Droht Netflix, Inc. mit dem Warner-Deal der große Wurf oder ein teures Eigentor? Die Aktie rutscht um -2,4 % ab, während der Markt über Schulden, Integration und Wachstum streitet. Was steckt wirklich hinter dem Netflix Merger – und was bedeutet das für Anleger?

Wie reagiert der Markt auf den Netflix Merger?
Die Aktie von Netflix, Inc. setzte ihren Abwärtstrend nach den Q4‑Zahlen fort und notiert aktuell bei 83,28 US‑Dollar, ein Tagesminus von 2,44 Prozent. Vom Hoch im vergangenen Jahr ist der Titel inzwischen etwa 38 Prozent entfernt. Auslöser der Schwäche sind weniger die operativen Kennzahlen als vielmehr der Netflix Merger mit Warner Bros. Discovery, der Anlegern zunehmend Sorgen bereitet. Zwar wuchs der Umsatz im Schlussquartal 2025 um rund 17 bis 18 Prozent auf gut 12 Milliarden US‑Dollar, die operative Marge erreichte etwa 25 Prozent und lag damit über den Prognosen. Dennoch dominiert die Furcht vor einer teuren, komplexen Übernahme und einem verlangsamten Wachstumsausblick für 2026.
Hinzu kommt, dass Netflix seine bisherige Mischung aus Aktien- und Bargeldkomponente kurzfristig in ein vollständiges Barangebot über 27,75 US‑Dollar je Warner‑Aktie umgewandelt hat. Damit steigt der unmittelbare Finanzierungsbedarf auf rund 72 Milliarden Dollar Cash, was die Bilanz stärker belastet und den Spielraum für Aktienrückkäufe deutlich einschränkt. Genau diese Verschiebung von Kapitalrückführungen hin zu M&A‑Finanzierung kommt im Markt schlecht an.
Welche Strategie verfolgt Netflix mit dem Merger?
Mit dem Netflix Merger will sich das Unternehmen die Film- und TV‑Studios von Warner Bros., die umfangreiche Content‑Bibliothek sowie HBO und den Streamingdienst HBO Max sichern. Netflix erhofft sich, durch die Integration der starken Marken und Franchises – von Kinohits bis Premium‑Serien – die eigene Plattform aufzuwerten und zusätzliche Preissetzungsmacht zu gewinnen. Zudem sieht das Management in dem Warner‑Theatergeschäft einen neuen Erlöskanal, der neben dem klassischen Streaming für mehr Diversifikation sorgen soll.
Der Deal wird zu einer Zeit vorangetrieben, in der der Wettbewerb um Zuschauer härter denn je ist. Daten zu TV‑Sehzeiten zeigen, dass YouTube bereits vor Netflix liegt, während Kurzvideo‑Plattformen wie TikTok und YouTube Shorts vor allem bei Jüngeren Nutzungszeit abziehen. Gleichzeitig baut Netflix sein werbefinanziertes Angebot massiv aus: Ende 2025 zählte der Konzern mehr als 325 Millionen zahlende Mitglieder weltweit und erzielte über 1,5 Milliarden US‑Dollar Werbeumsatz – 2,5‑mal so viel wie 2024. Allerdings ist die Monetarisierung der Ad‑Tier bislang schwächer als bei werbefreien Abos, was die Bedeutung eines starken Content‑Portfolios durch die Warner‑Übernahme zusätzlich unterstreicht.

Wie bewerten Analysten die Netflix Aktie jetzt?
Beim Blick auf Netflix, Inc. prallen derzeit optimistische und skeptische Stimmen frontal aufeinander. Das Analysehaus Bernstein Research um Laurent Yoon bestätigt ein “Outperform”‑Rating mit Kursziel 115 US‑Dollar und wertet die Umstellung auf ein reines Barangebot positiv, weil sie die Verwässerungsrisiken für Warner‑Aktionäre eliminiert. Auch Häuser wie KeyBanc Capital Markets, Rothschild & Co. Redburn oder Canaccord Genuity bleiben grundsätzlich konstruktiv, haben ihre Kursziele jedoch zum Teil deutlich zurückgenommen. KeyBanc reduzierte etwa von 110 auf 108 US‑Dollar, Redburn von 145 auf 120 US‑Dollar und Canaccord auf 125 US‑Dollar – jeweils bei weiter positivem Votum.
Gleichzeitig verweisen skeptischere Analysten auf die Bewertungsrisiken: Trotz des Rückgangs wird das Papier noch mit einem KGV im hohen 20er‑ bis 30er‑Bereich gehandelt und liegt damit über vielen anderen Technologiewerten. Einige Beobachter sehen in der Kombination aus hoher Bewertung, nachlassender Dynamik bei Sehstunden und wachsender Verschuldung durch den Netflix Merger ein ungünstiges Chance‑Risiko‑Verhältnis. Hinzu kommt die Einschätzung, dass 2026 das Umsatzwachstum auf 12 bis 14 Prozent zurückgehen könnte, trotz einer erwarteten Verdoppelung der Werbeerlöse.
Welche Risiken birgt der Netflix Merger für Anleger?
Neben der Bilanzbelastung ist vor allem der regulatorische Prozess ein Unsicherheitsfaktor. Wettbewerber wie Paramount Skydance versuchen aktiv, Warner‑Aktionäre von der Netflix‑Transaktion abzubringen und werben mit einem eigenen, nominell höheren Barangebot. Zugleich wird damit gerechnet, dass insbesondere europäische Wettbewerbsbehörden den Zusammenschluss intensiv prüfen, was den Abschluss verzögern und zusätzliche Auflagen nach sich ziehen könnte. Historische Beispiele wie die gescheiterte AOL‑Time‑Warner‑Fusion zeigen zudem, wie schwierig Medien‑Megadeals in der Praxis umzusetzen sind.
Dennoch verweisen Befürworter darauf, dass Netflix heute ein deutlich reiferes, global skaliertes Streaming‑Geschäft mit hoher Kundenbindung besitzt. Die Bindungsrate liegt bei rund 74 Prozent, Nutzer verbringen im Schnitt etwa 90 Minuten pro Woche auf der Plattform. Gelingt es, die Warner‑Inhalte nahtlos zu integrieren und gleichzeitig die Werbevermarktung durch den hauseigenen Netflix Ads Suite‑Techstack zu optimieren, könnte der Netflix Merger langfristig erhebliche Synergien und zusätzliche Milliardenumsätze heben.
Fallende Kurse und ein teurer Deal sind selten eine angenehme Kombination – aber sie können langfristig genau das Zeitfenster eröffnen, in dem sich Qualität mit Abschlag einsammeln lässt.— Nicolas Ebert
Für Anleger bleibt die Situation damit ambivalent: Kurzfristig dominieren Kursdruck, Bewertungsfragen und Furcht vor regulatorischen Verzögerungen. Mittel- bis langfristig bietet der Netflix Merger jedoch die Chance, die Marktstellung im globalen Entertainment‑Geschäft massiv auszubauen und neue Erlösströme zu erschließen. Wer investiert ist, sollte daher die kommende Entwicklung bei Genehmigungen, Finanzierung und Integrationsfortschritten genau im Auge behalten.

