Kann das starke Vossloh Quartal mit Rekord-Auftragsbestand den schwachen Gewinn und die höhere Verschuldung ausgleichen?
Was zeigt das Vossloh Quartal?
Im aktuellen Vossloh Quartal stieg der Auftragseingang auf 420,2 Millionen Euro nach 339,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag damit bei starken 1,34. Besonders wichtig für Investoren: Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März mit 1.137,1 Millionen Euro ein neues Allzeithoch. Nach Unternehmensangaben wäre dieser Rekord sogar auch ohne die Einbeziehung von Sateba erreicht worden. Der Umsatz legte im ersten Quartal um 25,3 Prozent auf 314,6 Millionen Euro zu und markierte damit einen Bestwert für ein Auftaktquartal. An der Börse reagierte die Aktie freundlich: Vossloh notiert am Donnerstagmorgen bei 76,15 Euro nach 75,35 Euro am Vortag, ein Plus von 0,86 Prozent.
Wie entwickelt sich Vossloh operativ?
Beim operativen Ergebnis zeigt das Vossloh Quartal ein gemischtes Bild. Das EBITDA verbesserte sich von 21,7 auf 24,3 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge sank jedoch von 8,6 auf 7,7 Prozent. Deutlich schwächer fiel das EBIT aus: Es brach von 7,4 Millionen Euro auf 0,2 Millionen Euro ein. Hintergrund sind Belastungen aus der Kaufpreisallokation im Zusammenhang mit VTT Europa (Sateba). Unter dem Strich rutschte der Konzern auf einen Nettoverlust von 5,7 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch 6,9 Millionen Euro Gewinn erzielt worden waren. Das Ergebnis je Aktie lag bei -0,57 Euro nach 0,24 Euro. Zugleich erhöhte sich die Nettofinanzverschuldung im Jahresvergleich deutlich auf 531,3 Millionen Euro, vor allem wegen der Akquisition. Gegenüber Ende 2025 ging sie aber um 21,2 Millionen Euro zurück. Die Eigenkapitalquote blieb mit 39,7 Prozent solide, der Free Cashflow war saisonal bedingt mit -63,1 Millionen Euro negativ.
Welche Bereiche treiben Vossloh an?
Innerhalb des Konzerns war Core Components der wichtigste Wachstumstreiber. Der Bereich profitierte besonders stark von Sateba. Der Auftragseingang stieg auf 182,6 Millionen Euro, der Auftragsbestand auf 514,0 Millionen Euro und der Umsatz auf 161,7 Millionen Euro. Das EBITDA sprang auf 21,2 Millionen Euro, das EBIT legte trotz PPA-Belastungen auf 8,0 Millionen Euro zu. Customized Modules meldete ebenfalls starke Nachfrage, vor allem aus Tansania, Polen und Italien. Dort kletterte der Auftragseingang auf 174,3 Millionen Euro, der Auftragsbestand auf 556,7 Millionen Euro. Umsatzseitig ging es auf 120,7 Millionen Euro nach oben, doch Ergebnis und Marge litten unter einem veränderten Projektmix, höheren Logistikkosten und zusätzlichen Risikovorsorgen. Auch Lifecycle Solutions verzeichnete ein Plus beim Auftragseingang auf 69,4 Millionen Euro. Das Geschäft blieb jedoch wetterbedingt schwächer, insbesondere im margenstarken Hochgeschwindigkeitsschleifen. Seit März hat sich der Trend in diesem Segment nach Unternehmensangaben aber klar verbessert. Mit der Sateba-Integration wächst Vossloh zudem personell deutlich: Die Mitarbeiterzahl stieg binnen Jahresfrist von 4.383 auf 5.514.
Bleibt Vossloh 2026 auf Wachstumskurs?
Für das Gesamtjahr bleibt der Vorstand zuversichtlich. Oliver Schuster, Vorstandsvorsitzender von Vossloh AG, erwartet trotz geopolitischer Unsicherheiten weiteres deutliches Wachstum bei Umsatz und operativem Ergebnis. Für 2026 peilt der Konzern einen Umsatz von 1,56 bis 1,66 Milliarden Euro an, nach 1,34 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA soll auf 215 bis 230 Millionen Euro steigen, die EBITDA-Marge auf 13,5 bis 14,5 Prozent. Beim EBIT stellt Vossloh trotz erheblicher PPA-Belastungen 118,5 bis 131,0 Millionen Euro in Aussicht. Analysten-Ratings von Häusern wie Citigroup, RBC Capital Markets oder Goldman Sachs wurden in der aktuellen Mitteilung nicht genannt. Strategisch bleibt das Umfeld intakt: Der globale Markt für Bahninfrastruktur zeigt weiter hohe Nachfrage, wovon auch Wettbewerber und Partner aus dem Industriesektor profitieren könnten. In diesem Zusammenhang lohnt für Anleger der Blick auf Siemens, Alstom und Deutsche Bahn als wichtige Namen im europäischen Bahnökosystem.
Wir sind angesichts der Witterungsverhältnisse in weiten Teilen Europas solide in das Geschäftsjahr 2026 gestartet.— Oliver Schuster
Das Vossloh Quartal liefert vor allem bei Aufträgen und Umsatz starke Signale und unterstreicht die robuste Nachfrage im Bahninfrastrukturmarkt. Für Anleger ist entscheidend, dass die Integration von Sateba kurzfristig zwar das EBIT belastet, zugleich aber die Wachstumsbasis verbreitert. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Vossloh die hohe Auftragsdynamik in steigende Margen übersetzen kann.
