Die US-Inflation im Januar ist schwächer ausgefallen als von vielen Ökonomen erwartet. Das nährt die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed ihren Zinserhöhungszyklus bald beendet und den Weg für erste Zinssenkungen freimacht. Gleichzeitig zeigen die Detaildaten, dass der Preisauftrieb zwar nachlässt, aber noch nicht vollständig gebannt ist. Was bedeutet das für Fed, Märkte und Anleger?
Was sagt der neue US Verbraucherpreisindex?
Die jüngsten Daten zum US Verbraucherpreisindex zeigen, dass sich der Preisdruck zu Jahresbeginn spürbar abgeschwaecht hat. Im Monatsvergleich legten die Verbraucherpreise im Januar nur um 0,2 Prozent zu, während Oekonomen im Schnitt mit 0,3 Prozent gerechnet hatten. Auf Jahressicht sank die Teuerungsrate auf 2,4 Prozent und damit staerker als prognostiziert. Analysten hatten meist eine Rate von 2,5 Prozent erwartet.
Die Kerninflation – also ohne die schwankungsanfaelligen Preise für Energie und Lebensmittel – stieg zum Vormonat wie erwartet um 0,3 Prozent. Im Jahresvergleich fiel die Kernrate von 2,6 auf 2,5 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit frueh 2021. Damit liegt sie zwar weiterhin knapp über dem Inflationsziel der Fed von rund zwei Prozent, doch die Richtung stimmt. Die US-Inflation Januar sendet damit ein klares Signal, dass der Preisdruck breiter nachlaesst.
Besonders deutlich wurde der Rueckgang bei den Energiepreisen: Der Energieindex fiel im Monatsvergleich um 1,5 Prozent, vor allem wegen guenstigerem Motorenbenzin. Gleichzeitig legten die Nahrungsmittelpreise nur moderat um 0,2 Prozent zu; im Jahresvergleich betraegt das Plus 2,9 Prozent. Entlastung kommt ausserdem vom Automarkt: Gebrauchtwagen verbilligten sich um 1,8 Prozent, während neue Fahrzeuge praktisch stagnierten.
US-Inflation Januar: Bremst das die Fed-Zinswende wirklich?
Die Maerkte hatten dem heutigen CPI-Report von US_CPI im Vorfeld grosse Bedeutung beigemessen, weil er als Wegweiser für den weiteren Zinspfad der Fed gilt. Vor der Veröffentlichung rechnete ein Teil der Strategen sogar mit einem überraschend starken Kernwert, der die Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen hätte daempfen können. Stattdessen bestaetigt die US-Inflation Januar das Bild eines allmaehlich nachlassenden Preisdrucks bei gleichzeitig robuster Konjunktur.
Ein entscheidender Treiber der juengsten Entwicklung sind die Mieten: Die Komponente “Shelter”, die mehr als ein Drittel des Index ausmacht, stieg im Monatsvergleich nur um 0,2 Prozent; auf Jahressicht liegt sie noch bei 3,0 Prozent. Das ist deutlich niedriger als in den Inflationsspitzen der vergangenen Jahre und nimmt der Fed einen Teil der Sorge, dass vor allem dienstleistungsgetriebene Teuerung zu hartnaeckig bleibt.
Zugleich zeigen Detaildaten, dass die Entlastung für Verbraucher nicht gleichmaessig verteilt ist. während Benzin, ein Teil der Lebensmittel und Gebrauchtwagen klar billiger werden, bleiben Elektrizitaet, Hausrat und persoenliche Dienstleistungen mit Zuwachsraten teils deutlich über drei Prozent belastend. für Haushalte bedeuten die Zahlen daher eher ein Abbremsen des Preisanstiegs als eine echte Trendwende bei den Lebenshaltungskosten.
Wie reagieren Maerkte und Analysten auf US_CPI?
An den Aktienmaerkten sorgte die schwächer als erwartete US-Inflation Januar zunächst für Erleichterung: Index-Futures drehten nach den Daten ins Plus, nachdem Investoren zuvor aus Angst vor einem überraschend hohen Kernwert eher defensiv positioniert waren. Der Optionsmarkt hatte für den Tag eine Schwankung von rund 1,1 Prozent im S&P 500 eingepreist – ein Zeichen, dass Marktakteure mit spuerbaren Ausschlaegen rechneten.
Am Zinsmarkt stiegen die Erwartungen an baldige Lockerungen. Laut Terminmarktdaten kletterte die implizite Wahrscheinlichkeit für eine erste Fed-Zinssenkung im Juni auf deutlich über 80 Prozent. Die Renditen laenger laufender US-Staatsanleihen gaben im Gegenzug nach, während zinssensitive Sektoren wie Technologie und Immobilien von der Aussicht auf guenstigere Finanzierungskosten profitierten.
Für die Fed bleibt die Ausgangslage dennoch komplex. Die Inflation naehert sich zwar dem Ziel, liegt aber mit 2,4 Prozent beim Gesamtindex und 2,5 Prozent bei der Kernrate weiterhin knapp darüber. Gleichzeitig praesentierte sich der US-Arbeitsmarkt zuletzt robust: Die Wirtschaft schuf deutlich mehr neue Stellen als erwartet, die Arbeitslosenquote fiel auf 4,3 Prozent. Diese Kombination aus nachlassender Teuerung und solider Beschaeftigung naehert sich einem “Goldilocks”-Szenario – nicht zu heiss, nicht zu kalt –, birgt aber das Risiko, dass die Fed bei zu fruehen Zinssenkungen eine zweite Inflationswelle riskiert.
Was bedeutet das für Anleger jetzt?
Für Anleger ist die US-Inflation Januar vor allem deshalb wichtig, weil sie die Debatte um den Startpunkt des naechsten Zinssenkungszyklus neu justiert. Solange die Datenreihe in den kommenden Monaten ein aehnlich moderates Bild zeichnet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ab Mitte des Jahres schrittweise lockert. Davon wuerden vor allem Wachstums- und Qualitätsaktien profitieren, während der Aufwertungsdruck auf den US-Dollar nachlassen koennte.
Im Gegenzug duerfte die Luft für klassische Inflationsgewinner wie Energie- und Rohstoffwerte duenn werden, sofern keine neuen Preisschocks auftreten. Auch Edelmetalle wie Gold bleiben sensibel: Einerseits stützen sinkende Realzinsen, andererseits nimmt mit jeder weiteren Abkuehlung der Inflationsdaten der akute Absicherungsdruck ab.
Inflation fiel auf den niedrigsten Stand seit Mai und wichtige Posten wie Lebensmittel, Benzin und Mieten kuehlen sich spuerbar ab.
— Heather Long, Chefökonomin Navy Federal Credit Union
Fazit
Die US-Inflation Januar bringt die Fed ein gutes Stueck naeher an ihr Ziel und bestaetigt den Trend sinkender Preissteigerungen, ohne ein restriktives Umfeld für immer vom Tisch zu nehmen. Anleger können das als Einladung verstehen, Zinsfantasie in ihre Strategien einzupreisen und selektiv in zinssensitive Sektoren umzuschichten. Die naechsten CPI-Daten werden entscheiden, ob aus der heutigen Erleichterungsrally ein nachhaltiger Trend wird.
Weiterführende Quellen
- US CPI Report January 2026 (Bureau of Labor Statistics)
- FedWatch Tool zu Zinserwartungen (CME Group)
- Marktreaction auf US-Inflationsdaten (Bloomberg)
- US Verbraucherpreisindex bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)