Ist das D-Wave Quantum Quartal mit Umsatz-Einbruch, Rekord-Bookings und Mega-Übernahme Risiko oder Chance für Anleger?
Wie lief das D-Wave Quantum Quartal?
D-Wave Quantum Inc. (QBTS) kam am Dienstag intraday deutlich unter Druck. Die Aktie notierte zuletzt bei 22,08 US-Dollar nach 24,65 US-Dollar am Vortag, ein Minus von 8,11 Prozent. Auslöser waren die Zahlen zum ersten Quartal: Der Umsatz brach um 81 Prozent auf 2,9 Millionen US-Dollar ein und blieb damit unter den Markterwartungen von rund 4,2 Millionen Dollar. Beim bereinigten Ergebnis fiel der Verlust mit 5 Cent je Aktie jedoch geringer aus als von Analysten erwartet. Im Vorjahresquartal hatte der bereinigte Verlust bei 2 Cent je Aktie gelegen.
Unter dem Strich weitete sich der Nettoverlust auf 18,4 Millionen US-Dollar aus, nach 5,4 Millionen Dollar im Vorjahr. Der schwache Umsatz ist vor allem auf einen schwierigen Vergleich mit einem großen Systemverkauf zu Beginn des Jahres 2025 zurückzuführen. Genau das macht das D-Wave Quantum Quartal für Investoren schwer lesbar: Die Erlöse sind im Quantencomputing weiter stark von einzelnen Großdeals abhängig und deshalb sehr ungleichmäßig.
Was treibt D-Wave Quantum trotz Umsatzschwäche?
Deutlich besser sah es bei den Buchungen aus. Die Quartals-Bookings schnellten auf 33,4 Millionen US-Dollar nach oben, nach nur 1,6 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Zuwachs von rund 2.000 Prozent. Besonders wichtig waren dabei zwei Großabschlüsse: die Vereinbarung mit der Florida Atlantic University über den Kauf eines Annealing-Quantencomputers im Wert von 20 Millionen US-Dollar sowie ein auf zwei Jahre angelegter Quantum-Computing-as-a-Service-Vertrag mit einem nicht genannten Fortune-100-Unternehmen über 10 Millionen US-Dollar.
Auch der Auftragsbestand legte kräftig zu. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen stiegen per 31. März auf 42,4 Millionen US-Dollar, nach 6,4 Millionen Dollar im Vorjahr. Rund 54 Prozent davon sollen innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz erfasst werden. Damit liefert das D-Wave Quantum Quartal ein deutlich besseres Bild für die absehbare Erlösentwicklung als die aktuelle Umsatzzeile. Im Quartal erzielte das Unternehmen zudem Umsätze mit mehr als 100 einzelnen Kunden, mehr als die Hälfte davon aus dem kommerziellen Bereich.
Wie wichtig ist Quantum Circuits für D-Wave Quantum?
Parallel zu den Zahlen schloss D-Wave die Übernahme von Quantum Circuits im Volumen von 550 Millionen US-Dollar ab. Mit dem Zukauf will das Unternehmen seine Position im Gate-Model-Computing ausbauen und den Weg zu fehlertoleranten Systemen beschleunigen. Die Roadmap sieht bis Ende 2028 ein System mit rund 175 physischen Qubits vor. Bis Ende 2030 peilt D-Wave dann 1.000 physische Qubits mit 10 logischen Qubits an.
Die Kehrseite: Die operativen Kosten stiegen im Quartal um 125 Prozent auf 56,5 Millionen US-Dollar. Darin enthalten waren 9,1 Millionen US-Dollar an einmaligen Kosten im Zusammenhang mit der Akquisition. Hinzu kamen höhere Ausgaben für Personal, Forschung und Entwicklung sowie Marketing. Für Anleger bedeutet das: D-Wave investiert aggressiv in Wachstum, erkauft sich diesen Kurs aber mit deutlich höherem Mittelabfluss. In der erweiterten Quantenlandschaft bleibt die Firma ein eigenständiger Spezialwert neben Tech-Schwergewichten wie NVIDIA, Alphabet und IBM, die ebenfalls stark in Quantenforschung investieren.
Was bedeutet das für Anleger bei D-Wave Quantum?
Die Kursreaktion zeigt, wie sensibel der Markt auf Umsatzenttäuschungen reagiert. Gleichzeitig unterstreichen die Rekord-Bookings, dass D-Wave im kommerziellen Markt für Quantenanwendungen Fortschritte macht. Das Unternehmen kündigte zudem seinen ersten Investor Day für den 1. Juni an der New Yorker Börse an. Analysten-Ratings von Häusern wie Citigroup oder RBC Capital Markets wurden im vorliegenden Zahlenupdate nicht genannt. Damit richtet sich der Blick der Börse vor allem auf die Frage, wie schnell die jüngsten Aufträge tatsächlich in Erlöse umgewandelt werden können.
Unser rekordsetzender Quantum-Computing-as-a-Service-Vertrag über 10 Millionen US-Dollar mit einem Fortune-100-Unternehmen hat die wachsende Nachfrage nach unseren Annealing-Systemen unterstrichen.— Alan Baratz
Unterm Strich zeigt das D-Wave Quantum Quartal zwei Seiten: kurzfristig schwache Erlöse und höhere Verluste, zugleich aber einen kräftigen Nachfrageschub und mehr Visibilität im Auftragsbestand. Für spekulativ orientierte Anleger bleibt die Aktie hochvolatil, doch die nächsten Quartale dürften zeigen, ob aus Rekord-Bookings auch nachhaltig wachsender Umsatz wird.



