Droht Micron Technology, Inc. nach dem NVIDIA-Samsung-Deal bei HBM4 ins Hintertreffen zu geraten – oder beginnt der nächste AI-Schub erst jetzt? Im Fokus stehen die Knappheit bei High Bandwidth Memory, volle Auftragsbücher und eine Aktie, die nach einer 260-%-Rally plötzlich korrigiert.

Wie trifft der NVIDIA-Samsung-Deal Micron Technology?
Die Nachricht, dass NVIDIA Samsung offenbar als Lieferanten für neueste HBM4-Chips auswählt, sorgt zum Wochenstart für Gewinne mitnahmen bei Micron Technology, Inc.. Laut Marktberichten verliert Micron damit einen prestigeträchtigen Teilauftrag im Segment High Bandwidth Memory, was die Aktie intraday um etwa 2 % ins Minus drückt. Dennoch bleibt das übergeordnete Bild positiv: Der globale HBM-Markt wird aktuell auf rund 35 Milliarden US‑Dollar geschätzt und soll bis 2028 auf etwa 100 Milliarden US‑Dollar anwachsen – mit jährlichen Wachstumsraten um 40 %. In diesem Umfeld ist Micron HBM4 nur ein Baustein innerhalb einer deutlich breiter aufgestellten HBM- und DRAM-Strategie.
CEO Sanjay Mehrotra betont seit Monaten, dass KI-Anwendungen immer größere Kontextfenster benötigen und Speicher damit vom einfachen Systembauteil zum strategischen Leistungsfaktor werden. Für GPU-Cluster und AI-Beschleuniger sind HBM-Stacks inzwischen Pflicht, und genau hier setzt das Portfolio rund um Micron HBM4 an. Selbst wenn Samsung bei NVIDIA einen Teil des Kuchens gewinnt, bleibt die Gesamtnachfrage der Hyperscaler so groß, dass die Branche insgesamt bis über 2026 hinaus unterversorgt sein dürfte.
Warum bleibt Micron Technology bei HBM4 im Vorteil?
Micron ist einer von nur drei globalen DRAM-Schwergewichten neben Samsung und SK Hynix. Rund 80 % des Umsatzes stammen aus DRAM, 20 % aus NAND-Flash. Der AI-Boom hat beide Märkte gedreht: Nach dem Einbruch 2023, als Umsätze nahezu halbiert wurden und die Verschuldung über 13 Milliarden US‑Dollar stieg, erlebt der Konzern nun eine V-förmige Erholung. Im jüngsten Quartal kletterte der Umsatz um 57 %, die Margen ziehen kräftig an, und der Free Cashflow dreht deutlich ins Plus.
Treiber ist vor allem der Fokus auf hochmargige HBM-Lösungen. HBM erfordert drei- bis viermal so viel Waferkapazität wie Standard-DRAM, was die freie Kapazität für klassische DRAM-Produkte verknappt und dadurch zusätzlich die Preise nach oben treibt. Micron hat seine Investitionsplanung für das laufende Geschäftsjahr bereits von 18 auf 20 Milliarden US‑Dollar erhöht, um HBM- und DRAM-Kapazitäten auszubauen. Bemerkenswert: Die komplette HBM-Produktion für 2026 gilt als ausverkauft. Das zeigt, dass Kunden ihre Kontingente lange im Voraus sichern – ein starkes Signal für die Nachfrage nach Micron HBM4 und verwandten Produkten.

Micron HBM4 und Bewertung: Wie weit trägt die Rallye?
Die Aktie von Micron Technology, Inc. hat in den letzten zwölf Monaten mehr als 260 % zugelegt, in den vergangenen drei Monaten nahezu 100 %. Forbes berichtet von einem Marktkapitalisierungssprung um rund 75 Milliarden US‑Dollar allein in den letzten sechs Handelstagen. Trotzdem wird das Papier an der Börse weiterhin wie ein klassischer Zykliker bepreist: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 12, die PEG-Ratio um 0,7 – Werte, die für einen strukturellen Wachstumstreiber im AI-Sektor eher moderat wirken.
Brokerhäuser bleiben überwiegend optimistisch. Laut Finviz liegt die durchschnittliche Empfehlung für MU bei 1,29 auf einer Skala von 1 (Strong Buy) bis 5 (Sell), was klar einem Kauf entspricht. Die positive Einstufung wird durch einen Zacks Rank #1 (Strong Buy) untermauert. Häuser wie Citigroup und RBC Capital Markets zählen Micron zu den Hauptprofiteuren des AI-Infrastrukturbooms; mehrere Analysten, darunter Sebastien Naji von William Blair, trauen dem Unternehmen zu, seine Gewinne in den kommenden zwei Jahren nahezu zu vervierfachen. Invezz verweist zudem darauf, dass ein Teil der Wall-Street-Schätzungen noch hinter der Kursentwicklung hinterherhinkt, was zusätzlichen Überraschungsspielraum eröffnet – gerade wenn Micron HBM4 sich als stabiles Wachstumsstandbein etabliert.
Charttechnisch ist die Bewegung parabolisch: Seit einem Rücksetzer bis an den 50‑Tage-Durchschnitt Mitte Dezember hat die Aktie in kurzer Zeit die 400‑Dollar-Marke getestet. Kurzfristig mahnen Trader zur Vorsicht und ziehen Stopps nach, zumal der NVIDIA-Samsung-Deal für Volatilität sorgen dürfte. Positiv zu werten sind jedoch Insiderkäufe: Vorstandsmitglied Techin Liu soll zuletzt knapp 8 Millionen US‑Dollar in MU-Aktien investiert haben – ein Vertrauensbeweis in die Nachhaltigkeit des AI-Superzyklus und des HBM-Geschäfts.
AI-getriebene Nachfrage ist real, sie ist da – und wir brauchen immer mehr Speicher, um sie zu bedienen.— Sanjay Mehrotra, CEO Micron Technology
Trotz des Wettbewerbsdrucks durch Samsung und den NVIDIA-Deal bleibt Micron mit seinem Ausbau von HBM-Kapazitäten, inklusive Micron HBM4, strategisch hervorragend im AI-Superzyklus positioniert. Für Anleger bedeutet das: Kurzfristige Schwankungen könnten eher Einstiegs- als Ausstiegschancen darstellen, solange die HBM-Knappheit anhält. Die nächsten Quartalszahlen und neue Großaufträge werden zeigen, ob Micron HBM4 die derzeit hohen Wachstumserwartungen sogar noch übertreffen kann.