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Silber Crash: -27,5% Absturz als historischer Wendepunkt

Wie kann ein Markt, der eben noch in einer Rekordrallye war, innerhalb eines Tages um fast 30 % einbrechen? Der Silber Crash und Rekordrallye sorgen für den heftigsten Rückgang seit 1980 – doch was steckt wirklich hinter diesem brutalen Umschwung?

Silber Crash mit XAG-Silberbarren im Fokus vor dunklem Hintergrund
Erwähnte Aktien
Silber Silber
$82.65 -27.52%
Silber Silber
$82.65 -27.52%
Stand: 21:06 MEZ

Silber Crash: Welche Faktoren treiben den Absturz?

Silber notiert aktuell bei 82,65 US‑Dollar je Feinunze, nach 114,04 US‑Dollar am Vortag – ein Rückgang von 27,52 % binnen eines Handelstages. Parallel rauschen auch die Terminkontrakte ab: Silber-Futures verlieren bis zu 31,4 % und verzeichnen den schlechtesten Tag seit März 1980. Damit beendet der Silber Crash abrupt eine Rekordrallye, in deren Verlauf der Preis im Jahr 2025 um rund 135 % nach oben geschossen war. Marktbeobachter sprechen von einem „Tag der Abrechnung“ für hoch gehebelte Wetten auf immer weiter steigende Edelmetallpreise.

Auslöser des Crashs ist vor allem eine abrupte Neubewertung von Zins- und Dollarerwartungen. Die Aussicht auf eine weniger stark geschwächte US‑Währung ließ den Dollarindex zuletzt um rund 0,8 % steigen und machte Edelmetalle für Investoren außerhalb des Dollarraums deutlich teurer. Gleichzeitig löste die Aussicht auf einen eher strafferen Kurs der US‑Notenbank eine Welle von Gewinnmitnahmen aus. In einem Markt, in dem viele Marktteilnehmer stark gehebelt positioniert waren, reichten erste Verkäufe, um Stop-Loss-Ketten und Margin Calls auszulösen – der klassische Mechanismus eines plötzlichen Ausverkaufs.

Silber Crash und Rekordrallye: Blase geplatzt?

Noch vor wenigen Tagen galt Silber als neuer Favorit vieler Privatanleger. Allein in den iShares‑Silber‑ETF flossen an einem Handelstag Ende Januar rund 171 Millionen US‑Dollar. Der Rohstoff profitierte von einem perfekten Mix aus Inflationsängsten, geopolitischen Spannungen und der Suche nach Alternativen zu klassischen Aktienanlagen. Zudem punktet Silber gegenüber Gold mit breiter industrieller Nutzung, etwa in Solarzellen und Elektronik, sowie mit seiner Einstufung als kritischer Rohstoff durch das US‑Innenministerium im November.

Doch genau diese Popularität verstärkte die Fallhöhe. Ähnlich wie bei stark gefragten Technologiewerten hatten sich die Positionen in Silber und Gold extrem konzentriert. Als die Rallye ins Stocken geriet, wurden Positionen panikartig abgebaut. Marktstrategen sprechen von einer „marktweiten Neubewertung des Konzentrationsrisikos“: Wenn zu viele Anleger in denselben Trade drängen, kann schon ein Stimmungsumschwung einen Silber Crash auslösen – selbst wenn sich an den langfristigen Fundamentaldaten wenig ändert.

Silber Crash und Rekordrallye Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Silber Crash und Rekordrallye (XAGUSD) – 252-Tage-Chart

Wie bewerten Citigroup & Co. den Silber Crash?

Analysten sind sich uneins, ob der Einbruch das Ende des Silber‑Hypes markiert oder eine überfällige Korrektur in einem intakten langfristigen Aufwärtstrend darstellt. Citigroup bleibt taktisch optimistisch und hatte jüngst ein kurzfristiges Kursziel von 150 US‑Dollar je Unze für die kommenden drei Monate ausgerufen. Die Analysten verweisen auf die historisch günstige Bewertung von Silber im Verhältnis zu Gold. Sollte das Gold‑Silber‑Verhältnis wie 2011 wieder in Richtung 32 fallen, wären Preise um 170 US‑Dollar pro Unze theoretisch möglich.

