SUSS MicroTec senkt die Jahresziele und die Aktie reagiert mit einem deutlichen Kursrutsch – ist der Umbau des Unternehmens schuld am Rückgang?
Die Jahresziele sinken spürbar
Die Anpassung folgt auf eine Entscheidung zur Neuordnung der Produktion. SUSS will die Fertigung künftig auf Zhubei in Taiwan und Sternenfels in Deutschland konzentrieren. Am Standort Garching sollen keine Anlagen und Module mehr hergestellt werden. Die Maßnahme betrifft nach Unternehmensangaben etwa 70 Beschäftigte; die Umsetzung solle sozialverträglich und im Dialog mit der Arbeitnehmervertretung erfolgen.
Als Gründe für die neuen Ziele nennt das Unternehmen Einmalaufwendungen und zeitliche Verschiebungen bei der Umsatzrealisierung. Hinzu komme eine angespannte Versorgung mit einzelnen Komponenten, durch die Umsätze voraussichtlich ins Geschäftsjahr 2027 verschoben würden. Die Bruttomargenprognose bleibt mit 35 bis 37 Prozent unverändert.
Welche Kosten entstehen durch den Umbau?
SUSS rechnet insgesamt mit Einmalaufwendungen von rund 6,2 Mio. EUR. Davon sollen nach aktueller Planung etwa 4,5 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2026 anfallen. Das Unternehmen begründet die Verlagerung mit dem Ziel, Kapazitäten zu bündeln und die Produktion skalierbarer und effizienter aufzustellen. Die Fertigung der Mask Aligner soll schrittweise nach Zhubei wechseln, die Modulfertigung künftig in Sternenfels erfolgen.
In einer ergänzenden Unternehmensmeldung verweist SUSS auf einen anhaltend starken Auftragseingang im dritten Quartal und einen Auftragsbestand auf Rekordniveau. Das soll nach Darstellung des Unternehmens die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Die heutige Ad-hoc-Mitteilung stellt dagegen vor allem die gesenkten Ziele, die Kosten und die Lieferengpässe heraus.
Der Kurs gibt deutlich nach
Die Aktie notierte bei 49,37 Euro, nach 52,35 Euro am Vortag. Das entspricht einem Rückgang von 5,69 Prozent. Die Kursdaten zeigen damit eine klare negative Reaktion auf die Prognosesenkung; die gesenkten Umsatz- und Margenziele liefern den zentralen Nachrichtenhintergrund. Eine frühere dpa-AFX-Meldung ordnete den Rückgang als Tief seit März ein und verwies auf Verluste von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Rekordhoch von gut 118 Euro im Juni. Diese Angaben stehen neben dem aktuellen Kurs, beziehen sich aber auf andere Vergleichszeiträume.
Deutschland bleibt laut SUSS ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung sowie zentrale Produktions-, Applikations- und Technologiekompetenzen. Auch die Konzernzentrale bleibt hier. Das Unternehmen nennt zudem ein im Aufbau befindliches Entwicklungs- und Applikationszentrum in Karlsruhe. Ob die Bündelung die erhofften Effizienzgewinne bringt und sich die verschobenen Umsätze im kommenden Jahr realisieren lassen, wird für die weitere Entwicklung entscheidend sein.
Industrieumbau und neue Technologien prägen die Fertigung
Auch die Verbindung von Automatisierung und künstlicher Intelligenz verändert industrielle Produktionskonzepte. Der Beitrag zu Siemens, Nvidia und den Fabriken der Zukunft beleuchtet, wie diese Entwicklung die Industrie und die Arbeitswelt beeinflussen kann.
Mit dieser Neuaufstellung stärken wir die Skalierbarkeit unserer Produktionsprozesse, reduzieren interne Schnittstellen und rücken zentrale Fertigungskapazitäten näher an wichtige Kundenmärkte in Asien.— Dr. Thomas Rohe, COO der SUSS MicroTec SE
SUSS senkt die Umsatz- und Margenziele für 2026 und bündelt die Produktion in Taiwan und Sternenfels, während Lieferengpässe und Umbaukosten belasten. Für Anleger steht damit kurzfristig die Frage im Mittelpunkt, ob die niedrigeren Erwartungen bereits ausreichend berücksichtigt sind und die Neuordnung mittelfristig Effizienz bringt. Die nächsten Geschäftszahlen werden zeigen, ob sich Auftragsbestand und Nachfrage in Umsatz verwandeln und die Verlagerung planmäßig vorankommt.



