Kann das immense Potenzial von E20-Biokraftstoff die Verbio SE nachhaltig beflügeln – oder sind die Erwartungen zu hoch gesteckt?
Wie könnte E20 die Nachfrage verändern?
Deutschland und Frankreich erwägen höhere Biokraftstoffanteile. E20-Benzin könnte bis zu 20 Prozent Ethanol enthalten, gegenüber bis zu 10 Prozent bei E10. Ein formeller Vorschlag und ein Zeitplan liegen bislang nicht vor; ein erster Start könnte nach Einschätzung von NuWays ab 2027 möglich sein.
Die Größenordnung des möglichen Marktes ist erheblich: Die EU verbrauchte 2025 rund 5,0 Millionen Tonnen Kraftstoffethanol und erzeugte etwa 4,5 Millionen Tonnen. Ein vollständiger Wechsel von einer 10- auf eine 20-prozentige Beimischung würde laut dem von NuWays dargestellten Szenario zusätzlich rund 5,0 Millionen Tonnen Ethanol pro Jahr erfordern. Das ist eine illustrative Rechnung; tatsächliche Mengen hängen unter anderem von den ersetzten Mischungen, der Fahrzeugkompatibilität und der Verbreitung ab.
NuWays sieht Hebel bei den Margen
NuWays-Analyst Jorge Gonzalez erwartet, dass der Konzern von höheren europäischen Ethanolmargen oder zusätzlichem Handel profitieren könnte. Die europäische Produktionskapazität laufe bereits mit hoher Auslastung. Bei einer Erhöhung der Marge um 100 Euro je Tonne könnte das nach Berechnung des Analysehauses das jährliche EBITDA um rund 33 Millionen Euro steigern. NuWays betont, dass dies eine Sensitivitätsrechnung und keine Prognose für die konkrete Wirkung von E20 ist.
Die Volatilität der Spreads bleibt dabei wichtig: Für Q1 des Geschäftsjahres 2026/27 erwartet NuWays rund 230 Euro je Tonne, nach etwa 380 Euro je Tonne im Q4 2025/26. Das Analysehaus hält seine Schätzungen und das Kursziel von 41 Euro unverändert. Die deutsche Treibhausgas-Minderungsverpflichtung soll laut der Analyse von 12 Prozent 2026 auf 17,5 Prozent 2027 steigen; höhere Beimischungen könnten zwar zusätzliche anrechenbare Einsparungen liefern, zugleich wächst aber auch der Erfüllungsbedarf.
Quartalszahlen stehen am 12. November an
Der nächste konkrete Termin sind die Q1-Zahlen für 2026/27 am 12. November. NuWays prognostiziert ein EBITDA von 61,5 Millionen Euro und damit eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Als mögliche Stützen nennt das Haus bessere Biodiesel- und Ethanolspreads in Europa, eine höhere Auslastung beim Hochlauf in Nevada sowie deutlich höhere deutsche Treibhausgasquotenpreise.
NuWays bestätigt für Verbio die Kaufempfehlung und das Kursziel von 41 Euro, während E20 als möglicher Nachfrageimpuls und höhere Margen als Chancen gelten. Für Anleger sind die starken, aber schwankenden Ethanolspreads sowie die Annahmen hinter den EBITDA-Erwartungen entscheidend. Die Q1-Zahlen am 12. November werden zeigen, ob sich der von NuWays erwartete starke Jahresauftakt bestätigt und die positiven Perspektiven weiter tragen.



