Kann Rheinmetall nach dem jüngsten Kurssprung seine Aufwärtsdynamik beibehalten und die hohen Erwartungen der Anleger erfüllen?
Die Erholung nach dem Rücksetzer gewinnt an Fahrt
Mit dem heutigen Kurssprung setzt Rheinmetall seine jüngste Aufwärtsbewegung fort. Der Chart zeigt eine klare Abfolge. Im Juni und Juli durchbrach die Aktie ihren vorherigen Abwärtstrend. Danach folgte eine kräftige Erholung bis in den Bereich von 1.200 Euro.
Anschließend kam der Kurs wieder zurück. Vor etwa zwei Wochen setzte er auf einer Unterstützungszone auf, seitdem zieht er wieder an. Der Intraday-Anstieg auf 1.078,20 Euro bestätigt diese Wende. Die Stabilisierung betrifft nicht nur den Düsseldorfer Konzern: Auch beim italienischen Rüstungskonzern Leonardo zeigen sich ähnliche Tendenzen wie im Rüstungssektor insgesamt.
Die Auftragsbücher sind prall gefüllt
Operativ läuft es rund. Rheinmetall ist praktisch komplett ausgelastet. Der Umsatz wächst um rund 40 Prozent, das EBITDA um etwa 45 Prozent. Hinzu kommen ein positiver Cashflow von rund drei Milliarden Euro und eine EBITDA-Marge von 23 Prozent. Die Margen steigen weiter.
Die Kehrseite der hohen Nachfrage zeigte sich im laufenden Jahr: Der Konzern kam bei der Abarbeitung der vielen Aufträge kaum hinterher. Zeitweise wirkte das Unternehmen verzettelt und musste intern aufräumen. Das belastete die Aktie. Am Fundament änderte es jedoch wenig, denn die Auftragsbücher bleiben voll.
Wie günstig ist die Rheinmetall-Aktie bewertet?
Lange galt die hohe Bewertung als zentraler Kritikpunkt. Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 30 oder 40 waren üblich, zeitweise lagen sie sogar bei 60 bis 70. Inzwischen liegt das KGV bei rund 20. Das ist für ein Unternehmen mit diesem Wachstumstempo vergleichsweise niedrig.
Der Kapitalmarkt verlangt allerdings eine Bestätigung. Rheinmetall muss zeigen, dass das Wachstum über viele Jahre trägt und nicht nur ein bis zwei Jahre anhält. Gelingt das, könnte die gesunkene Bewertung zum Argument für einen Einstieg werden.
Die Charttechnik deutet auf eine W-Formation
Aus charttechnischer Sicht bildet sich ein sehr ausgeprägter Aufwärtstrend heraus. Das Muster ähnelt einer W-Formation, also einem doppelten Boden. Solche Wendepunkte kippen erfahrungsgemäß nicht sofort wieder. Die Zyklen der Aktie waren in der Vergangenheit stets deutlich ausgeprägt.
Als nächste Marken auf der Oberseite gelten gut 1.300 Euro und danach der Bereich von 1.400 bis 1.500 Euro. Dafür müsste die Aktie zunächst das Zwischenhoch im 1.200er-Bereich überwinden.
Die Quartalszahlen am 5. November sind der nächste Test
Der nächste Prüfstein steht bereits fest: Am 5. November 2026, also in 20 Tagen, legt Rheinmetall seine nächsten Quartalszahlen vor. Dann zeigt sich, ob der Konzern die Engpässe bei der Auftragsabwicklung in den Griff bekommt und das hohe Wachstum mit steigenden Margen bestätigt.
Kursziele und Auftragseingänge sorgen für Bewegung
Die Einschätzungen der Analysten zu Rheinmetall gehen derzeit auseinander. Zuletzt hatte Berenberg das Kursziel für Rheinmetall deutlich gesenkt, während RBC optimistisch blieb. Wie stark volle Auftragsbücher auch anderswo in der deutschen Industrie den Kurs treiben, zeigt der kräftige Auftragseingang bei Nordex im dritten Quartal.
Unterm Strich verbindet Rheinmetall starkes Wachstum, volle Auftragsbücher und steigende Margen mit einer deutlich gesunkenen Bewertung, während der Chart eine Bodenbildung signalisiert. Für Anleger bietet der Kurssprung auf über 1.078 Euro damit eine fundamental gestützte Erholungsbasis, auch wenn die Abarbeitung der Aufträge noch überzeugen muss. Die Quartalszahlen am 5. November werden zeigen, ob der Konzern den Wachstumskurs bestätigt und die Kursziele jenseits von 1.300 Euro näher rücken.



