Warum verkaufen Insider von Rigetti Computing massiv Aktien, während die Quantencomputing-Branche boomt und die Aktie um 7,4% einbricht?
Was bedeuten die Rigetti Computing Insider-Verkäufe?
Obwohl künstliche Intelligenz seit fast vier Jahren den Bullenmarkt an der Wall Street antreibt, rückt auch die Quantencomputing-Revolution zunehmend in den Fokus der Anleger. Unternehmen wie IonQ, Rigetti Computing und D-Wave Quantum verzeichneten in den letzten zwölf Monaten bis Oktober 2025 teils enorme Zuwächse von bis zu 6.200 %. Doch hinter diesen beeindruckenden Zahlen verbirgt sich eine besorgniserregende Entwicklung: Insider dieser Unternehmen haben in großem Umfang Aktien verkauft.
Ein „Insider“ ist eine hochrangige Führungskraft, ein Vorstandsmitglied oder ein Anteilseigner mit mindestens 10 % der ausstehenden Aktien, der über nicht-öffentliche Informationen verfügen könnte. Normalerweise sind Insider die größten Befürworter ihres Unternehmens, doch ihre Handlungen sprechen oft lauter als Worte. Wertpapiergesetze schreiben vor, dass Insider Käufe oder Verkäufe innerhalb von zwei Geschäftstagen melden müssen. Dies ermöglicht es auch Privatanlegern, die Aktivitäten der Insider zu verfolgen.
Im Fall von IonQ, Rigetti Computing und D-Wave Quantum waren die Insider eindeutige Verkäufer. Über einen Zeitraum von drei Jahren beliefen sich die Netto-Insider-Verkäufe bei IonQ auf 457,2 Millionen US-Dollar, bei Rigetti Computing auf 74 Millionen US-Dollar und bei D-Wave auf 331,3 Millionen US-Dollar. Insgesamt haben Insider dieser reinen Quantencomputing-Unternehmen Aktien im Wert von fast 863 Millionen US-Dollar netto verkauft.
Warum sind Insider-Verkäufe nicht immer ein Alarmzeichen?
Es gibt eine positive Seite dieser Daten: Nicht alle Verkaufsaktivitäten sind zwangsläufig negativ zu werten. Hochrangige Führungskräfte und Vorstandsmitglieder werden oft mit Aktien und/oder Optionen vergütet. Da Aktienverkäufe häufig erforderlich sind, um die bundesstaatliche und/oder staatliche Steuerpflicht aus aktienbasierter Vergütung zu erfüllen, sind steuerbedingte Verkäufe für Anleger kein Grund zur Sorge. Beispielsweise verkaufte David Rivas, Chief Operating Officer von Rigetti Computing, am 20. August 9.038 Aktien im Rahmen einer routinemäßigen Steuerabwicklung, die an unverfallbare Restricted Stock Units gebunden war. Er hält weiterhin 316.907 Aktien direkt, was diesen Verkauf in den Hintergrund rückt.
Doch die Kehrseite dieser Medaille, die Insider-Käufe, ist potenziell noch besorgniserregender für reine Quantencomputing-Aktien. Über die letzten drei Jahre hinweg beliefen sich die Insider-Käufe bei IonQ auf 3,32 Millionen US-Dollar, bei Rigetti Computing auf null und bei D-Wave auf lediglich 1.795 US-Dollar. Abgesehen von einer Handvoll Direktorenkäufen bei IonQ wären Insider-Käufe praktisch nicht existent. Während es viele Gründe gibt, Aktien eines Unternehmens zu verkaufen, gibt es nur einen Grund zu kaufen: der Glaube an zukünftige Wertsteigerung. Wenn Rigetti Computing Insider nicht kaufen, sollten Anleger sich fragen, warum.
Wie wirken sich hohe Bewertungen auf die Quantencomputing-Branche aus?
Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung der Rigetti Computing Insider könnte die Bewertung der Quantencomputing-Aktien sein. Kein Unternehmen, das an der Spitze eines bahnbrechenden Trends stand, hat jemals über einen längeren Zeitraum ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (P/S-Verhältnis) von über 30 gehalten. IonQ, Rigetti Computing und D-Wave weisen derzeit P/S-Verhältnisse von 59, 398 bzw. 542 auf. Diese extrem hohen Bewertungen deuten darauf hin, dass die Erwartungen an zukünftiges Wachstum bereits stark eingepreist sind.
Zudem gehen bahnbrechende Technologien und das Platzen von Blasen oft Hand in Hand. Alle Innovationen brauchen ausreichend Zeit, um zu reifen. Quantencomputer sind derzeit weder weit verbreitet noch annähernd optimiert, was die Wahrscheinlichkeit eines Blasenplatzens erhöht. Die Aktie von Rigetti Computing ist im Jahresverlauf bis Freitag um 19 % gefallen, während Quantum Computing Inc. um 13 % nachgab. Investoren, die Aktien von Rigetti Computing, IonQ, Quantum Computing Inc. und Infleqtion halten, sollten diese eher als eine einzige High-Beta-Position und nicht als diversifiziertes Quanten-Engagement betrachten.
Aktuelle Entwicklungen bei Rigetti Computing und im breiteren Technologiemarkt
Die jüngsten Kursbewegungen bei Rigetti Computing spiegeln die Herausforderungen wider, denen das Unternehmen trotz strategischer Neuausrichtung und neuer Führungskräfte begegnet, wie der Artikel Rigetti Management: -7% Schock trotz Umstrukturierung und neuer Führung beleuchtet. Gleichzeitig zeigen andere Bereiche des Technologiemarktes, wie etwa die Biotechnologie mit der Entwicklung von Moderna Krebsimpfstoff, dass innovative Durchbrüche zwar zu beeindruckenden Kursrallyes führen können, aber auch Korrekturen nach sich ziehen.
Die erheblichen Netto-Insider-Verkäufe bei Rigetti Computing und anderen Quantencomputing-Unternehmen, kombiniert mit minimalen Käufen, deuten auf eine potenzielle Diskrepanz zwischen den hohen Aktienbewertungen und dem internen Vertrauen hin. Für Anleger ist dies ein klares Signal, die extrem hohen Kurs-Umsatz-Verhältnisse kritisch zu hinterfragen und die Volatilität der Branche zu berücksichtigen. Die weitere Entwicklung der Fundamentaldaten und das Verhalten der Rigetti Computing Insider werden entscheidend sein, um die Nachhaltigkeit des aktuellen Wachstums zu beurteilen.



