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Novo Nordisk Wegovy-Pille: 40% Potenzial‑Turbo

Kann die Novo Nordisk Wegovy-Pille und Rechtsstreit den Kurs trotz US-Sammelklage weiter antreiben? Die Aktie legt wieder zu, Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial – doch ein brisantes Verfahren in den USA könnte zum Spielverderber werden.

Novo Nordisk Wegovy-Pille als moderne orale GLP-1-Therapie mit Tabletten und Wasserglas
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$63,71 +2.33%
Stand: 18:41 MEZ

Wie stark treibt die Novo Nordisk Wegovy-Pille das Wachstum?

Nach einem drastischen Absturz von zeitweise über 1.000 auf unter 300 dänische Kronen in 2025 hat sich die Aktie von Novo Nordisk zuletzt deutlich erholt. In Kopenhagen notiert das Papier aktuell umgerechnet bei rund 53 Euro beziehungsweise 63,71 US-Dollar und liegt damit gut 2 % im Plus. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus bereits auf rund 20 %, womit Novo Nordisk 2026 zu den stärkeren Werten im europäischen Pharmasektor zählt.

Treiber der Erholung ist vor allem die neu eingeführte Novo Nordisk Wegovy-Pille. Bisher musste der Wirkstoff zur Adipositasbehandlung subkutan injiziert werden, was für viele Patienten eine Einstiegshürde darstellte. Mit der oralen Formulierung bietet der Konzern nun eine deutlich bequemere Therapieoption an, die auf demselben GLP‑1-Wirkmechanismus basiert wie das bekannte Injektionspräparat Wegovy.

Die Markteinführung der Novo Nordisk Wegovy-Pille in den USA erfolgte Anfang Januar und wurde von einem aggressiven Vertriebsansatz begleitet. Der neue CEO positioniert das Produkt über breite Kanäle, darunter Amazon und Costco, um die Verfügbarkeit im Massenmarkt sicherzustellen. Bereits in der ersten Woche wurden rund 3.100 Rezepte eingelöst, in der zweiten Woche stieg die Zahl auf etwa 8.000. Angesichts der Tatsache, dass es derzeit keine andere vergleichbare orale GLP‑1-Abnehmtherapie auf dem Markt gibt, könnte sich das Produkt für Novo Nordisk zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickeln.

Welches Kurspotenzial hat die Novo Nordisk Aktie jetzt?

Bewertungsseitig erscheint die Aktie trotz der jüngsten Erholung aus Anlegersicht weiterhin moderat. Historisch wurde Novo Nordisk über die vergangenen zehn Jahre im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 27 gehandelt. Nach dem Absturz 2025 liegt das aktuelle Multiple laut Konsensschätzungen jedoch nur bei etwa 18. Sollte es dem Management gelingen, das Vertrauen des Marktes zurückzugewinnen und die Wachstumsstory der Novo Nordisk Wegovy-Pille zu untermauern, wäre eine Rückkehr in Richtung des langjährigen Bewertungsdurchschnitts denkbar.

Auf Basis eines konserviv angesetzten KGV von 25 und einem erwarteten Gewinn je Aktie von 3,49 US-Dollar für 2026 ergäbe sich ein theoretischer fairer Wert von rund 87,25 US-Dollar. Von den aktuellen 63,71 US-Dollar aus entspricht das einem Aufwärtspotenzial von etwa 40 %. Investmentbanken wie die Citigroup und RBC Capital Markets verweisen in ihren Einschätzungen regelmäßig auf die zentrale Bedeutung der GLP‑1-Pipeline und der neuen oralen Darreichungsformen für die mittelfristige Gewinnentwicklung des Konzerns.

Für Anleger bleibt entscheidend, ob Novo Nordisk die hohe Anfangsdynamik bei Verschreibungen der Novo Nordisk Wegovy-Pille halten und gleichzeitig die Lieferketten stabil managen kann. Zudem muss das Unternehmen dem intensiver werdenden Wettbewerb durch Eli Lilly und Anbieter generischer Telemedizin-Konzepte standhalten.

Wie riskant ist die US-Sammelklage zu Victoza?

Während der Markt beim Thema Adipositas auf weiteres Wachstum setzt, sorgt eine US-Sammelklage rund um das Diabetesmedikament Victoza für Unruhe. In New York hat der Arzneimittelgroßhändler Smith Drug aus South Carolina Klage gegen Novo Nordisk eingereicht. Der Vorwurf: Der Konzern soll Patente missbraucht und ein sogenanntes Pay‑for‑Delay-Modell genutzt haben, um kostengünstige Generika vom Markt fernzuhalten.

Konkret steht ein Vergleich mit Teva Pharmaceutical aus dem Jahr 2019 im Mittelpunkt, mit dem ein damals laufender Patentstreit beigelegt wurde. Nach Darstellung der Kläger habe Novo Nordisk dafür gezahlt, dass der Generikakonkurrent den Markteintritt einer Victoza-Kopie verzögert. Ohne diese Vereinbarung hätte ein günstigeres Produkt bereits 2023 auf den US-Markt kommen können; tatsächlich brachte Teva sein Victoza-Generikum erst 2024. Teva selbst ist in dem Verfahren nicht beklagt.

Victoza war lange Zeit ein Milliardenbringer: In den USA lag der Umsatz 2018 bei über 5 Milliarden US-Dollar, bevor er durch den Aufstieg des Nachfolgeprodukts Ozempic zurückging. Smith Drug fordert nun Schadenersatz in nicht genannter Höhe für eine ganze Gruppe von Käufern, darunter Großhändler und Apotheken. Das zuständige Gericht muss klären, ob die Patentstrategie von Novo Nordisk gegen Wettbewerbsrecht verstoßen hat und ob Abnehmer überhöhte Preise zahlen mussten.

Auf die ersten Meldungen reagierte der Markt zunächst zurückhaltend, die Aktie gab zwischenzeitlich um gut 1 % nach. Weder Novo Nordisk noch Smith Drug oder Teva wollten sich bislang öffentlich zu den Vorwürfen äußern. Für Investoren bleibt damit unklar, ob am Ende nur ein überschaubarer Vergleich oder doch ein potenziell spürbarer finanzieller Schaden droht.

Fazit

Die Novo Nordisk Wegovy-Pille eröffnet dem Konzern im boomenden Markt für Adipositastherapien erhebliches zusätzliches Wachstumspotenzial und stützt die jüngste Kurserholung. Gleichzeitig erhöht die US-Sammelklage zu Victoza den regulatorischen und finanziellen Risikoaufschlag, den Anleger einkalkulieren müssen. Wer auf die langfristige GLP‑1-Story und den Erfolg der neuen oralen Produkte setzt, sollte die weitere Entwicklung des Verfahrens genau verfolgen und bei Rücksetzern selektiv Chancen prüfen.