Reicht ein starkes ServiceNow Quartal mit KI-Schub aus, um den jüngsten Kursrückgang in eine neue Chance zu verwandeln?
Wie stark fiel das ServiceNow Quartal aus?
Das ServiceNow Quartal fiel operativ deutlich besser aus, als es der zuletzt schwache Kursverlauf vermuten lässt. Der Konzern steigerte den Subskriptionsumsatz im ersten Quartal 2026 auf 3,671 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 22% gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz erreichte 3,770 Milliarden US-Dollar und wuchs damit ebenfalls um 22%. Beim bereinigten Gewinn je Aktie meldete das Unternehmen 0,97 US-Dollar. Belastet wurde das Quartal durch verzögerte Abschlüsse größerer Deals im Nahen Osten, die das Wachstum im Abo-Geschäft laut Unternehmen um 75 Basispunkte drückten.
Auch die Nachfragekennzahlen blieben stark. Die Current Remaining Performance Obligations stiegen um 22,5% auf 12,64 Milliarden US-Dollar. Die gesamten verbleibenden Leistungsverpflichtungen kletterten um 25% auf 27,7 Milliarden US-Dollar. Besonders aufmerksam verfolgen Anleger das KI-Geschäft: Die Zahl der Now-Assist-Kunden mit einem jährlichen Vertragswert von mehr als 1 Million US-Dollar legte um mehr als 130% im Jahresvergleich zu. Das unterstreicht, dass generative KI für ServiceNow eher Wachstumstreiber als Risiko ist.
Warum hebt ServiceNow den Ausblick an?
Der Konzern traut sich nach dem starken ServiceNow Quartal nun mehr zu. Für das zweite Quartal erwartet ServiceNow, Inc. Subskriptionsumsätze von 3,815 bis 3,820 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig stellt das Management eine operative Marge von 26,5% in Aussicht. Für das Gesamtjahr hob das Unternehmen den Umsatzausblick auf 15,735 bis 15,775 Milliarden US-Dollar an. Die operative Marge soll bei 31,5% liegen, die Free-Cashflow-Marge bei 35%.
Barclays-Analyst Raimo Lenschow nahm die Beobachtung für ServiceNow am 23. April wieder mit einem Overweight-Rating auf und setzte das Kursziel auf 132 US-Dollar. Sein Fazit: Das makroökonomische Umfeld habe Spuren hinterlassen, ändere aber nichts an der fundamentalen Investmentstory. Lenschow sieht ServiceNow weiterhin als eines der am besten positionierten Softwareunternehmen, weil die Plattform tief in die IT-Umgebungen der Kunden integriert ist. Genau das könnte dem Konzern eine Schlüsselrolle bei der Einführung von Unternehmens-KI sichern.
Wie bewerten Investoren ServiceNow?
Nicht nur Analysten, auch institutionelle Investoren sehen nach dem Kursrückgang Chancen. Polen Capital bezeichnete Bill McDermott als einen der besten CEOs der Branche und sieht ServiceNow trotz hoher Short-Aktivität als potenziellen Gewinner. Der Vermögensverwalter hat die Position im ersten Quartal sogar aufgestockt. In der Begründung wird betont, dass Unternehmen wie ServiceNow tief in die Arbeitsabläufe ihrer Kunden eingebunden sind, wichtige Daten verwalten und mit eigenen KI-Lösungen einen zusätzlichen Burggraben aufbauen.
In diesem Zusammenhang fällt ServiceNow in eine Gruppe etablierter Software- und KI-Profiteure, zu der auch Microsoft, Oracle und Shopify gezählt werden. Anders als bei vielen spekulativen KI-Titeln basiert die Story hier auf wiederkehrenden Erlösen, hoher Kundenbindung und einer klaren Monetarisierung über bestehende Plattformen. Dass einige Investoren den Sektor zuletzt wegen Disruptionsängsten mieden, könnte sich für langfristig orientierte Anleger im Rückblick als Kaufchance erweisen.
Was bedeutet das für die Aktie von ServiceNow?
Die Aktie bleibt trotz des starken Zahlenwerks unter Druck und notiert deutlich unter den Niveaus des Vorjahres. Gerade deshalb dürfte das ServiceNow Quartal für den Markt ein wichtiger Stimmungsindikator sein. Positiv sind das zweistellige Umsatzwachstum, die hohe Visibilität über die Auftragsbestände und die beschleunigte Nachfrage nach KI-Funktionen. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Kurs von 88,79 US-Dollar, dass Investoren noch Überzeugungsarbeit brauchen.
Wer die jüngste Entwicklung einordnen will, findet in unserer Analyse zu ServiceNow Quartal -12%: Ausblick-Schock trotz KI-Wachstum den direkten Vergleich zur Reaktion auf die vorherige Zahlenvorlage. Spannend bleibt auch der Blick auf andere KI-getriebene Plattformen: Der Beitrag zu Meta Quartalszahlen Rekord: KI-Boom, EU-Warnung und Margendruck zeigt, wie unterschiedlich der Markt starke Wachstumsstories derzeit bewertet.
As agents need access to a company’s mission critical software, the software companies may be able to monetize agentic users just as they do human ones.— Polen Capital
Das ServiceNow Quartal liefert damit ein klares Signal: Das operative Geschäft wächst robust, die KI-Nachfrage zieht spürbar an und das Management wird beim Ausblick selbstbewusster. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich diese Stärke in den kommenden Monaten wieder deutlicher im Kurs niederschlägt. Die nächsten Quartalszahlen dürften zeigen, ob ServiceNow den Vertrauensvorsprung im Unternehmens-KI-Markt weiter ausbauen kann.




