Die Aktie von NVIDIA (NVDA) rutscht nach einer langen Rally deutlich ab. Gleichzeitig sorgt ein geplanter 20-Milliarden-Dollar-Deal mit OpenAI sowie die US-Exportprüfung für China für neue Schlagzeilen. Wie passt die aktuelle Kurskorrektur zu den langfristigen KI-Perspektiven – und was bedeutet das für Anleger?

NVIDIA OpenAI: Was steckt hinter den 20 Milliarden?
NVIDIA Corporation steht im Zentrum der globalen KI-Infrastruktur und dominiert den Markt für Hochleistungs-GPUs, die das Training von Frontier-Modellen wie GPT-5 ermöglichen. Vor diesem Hintergrund plant NVIDIA eine Investition von rund 20 Milliarden Dollar in OpenAI und bestätigt, dass man sich an der nächsten Finanzierungsrunde beteiligen will. Intern war zuvor von einer noch größeren Verpflichtung von bis zu 100 Milliarden Dollar die Rede, die nun offenbar auf ein tragfähigeres Volumen eingedampft wurde.
Die geplante Beteiligung soll die ohnehin enge technische Verzahnung zwischen NVIDIA und OpenAI strategisch zementieren. Beide Seiten diversifizieren zwar ihre Optionen – OpenAI versucht, die GPU-Lieferkette breiter aufzustellen, während NVIDIA parallel andere KI-Player wie ElevenLabs und diverse Start-ups unterstützt –, doch die Achse NVIDIA OpenAI bleibt einer der wichtigsten Pfeiler der weltweiten KI-Fabriken. Für Anleger ist der Deal ein Signal: NVIDIA will nicht nur Ausrüster, sondern auch Kapitalgeber im Herzen des KI-Ökosystems sein.
NVIDIA und die China-Exportprüfung: Wie groß ist das Risiko?
Parallel zum OpenAI-Deal gerät NVIDIA Corporation geopolitisch unter Druck. Der Verkauf der H200-Beschleuniger nach China steht auf der Kippe, weil die US-Regierung eine nationale Sicherheitsprüfung durchführt. Meldungen zufolge können chinesische Kunden derzeit keine H200-Chips bestellen, während die Genehmigung aus Washington weiter aussteht. Das verstärkt die Unsicherheit, ob NVIDIA einen Teil seines künftigen Wachstumsmarktes vorerst abschreiben muss.
Dennoch sehen viele Marktbeobachter darin eher eine Verschiebung als eine Zerstörung von Nachfrage: Rechenzentren in den USA, Europa und dem Mittleren Osten investieren weiter aggressiv in KI-Infrastruktur, wie jüngste Großaufträge und Prognosen zu AI-Data-Center-Ausbau zeigen. Proaktive Analysen heben hervor, dass ein positiver Entscheid der Behörden kurzfristig Kursfantasie freisetzen könnte, während eine Ablehnung den Fokus noch stärker auf westliche Hyperscaler lenken würde. Für Anleger bleibt die China-Frage ein taktischer, aber kein struktureller Bremsklotz.
NVIDIA: Bewertung, Wachstum und Analystensicht
An der Börse zahlt NVIDIA (NVDA) heute den Preis für die enorme Rally der letzten Jahre. Nach Gewinnen von 171 % im Jahr 2024 und weiteren rund 39 % in 2025 ist die Aktie trotz der aktuellen Korrektur hoch bewertet. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 4,4 bis 4,6 Billionen Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bewegt sich im Bereich um 45, also klar über dem Markt, aber unter den Höchstständen vergangener Quartale. Gleichzeitig bleiben die Fundamentaldaten beeindruckend: Bruttomargen nahe 70 %, Nettomargen über 50 % und ein dominanter Datenzentren-Umsatz, der sich in den letzten Jahren vervielfacht hat.
Analystenhäuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup zählen NVIDIA Corporation weiterhin zu ihren bevorzugten KI-Blue-Chips. Konsensschätzungen sehen durchschnittliche 12-Monats-Kursziele deutlich über dem aktuellen Niveau und bewerten die Aktie überwiegend mit “Buy” oder “Strong Buy”. Zacks Investment Research verweist auf die starke Suche nach dem Titel und die Rolle als Kernposition in vielen ETFs. Gleichzeitig mahnen skeptischere Stimmen wie einige Strategen bei RBC Capital Markets zur Vorsicht: Halbleiter seien zyklisch, Teile der Bewertung setzten eine nahezu perfekte Ausführung bis 2030 voraus, und starke Insiderverkäufe der vergangenen Jahre würden zeigen, dass das Management die hohe Bewertung taktisch nutzt.
NVIDIA und der Wettbewerb im KI-Zeitalter
Operativ baut NVIDIA Corporation ihren Vorsprung weiter aus. Mit Plattformen wie Blackwell und dem kommenden Rubin-System liefert das Unternehmen nicht mehr nur Einzelchips, sondern komplette KI-Fabriken – inklusive GPUs, CPUs (Vera), DPUs (BlueField) und Netzwerktechnik. Studien gehen davon aus, dass das globale AI-Infrastruktur-Volumen bis 2030 auf 3 bis 4 Billionen Dollar steigen könnte, wobei NVIDIA dank seiner Software-Stacks wie CUDA, CUDA-Q und enger Partnernetzwerke einen großen Teil der Wertschöpfung beanspruchen will.
Der Wettbewerb verschärft sich jedoch. AMD holt technologisch auf, Intel kündigt an, GPUs wieder im großen Stil zu produzieren und so verlorenen Boden im KI-Zeitalter gutzumachen. Start-ups wie Positron sammeln dreistellige Millionenbeträge ein, um spezialisierte AI-Chips zu entwickeln. Gleichzeitig zeigen vertikal integrierte Konzerne wie Google mit eigenen Beschleunigern, dass sich die Margen für reine Chiplieferanten langfristig normalisieren könnten. Vor diesem Hintergrund wird die Beteiligung an OpenAI und anderen Software-getriebenen KI-Plattformen zu einer strategischen Absicherung für NVIDIA OpenAI und das gesamte Ökosystem.
Software ist ein Werkzeug. Die Vorstellung, dass KI Software als Werkzeug ersetzt, ist das Unlogischste der Welt.— Jensen Huang, CEO von NVIDIA
Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Kurzfristig belasten Gewinnmitnahmen, China-Sorgen und harsche Bewertungen den Kurs, mittel- bis langfristig bleibt die Story um NVIDIA OpenAI, den Ausbau globaler KI-Fabriken und Projekte wie Earth-2 jedoch intakt. Wer bereits stark über Indexfonds und Tech-ETFs in NVIDIA engagiert ist, sollte Positionsgrößen im Blick behalten, während Neueinsteiger auf Rücksetzer achten können, um den strukturellen KI-Trend mit einem der zentralen Profiteure zu spielen.