Droht der Commerzbank ein erbitterter Machtkampf um die Führung, begleitet von einem massiven Stellenabbau und einem deutlichen Kursrutsch?
Führungswechsel und Stellenabbau stehen im Raum
Orcel strebt laut den im Handelsblatt genannten Plänen eine außerordentliche Hauptversammlung möglichst im Januar an. Zunächst soll die Kapitalseite des Aufsichtsrats um Jens Weidmann neu besetzt werden; danach könnte Orlopp betroffen sein. Die Financial Times berichtet ebenfalls von einem geplanten Austausch der Anteilseignervertreter. Neue Aufsichtsräte und Vorstände müssten allerdings aufsichtsrechtliche Eignungsverfahren durchlaufen; daran ist die BaFin beteiligt, die endgültige Entscheidung liegt bei der Europäischen Zentralbank.
Auch die möglichen operativen Folgen sind erheblich: Laut den vom Handelsblatt berichteten Plänen könnten in Deutschland 7.000 Vollzeitstellen wegfallen. UniCredit beziffert mögliche jährliche Einsparungen aus einer Fusion auf bis zu zwei Milliarden Euro; erste Kostensenkungen sollen sich auf 1,2 Milliarden Euro belaufen. Verdi kritisiert die Pläne und warnt vor Belastungen für Beschäftigte, Standorte und Kundenservice.
Welche Zusagen fordert die Bundesregierung?
Berlin pocht auf den Erhalt des Frankfurter Hauptsitzes, der Börsennotierung und der Rechte der Beschäftigten. Zudem will die Bundesregierung ihre Sitze im Aufsichtsrat nutzen, um Einfluss auf die Interessen des Bundes zu sichern. Die Regierung hält weiterhin eine Beteiligung an der Bank und verlangt konkrete Zusagen von Orcel. Die Commerzbank-Aktie gab am Mittwoch dennoch nach; die aktuelle Notierung von 40,30 Euro liegt unter dem Vortagesschluss von 41,99 Euro.
Deutsche Bank stuft die Aktie auf „Hold“ herab
Zusätzlichen Druck bringt die Neubewertung durch Deutsche Bank. Sie senkte ihre Empfehlung von „Buy“ auf „Hold“; das Kursziel bleibt bei 42 Euro. Benjamin Goy begründete den Schritt damit, dass wichtige Kurstreiber wie steigende Zinseinkünfte und hohe Ausschüttungen inzwischen eingepreist oder besser verstanden seien. Die erhöhte Unsicherheit über die künftige Strategie begrenze das weitere Aufwärtspotenzial. Mitte September hatte die Aktie mit 43,37 Euro den höchsten Stand seit 2010 erreicht.
Damit treffen ein möglicher Umbau der Führung, angekündigte Einsparungen und eine skeptischere Analysteneinschätzung aufeinander. Für die Belegschaft stehen Arbeitsplätze und Standorte im Fokus, während Aktionäre die politische Auseinandersetzung und die künftige Strategie der Bank abwägen müssen.
Der Machtkampf an der Spitze prägt den Übernahmekonflikt
Der bereits zuvor diskutierte Machtkampf an der Spitze und der Kursrutsch Mitte September bilden den Hintergrund für die aktuelle Eskalation zwischen Commerzbank und UniCredit.
Neue Phase, neues Rating— Benjamin Goy
Der Übernahmekonflikt verbindet einen möglichen Führungswechsel mit erheblichen Einsparungs- und Stellenabbauplänen, während die Aktie am Mittwoch deutlich nachgibt und die Deutsche Bank ihre Empfehlung senkt. Für Anleger stehen damit neben dem Angebotspotenzial vor allem die strategische Unsicherheit und die Folgen für Beschäftigte und Standorte im Blickpunkt. Die nächsten Schritte von UniCredit und die geforderten Zusagen an die Bundesregierung werden zeigen, wie sich der Umbau entwickelt – eine klare Grundlage für die weitere Bewertung.



