Wie stark war das jüngste Visa Inc. Quartal wirklich – und warum bleibt die Aktie trotz zweistelliger Zuwächse so verhalten? Im Fokus stehen nicht nur Umsatz und Gewinn, sondern auch Trumps Zinsdeckel-Pläne und die Zukunft von Dividende und Buybacks.

Wie stark war das Visa Quartal wirklich?
Visa Inc. meldete für das zum 31. Dezember 2025 abgeschlossene erste Geschäftsquartal 2026 ein kräftiges Wachstum. Der Nettoumsatz kletterte um 15 Prozent auf 10,9 Mrd. US‑Dollar und lag damit über den Konsensschätzungen von rund 10,39 Mrd. Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 15 Prozent auf 3,17 Dollar, während Analysten im Schnitt mit 3,14 Dollar gerechnet hatten. Unterm Strich erhöhte sich der Überschuss auf etwa 5,9 Mrd. Dollar.
Operativ profitierte das Visa Quartal von robusten Konsumausgaben und einem starken Weihnachtsgeschäft. Das Zahlungsvolumen legte um 8 Prozent auf rund vier Billionen Dollar zu, das grenzüberschreitende Volumen wuchs sogar um 12 Prozent. Die Zahl der verarbeiteten Transaktionen stieg um 9 Prozent auf 69 Milliarden. CEO Ryan McInerney betonte, Visa sei inzwischen ein „Hyperscaler“ im Zahlungsverkehr und profitiere von einer breiten Service‑Plattform mit Risiko‑, Sicherheits- und Beratungsleistungen, die inzwischen rund die Hälfte des Umsatzwachstums beisteuern.
Warum reagiert die Aktie von Visa Inc. so verhalten?
Trotz des soliden Visa Quartal geriet die Aktie nachbörslich zeitweise rund 1,5 bis 1,9 Prozent unter Druck, nachdem sie im regulären Handel zuvor zugelegt hatte. Auf Jahressicht liegt das Papier damit rund 5 Prozent im Minus, aktuell notiert Visa bei 331,80 Dollar und damit 1,47 Prozent über dem Vortagesschluss von 326,98 Dollar.
Ein Grund für die verhaltene Reaktion: Die Erwartungen waren nach sehr starken Zahlen des Konkurrenten Mastercard hoch, teilweise womöglich zu hoch. Während Visa beim Umsatz deutlich übertraf, werten einige Marktbeobachter das leichte EPS‑Delta gegenüber teils höheren Schätzungen als „Mixed Picture“. Hinzu kommt, dass Anleger zunehmend Konjunktursorgen und mögliche Belastungen für das Transaktionswachstum einpreisen. Kurzfristige Gewinnmitnahmen nach dem guten Lauf der vergangenen Jahre verstärken den Druck.
Dennoch bleiben viele Analysten grundsätzlich positiv. Häuser wie Zacks Investment Research verweisen auf das robuste zweistellige Wachstum bei Umsatz und Gewinn sowie auf die starke Margenstruktur. Das Management bekräftigte zudem den Ausblick: Für das zweite Quartal und das Gesamtjahr 2026 stellt Visa ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich sowie ein „robustes“ EPS‑Plus in Aussicht.

Welche Risiken bergen Trumps Zinsdeckel-Pläne für Visa?
Stärker als das Visa Quartal selbst belastet derzeit die politische Debatte um eine mögliche Deckelung der Kreditkarten-Zinsen die Stimmung in der Branche. US‑Präsident Donald Trump hat vorgeschlagen, für Kreditkarten einen Maximalzinssatz von 10 Prozent für zunächst ein Jahr einzuführen. Derzeit liegen die durchschnittlichen Kreditkartenzinsen in den USA laut Federal Reserve bei rund 21,5 Prozent. Banken und Branchenverbände warnen vor eingeschränkter Kreditvergabe, rückläufigen Margen und möglichen Nebenwirkungen für Verbraucher sowie kleine Unternehmen.
Für Visa Inc. verdient der Konzern den Großteil seines Geldes über Gebühren auf Transaktionen und weniger direkt an den Zinssätzen. Gleichwohl könnte ein harter regulatorischer Eingriff das Wachstumstempo im Kreditkartengeschäft dämpfen, die Attraktivität bestimmter Produkte für Banken verringern und Investitionen in neue Angebote bremsen. Investoren versuchen daher, abzuschätzen, ob es tatsächlich zu einer Umsetzung kommt und wie stark die Effekte auf Volumen, Gebührenstruktur und Profitabilität wären.
Wie attraktiv bleiben Dividende und Cashflow bei Visa?
Positiv für Langfrist-Anleger: Visa setzt seine großzügige Kapitalrückgabe fort. Das Unternehmen kündigte eine Quartalsdividende von 0,67 Dollar je Aktie an, zahlbar am 2. März an Aktionäre, die die Aktie am 10. Februar im Depot halten. Gegenüber den 0,59 Dollar im Vorjahr entspricht das einem Anstieg von rund 13,5 Prozent. Seit Einführung der Dividende 2008 wurden die Ausschüttungen insgesamt um mehr als 2.400 Prozent erhöht, während gleichzeitig umfangreiche Aktienrückkaufprogramme laufen.
Mit einem Ausschüttungsanteil von rund 23 Prozent am Gewinn und einem starken operativen Cashflow verfügt Visa über erheblichen Spielraum für weitere Dividendensteigerungen und Buybacks. Ein laufendes Rückkaufprogramm im Volumen von 30 Mrd. Dollar reduziert die Aktienzahl und stützt damit das Ergebnis je Aktie. Vor diesem Hintergrund bewerten zahlreiche Research‑Häuser das Wachstumspotenzial der Dividende trotz der aktuell niedrigen Rendite von unter 1 Prozent als attraktiv. Für die kommenden Berichte bleibt entscheidend, ob das nächste Visa Quartal den eingeschlagenen Wachstumskurs bestätigt und ob sich die politischen Risiken entschärfen.