Deutlich vorsichtiger äußert sich dagegen Marko Kolanovic, der einen möglichen Halbierungseffekt bei Silber ins Spiel bringt und den aktuellen Boom mit früheren spekulativen Übertreibungen vergleicht. Michael WidmerSilber Crash in eine längere Seitwärtsphase oder sogar in einen ausgewachsenen Bärenmarkt münden können.

Silber Crash: Welche Chancen und Risiken für Anleger?

Für kurzfristig orientierte Trader ist der Silber Crash vor allem ein Warnsignal, wie riskant hohe Hebel in engen Märkten sein können. Der heftigste Tagesverlust seit 1980 zeigt, dass auch vermeintliche „sichere Häfen“ binnen Stunden zweistellige Verluste erleiden können. Gleichzeitig ist Silber historisch eng mit Gold korreliert und spiegelt dessen Bewegungen häufig verstärkt wider. Da auch Gold zeitweise um rund 9 % auf unter 4.900 US‑Dollar je Unze fiel, ist die Anpassung eher als sektorweite Bereinigung denn als isoliertes Silber‑Problem zu sehen.

Langfristig orientierte Investoren blicken eher auf strukturelle Treiber wie anhaltende Inflationsrisiken, geopolitische Konflikte und die zunehmende industrielle Nachfrage nach Silber in Zukunftstechnologien. Wer an diese Trends glaubt, könnte den Einbruch als Einstiegschance in Tranchen sehen, sollte aber die hohe Volatilität des Marktes einpreisen. Entscheidend wird sein, ob sich die Kurse rasch über der 80‑Dollar‑Marke stabilisieren und ob die Nachfrage institutioneller Investoren nach der Schockkorrektur zurückkehrt.

Moves with so much volatility are typically followed by corrections.
— Michael Widmer, Bank of America
Fazit

Unterm Strich markiert der Silber Crash einen brutalen, aber typischen Wendepunkt nach einer Übertreibungsphase: Für Anleger zählt jetzt ein disziplinierter Umgang mit Risiko sowie ein klarer Zeithorizont, um zwischen spekulativem Zock und langfristigem Investment zu unterscheiden. Wer die Fundamentaldaten im Blick behält und nicht dem Herdenverhalten folgt, kann von der erhöhten Volatilität künftig sogar profitieren.

Gold Rekordhoch: +2,1% Rallye auf 5.086 $

Steht der Goldpreis auf Rekordhoch erst am Anfang einer noch größeren Rallye? XAU überspringt klar die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze – doch welche Kräfte treiben den Kurs wirklich und wie weit sehen Top-Banken jetzt Luft nach oben?

Gold Rekordhoch mit dynamischer Rallye, Goldbarren und steigender Kursentwicklung im Handelsraum
Erwähnte Aktien
Gold Gold
$5.086,10 +2.14%
Stand: 10:26 MEZ

Gold Rekordhoch: Welche Kräfte treiben den Sprung?

Der jüngste Kurssprung auf ein Gold Rekordhoch ist das Ergebnis mehrerer sich überlagernder Krisen. Zum Wochenbeginn überschritt der Goldpreis erneut klar die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze und notierte zeitweise sogar über 5.092 Dollar. In Euro gerechnet markierte das Edelmetall mit rund 4.296 Euro je Unze ebenfalls ein Allzeithoch. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus damit auf etwa 17 bis 18 Prozent, nachdem Gold bereits im Vorjahr um mehr als 60 Prozent zugelegt hatte – die stärkste Jahresperformance seit Ende der 1970er Jahre.

Marktbeobachter verweisen auf eine Mischung aus geopolitischen Konflikten, wachsenden Haushaltsdefiziten und einem schwächeren US-Dollar. Militärische Spannungen in Venezuela, Proteste im Iran und der anhaltende Konflikt rund um Grönland haben den Charakter von Gold als Krisenwährung geschärft. Parallel dazu sorgen Streitigkeiten um Straffzölle und die erratische Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump für zusätzliche Nervosität.

Goldman Sachs & Bank of America: Wie hoch kann Gold steigen?

Investmentbanken haben ihre Modelle an das Gold Rekordhoch angepasst. Goldman Sachs erhöhte ihr Preisziel für Gold zuletzt auf 5.400 US-Dollar je Unze und begründet dies mit strukturell höheren Risikoaufschlägen im Finanzsystem und anhaltenden Käufen von Zentralbanken. Die Analysten verweisen darauf, dass viele Marktteilnehmer den Sprung über 5.000 Dollar zwar erwartet, aber nicht so früh im Jahr einkalkuliert hatten.

