Steht der umstrittene Paramount Skydance Merger kurz vor dem Durchbruch, oder lauern trotz Kurssprung weitere Fallstricke?
Einigung in Sicht: Was hinter dem Kurssprung steckt
Die Aktien von Warner Bros. Discovery (WBD) und Paramount Skydance (PSKY) legten am Montag kräftig zu. WBD kletterte um 11,14 Prozent auf 30,89 US-Dollar und erreichte damit ein neues 52-Wochen-Hoch. PSKY stieg um 4,60 Prozent auf 10,68 US-Dollar. Hintergrund sind Berichte des Wall Street Journal und der New York Post, wonach Paramount in fortgeschrittenen Vergleichsgesprächen mit der kalifornischen Generalstaatsanwaltschaft steht. Diese hatte gemeinsam mit elf weiteren Bundesstaaten Klage gegen die Übernahme eingereicht.
Nach Informationen aus mit der Sache vertrauten Kreisen könnten sich beide Seiten “getting close” (kurz vor einer Einigung) befinden. Ein endgültiges Abkommen ist jedoch noch nicht unterzeichnet, und die Bedingungen eines möglichen Vergleichs bleiben unklar.
Welche Zugeständnisse Paramount anbieten will
Im Zentrum der Gespräche stehen weitreichende Zugeständnisse. Paramount soll sich verpflichten, 1,5 Milliarden US-Dollar in Film- und Fernsehproduktionen in Kalifornien zu investieren und beide Studiogelände im Bundesstaat zu behalten. Zudem soll das Unternehmen an sein früheres Versprechen gebunden werden, jährlich 30 Filme in die Kinos zu bringen.
Falls dieses Ziel verfehlt wird, drohen empfindliche Strafen: Laut Bloomberg Intelligence müsste Paramount 30 Millionen US-Dollar pro fehlendem Film zahlen. Als zusätzliche Absicherung könnte das Unternehmen gezwungen sein, seinen 49-Prozent-Anteil am Studio Miramax zu verkaufen. Weitere diskutierte Maßnahmen umfassen den Verkauf einzelner Kabelsender sowie die Einrichtung eines Gremiums zum Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit von CNN.
Analystin sieht Zugeständnisse als verkraftbar
Bloomberg-Intelligence-Analystin Geetha Ranganathan bewertet die vorgeschlagenen Zugeständnisse als tragbar. Die 30 Filme pro Jahr hätte Paramount ohnehin geplant, und selbst ein möglicher Verkauf des kleinen Senders Comedy Central dürfte das ambitionierte Synergieziel von 6 Milliarden US-Dollar nicht gefährden. Auch Wells-Fargo-Analyst Steve Cahill zeigte sich auf CNBC optimistisch: “Wochen und Monate waren vergangen, in denen es nicht so aussah, als würden das Unternehmen und der Generalstaatsanwalt in Kalifornien wirklich konstruktive Gespräche führen. Es sieht definitiv so aus, als hätte sich das geändert.”
Rechtliche Hürden bleiben bestehen
Trotz der Fortschritte ist der Paramount Skydance Merger weiterhin nicht in trockenen Tüchern. Zwölf demokratisch geführte Bundesstaaten sowie die Writers Guild of America klagen nach wie vor aus wettbewerbsrechtlichen Gründen gegen die Transaktion. Ein Gerichtsverfahren ist für März 2027 angesetzt, und Paramount rechnet durch die Verzögerung mit zusätzlichen Kosten von über einer Milliarde US-Dollar.
Erschwerend kommt hinzu, dass ab etwa einem Monat eine sogenannte Ticking Fee greift: Rund 650 Millionen US-Dollar pro Quartal – oder etwa 70 Millionen US-Dollar pro Tag – würden bis zum Abschluss des Deals fällig. Für CEO David Ellison und Warner-Chef David Zaslav dürfte der Druck damit weiter steigen, die Fusion zügig über die Bühne zu bringen.
Wie reagieren die Märkte auf die Nachrichten?
Die Kursreaktion fiel deutlich aus. Während WBD und PSKY zweistellig beziehungsweise rund fünf Prozent zulegten, bewegte sich der breitere Mediensektor kaum: Der Communication Services Select Sector SPDR ETF (XLC) stieg nur um 0,7 Prozent, Netflix (NFLX) legte lediglich 0,2 Prozent zu. Dies deutet darauf hin, dass es sich um eine deal-spezifische Neubewertung handelt und nicht um eine allgemeine Rally im Mediensektor.
Für Anleger bleibt die Lage zweischneidig. Ein erfolgreicher Vergleich würde die größte Unsicherheit beseitigen, die seit Monaten auf beiden Aktien lastet. Scheitern die Gespräche jedoch, droht eine erneute Phase der Unsicherheit mit möglichen Kursrückschlägen.
Wochen und Monate waren vergangen, in denen es nicht so aussah, als würden das Unternehmen und der Generalstaatsanwalt in Kalifornien wirklich konstruktive Gespräche führen. Es sieht definitiv so aus, als hätte sich das geändert.— Steve Cahill, Analyst bei Wells Fargo
Die Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery nimmt konkrete Formen an, denn die Vergleichsgespräche mit Kalifornien schreiten voran und beflügeln beide Aktien. Für Anleger bedeutet das eine spürbare Verringerung der rechtlichen Unsicherheit, auch wenn ein endgültiger Abschluss noch aussteht. Bleibt der Vergleich erfolgreich, könnte der Weg für eine der größten Medienfusionen der vergangenen Jahre frei werden.




