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3 Fakten zur Volkswagen Restrukturierung als Wendepunkt

Wie radikal stellt Volkswagen AG sein Geschäftsmodell gerade um – und was bedeutet die neue Kreislaufstrategie in Zwickau für Rendite und Risiko bei VOW3? Der Konzern verbindet Milliarden-Sparprogramm und Circular Economy zu einem tiefgreifenden Umbau.

Volkswagen Werk Zwickau mit moderner Recycling- und Demontagelinie für Fahrzeuge
Erwähnte Aktien
VOW3 VOW3.DE
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Stand: 17:35 MEZ

Was umfasst die Volkswagen Restrukturierung?

Im Rahmen der laufenden Volkswagen Restrukturierung verknüpft der Konzern seine Effizienzoffensive mit einer strategischen Neuausrichtung hin zur Kreislaufwirtschaft. Am Standort Zwickau investiert Volkswagen AG bis zu 90 Millionen Euro, um ab 2030 jährlich rund 15.000 Fahrzeuge der Konzernmarken zu demontieren und zu recyceln. Bereits in diesem Jahr sollen erste 500 Fahrzeuge zerlegt werden, die Stückzahl wird bis 2027 schrittweise erhöht.

Gebrauchte Fahrzeuge – Verbrenner wie E-Autos – werden künftig von Kunden und Händlern zurück in die Fabrik geholt, technisch geprüft und je nach Zustand entweder wiederaufbereitet oder in ihre Komponenten zerlegt. Bauteile wie Türen, Scheinwerfer oder Motoren sollen in Gebrauchtwagen ein zweites Leben erhalten, wertvolle Rohstoffe, insbesondere aus Batterien, werden zurückgewonnen. Erfahrungen aus anderen Industrien zeigen, dass Recyclingquoten von über 80 Prozent, bei Batterien sogar über 90 Prozent möglich sind.

Laut dem Verantwortlichen für den Bereich Kreislaufwirtschaft, Andreas Walingen, stärkt der neue Ansatz die Unabhängigkeit vom globalen Rohstoffhandel, reduziert den CO2-Fußabdruck der Fahrzeuge und eröffnet neue Geschäftsmodelle. Der Freistaat Sachsen fördert das Projekt mit rund 10,8 Millionen Euro, etwa 1.000 Arbeitsplätze am Standort sollen gesichert werden.

Warum baut Volkswagen AG das Werk Zwickau um?

Volkswagen AG kämpft in Deutschland mit Überkapazitäten in der Fahrzeugproduktion. In Zwickau, das beim Umstieg auf Elektroautos als Pionierwerk galt, wird die Autoproduktion daher reduziert; mehrere Modelle wandern in den kommenden Jahren an andere Standorte. Im Gegenzug erhält das Werk die strategische Rolle als zentrales Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft im Konzern.

Dort sollen künftige Projekte der Circular Economy auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft, Standards definiert und Know-how für andere Werke weltweit aufbereitet werden. Zudem sollen Erkenntnisse aus der Demontage direkt in die Produktentwicklung neuer Fahrzeuggenerationen einfließen – etwa durch recyclingfreundliche Konstruktionen oder besser zugängliche Batteriemodule.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter sieht in der Neuaufstellung erst den Anfang und macht sich für einen vollständigen Konzernsitz für Circular Economy im Bundesland stark. Auch der Betriebsrat in Zwickau bewertet den Ausbau der Kreislaufwirtschaft als wichtigen Zukunftsschritt, fordert aber, dass parallel weiterhin Fahrzeuge am Standort produziert werden.

Volkswagen AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Januar 2026
Volkswagen AG (VOW3) – 252-Tage-Chart

Wie trifft die Volkswagen Restrukturierung Massenmarken?

Parallel zur Transformation in Zwickau treibt die Volkswagen Restrukturierung im Kerngeschäft der Massenmarken voran. In Wolfsburg wurde eine neue Governance-Struktur beschlossen, die bis 2030 allein im Produktionsbereich Einsparpotenziale von rund einer Milliarde Euro heben soll. Kern des Modells ist ein markenübergreifender Markengruppenvorstand, in dem die Zentralbereiche Produktion, Technische Entwicklung und Einkauf zusammengeführt werden.

Die Marken Skoda, Seat/Cupra und VW Nutzfahrzeuge werden künftig jeweils nur noch von vier regulären Vorständen geführt. Die Gesamtzahl der Vorstandsmitglieder in der Markengruppe sinkt damit um etwa ein Drittel, mittelfristig sollen die Managementstrukturen weiter verschlankt werden. Das neue Steuerungsmodell ist im Januar gestartet und soll bis zum Sommer vollständig umgesetzt sein.

VW-Pkw-Chef Thomas Schäfer, zugleich Leiter der Massenmarkengruppe, betont, der neue Markengruppenvorstand bringe mehr Geschwindigkeit und bessere Steuerung im Sinne eines markenübergreifenden Optimums. So sollen Kosten- und Strukturvorteile genutzt und gleichzeitig die Effizienz deutlich erhöht werden. Teil der Gesamtstrategie ist ein großes Sparprogramm bei der renditeschwachen Kernmarke VW, inklusive eines geplanten Stellenabbaus von 35.000 Jobs in Deutschland bis 2030.

Was bedeutet die Restrukturierung für VOW3 Anleger?

Die Kombination aus Kreislaufwirtschaft in Zwickau und striktem Kostenprogramm verstärkt die Volkswagen Restrukturierung zu einer Doppelstrategie: Operative Effizienz im Kerngeschäft einerseits, nachhaltige Geschäftsmodelle und Ressourcensicherheit andererseits. An der Börse wird der Umbau aktuell positiv aufgenommen; die Vorzugsaktie VOW3 handelt mit 98,86 Euro leicht unter dem jüngsten Xetra-Niveau von gut 99 Euro und liegt damit rund 20 Prozent über dem Jahrestief von 81,68 Euro.

Große Investmentbanken wie Goldman Sachs, Citigroup und RBC Capital Markets hatten Volkswagen in der Vergangenheit wiederholt als zyklischen Turnaround-Wert im europäischen Automobilsektor eingeordnet, wobei die Bewertung im Branchenvergleich moderat bleibt. Die aktuelle Umsetzungsphase der Programme wird nun entscheidend dafür sein, ob die anvisierten Einsparungen von einer Milliarde Euro bis 2030 realistisch sind und ob die Kreislaufwirtschaft in Zwickau tatsächlich zu einem skalierbaren Profitcenter ausgebaut werden kann.

Der neue Markengruppenvorstand bringt mehr Schnelligkeit und Steuerung im Sinne des markenübergreifenden Optimums.
— Thomas Schäfer, VW-Pkw-Chef
Fazit

Für Investoren steht damit weniger die kurzfristige Nachfrageentwicklung im Vordergrund, sondern vielmehr die Frage, ob Volkswagen AG mit der laufenden Volkswagen Restrukturierung dauerhaft höhere Margen und mehr Resilienz gegenüber Rohstoff- und Konjunkturschwankungen erreicht.