Noch optimistischer zeigt sich die Bank of America. Chefstratege Michael Hartnett hält einen Goldpreis von 6.000 US-Dollar bis zum Frühjahr für möglich. Metallexperte Michael Widmer sieht bei Minengesellschaften sinkendes Angebot, steigende Förderkosten und dennoch deutliches Gewinnpotenzial. Sein Szenario: Ein moderater Anstieg der Investmentnachfrage um etwa 14 Prozent könnte reichen, um die 6.000-Dollar-Marke zu erreichen, zumal Gold in vielen Portfolios nach wie vor untergewichtet ist.

Auch andere Häuser wie Citigroup und RBC Capital Markets stufen Gold beziehungsweise Goldproduzenten konstruktiv ein und verweisen auf das veränderte Zinsumfeld sowie die Rolle von Gold als langfristige Absicherung gegen Währungs- und Schuldenrisiken.

Goldpreis auf Rekordhoch Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Goldpreis auf Rekordhoch (XAUUSD) – 252-Tage-Chart

Vertrauenskrise: Warum Anleger Gold Staatsanleihen vorziehen

Der Höhenflug von XAU ist zugleich ein Misstrauensvotum gegenüber klassischen Sicherheiten wie Staatsanleihen. In den vergangenen Monaten haben massive Verkäufe an einzelnen Anleihemärkten – etwa in Japan – die Sorge vor ausufernder Staatsverschuldung verdeutlicht. Zugleich mehren sich Befürchtungen, Regierungen könnten ihre Schulden über höhere Inflation entwerten. Dieser sogenannte Debasement-Trade treibt Anleger aus Papierwährungen in reale Werte.

Hinzu kommt die politische Dimension: Wiederholte Attacken von Donald Trump auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve verunsichern Investoren. Die Aussicht auf einen eher „taubenhaften“ Fed-Chef und weitere Zinssenkungen reduziert die Opportunitätskosten von Gold, das selbst keine laufenden Erträge abwirft. Ein schwächerer Dollar verstärkt den Effekt, weil Edelmetalle für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger werden.

Ein weiterer struktureller Treiber sind die Zentralbanken. Vor allem Schwellenländer wie China bauen ihre Goldreserven deutlich aus, um sich unabhängiger vom US-Dollar zu machen. Ihre monatlichen Käufe liegen klar über dem langjährigen Durchschnitt und verleihen der Rally eine fundamentale Basis, die über kurzfristige Spekulation hinausgeht.

Silber, Platin & Co.: Was bedeutet das Rekordhoch für andere Metalle?

Neben dem Gold Rekordhoch verzeichnen auch andere Edelmetalle neue Bestmarken. Silber stieg erstmals über 100 US-Dollar je Unze und kletterte zuletzt auf rund 107 bis 109 Dollar. Auf Jahressicht summiert sich das Plus damit auf knapp 50 Prozent. Platin erreichte mit etwa 2.867 Dollar ebenfalls ein Rekordniveau. Silber profitiert zusätzlich zu seinem Krisenschutz-Image von einer robusten industriellen Nachfrage, insbesondere aus Zukunftssektoren wie KI, Robotik und erneuerbaren Energien.

Die Parallelen zwischen Gold- und Silberrally verdeutlichen, dass Investoren nicht nur ein einzelnes Asset suchen, sondern breit in materielle Werte diversifizieren. Für physische Halter von Barren und Münzen schaffen die Rekordstände starke Verkaufsanreize, zumal Ankäufer derzeit nur wenige Prozent unter dem Spotpreis zahlen. Zugleich wächst das Interesse an börsengehandelten Produkten mit physischem Auslieferungsanspruch, die in einigen Jurisdiktionen nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei veräußert werden können.

Unterm Strich signalisiert der Goldpreis weniger Euphorie als Alarm – in einer Welt schwindenden Vertrauens werden physische Werte zum letzten Anker.
— Marktstratege eines europäischen Family Office
Fazit

Für Anleger signalisiert das Gold Rekordhoch weniger Euphorie als Alarm: In einer Welt steigender Schulden und wachsender geopolitischer Risiken etabliert sich Gold erneut als zentraler Baustein der strategischen Vermögenssicherung.