aus. S&P Global Ratings stufte im Juli die Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- herab, nur eine Stufe über dem spekulativen Bereich. Moody’s Ratings betonte, dass andere Hyperscale-Cloud-Anbieter ebenfalls aggressiv in KI-Infrastruktur investieren, jedoch keiner mit einer derart angespannten Verschuldung und Cashflow-Kennzahlen wie Oracle.
Drohen weitere Abstufungen für Oracle?
Kreditanalysten befürchten, dass die Bilanz von Oracle unter weiterem Druck geraten könnte, falls die Verschuldung hoch bleibt. Andrew Chang, Analyst bei S&P, warnte gegenüber Reuters, dass eine weitere Herabstufung möglich sei, falls die Verschuldung über dem 4,5-fachen des EBITDA verbleibt. Auch Fitch Ratings hat ähnliche Warnungen ausgesprochen, wonach eine anhaltende Verschuldung über ihren Schwellenwerten zu negativen Ratingmaßnahmen führen könnte.
Lindsay Tyler, Kreditanalystin bei Morgan Stanley, äußerte in einem Podcast die Möglichkeit, dass Oracle das Jahr mit zwei niedrigen BBB-Kreditratings beenden könnte. Dies würde die Bedenken hinsichtlich eines potenziellen „Fallen Angel“-Status verstärken, obwohl sie eine Umstellung auf Hochzinsanleihen eher als mittelfristiges Risiko denn als unmittelbare Bedrohung betrachtet. Rothschild & Co Redburn Analyst Alex Haissl, der Oracle mit „Sell“ bewertet, bleibt skeptisch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit der Cloud-Expansion von Oracle, da der Markt davon ausgehe, dass die neuen Rechenzentren termingerecht fertiggestellt werden und die erwarteten Einnahmen und Gewinne generieren.
Wie bewerten Analysten die Zukunft von Oracle?
Trotz der Bedenken verweist Oracle auf seine verbleibenden Leistungsverpflichtungen in Höhe von 638 Milliarden US-Dollar als Beleg für die starke Nachfrage nach seinen KI-Infrastrukturinvestitionen. Allerdings beobachten Investoren weiterhin die Kundenkonzentration, langfristige Mietverpflichtungen und die Diskrepanz zwischen 15- bis 19-jährigen Rechenzentrumsmieten und kürzeren Kundenverträgen. Chang bezeichnete diese zeitliche Diskrepanz als ein zentrales Oracle Kreditrisiko.
Brad Briner, Finanzminister des US-Bundesstaates North Carolina, merkte an, dass Oracle-Chairman Larry Ellison in der Vergangenheit bereits erfolgreiche transformative Wetten eingegangen sei. Solche Strategien werfen jedoch größere Bedenken für Anleihegläubiger auf, da diese das höhere Abwärtsrisiko tragen, aber deutlich weniger am Aufwärtspotenzial partizipieren. David Brown, Senior Portfolio Manager bei Neuberger Berman, erwartet, dass das Management von Oracle den Investment-Grade-Status des Unternehmens durch sorgfältiges Management der Verbindlichkeiten erhalten wird, obwohl Oracle die am stärksten belastete Bilanz unter seinen Wettbewerbern aufweist.
Kursentwicklung und Analystenprognosen
Die Aktie von Oracle (ORCL) verzeichnete im vorbörslichen Handel am Donnerstag einen Rückgang von 3,10 % auf 139,90 US-Dollar, nachdem sie am Vortag bei 144,39 US-Dollar geschlossen hatte. Der aktuelle Kurs liegt bei 142,22 US-Dollar, was einem Minus von 0,88 % entspricht. Für die bevorstehende Ergebnisveröffentlichung am 8. September erwarten Analysten einen Gewinn von 1,67 US-Dollar pro Aktie, gegenüber 1,47 US-Dollar im Vorjahr, bei einem Umsatz von 19,12 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 14,93 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr.
Der Konsens der Analysten lautet „Kaufen“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 260,04 US-Dollar. Jüngste Analystenaktionen umfassen die Initiierung der Coverage durch CLSA mit einem „Hold“-Rating und einem Kursziel von 145 US-Dollar am 20. Juli. Bernstein behielt am 11. Juni ein „Outperform“-Rating bei und erhöhte das Kursziel auf 325 US-Dollar. RBC Capital behielt am selben Tag ein „Sector Perform“-Rating mit einem Kursziel von 190 US-Dollar bei.
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Der Technologiekonzern Oracle werde trotz Kursrutsch langfristig vom KI-Infrastrukturboom profitieren.— Hackethal
Das erhöhte Oracle Kreditrisiko durch die aggressive KI-Expansionsstrategie belastet die Aktie und führt zu wachsender Besorgnis bei Ratingagenturen. Für Anleger bedeutet dies, die Entwicklung der Verschuldung und die Fähigkeit des Managements, die Verbindlichkeiten zu steuern, genau im Auge zu behalten. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Oracle den Spagat zwischen Wachstum und finanzieller Stabilität erfolgreich meistern kann.



