Kann BASF Zhanjiang den Konzern in China wirklich auf die nächste Stufe heben?
Was macht BASF Zhanjiang so strategisch?
BASF Zhanjiang ist mehr als ein neues Werk – es ist ein integrierter, digitaler und nachhaltiger Verbundstandort, der 19 Anlagen und 33 Produktionslinien umfasst. Der Standort in Guangdong, Chinas bevölkerungsreichster und wirtschaftsstärkster Provinz, bietet direkten Zugang zu einem Tiefwasserhafen und nutzt ausschließlich erneuerbare Energie – unter anderem über eine Joint Venture mit Mingyang für ein geplantes 500-MW-Offshore-Windprojekt. Der zentrale Baustein ist ein flexibler 1-Mio.-Tonnen-Ethylen-Cracker, der Naphtha und Butan verarbeiten kann. Damit sichert BASF Zhanjiang langfristig seine Rohstoffversorgung und stärkt ihre Unabhängigkeit von fossilen Lieferketten.
Wie profitiert BASF SE finanziell von BASF Zhanjiang?
Die BASF SE erwartet bis 2030 einen Umsatz von 4 bis 5 Milliarden Euro aus dem Standort – das entspricht rund 10 % des aktuellen Umsatzes in ihren Kerngeschäften. Der EBITDA soll bis 2030 auf 1 bis 1,2 Milliarden Euro steigen. Für 2026 bleibt der Beitrag jedoch negativ – ein erwarteter Effekt bei Neustarts: Infrastruktur- und Optimierungskosten führen zu einem „leicht negativen EBITDA“. Der entscheidende Wendepunkt kommt 2027: Dann soll die volle Kapazitätsauslastung erreicht sein, die Startup-Kosten enden und erste Synergien greifen. Ab 2027 rechnet BASF Zhanjiang mit positivem EBITDA-Beitrag. Die jährliche Abschreibung beläuft sich ab 2026 auf über 500 Millionen Euro.
Warum Guangdong – und warum jetzt?
Die Entscheidung für Guangdong ist kein Zufall: Mit fast 128 Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung vergleichbar mit Südkorea oder Spanien ist die Provinz der wachstumsstärkste Abschnitt Chinas – und zugleich ein Netto-Importeur chemischer Produkte. BASF SE operiert seit über 140 Jahren in China und erzielte 2025 mit Kunden in Großchina 8,2 Milliarden Euro Umsatz – ohne den Anteil am Joint Venture BASF-YPC in Nanjing. 80 % der dortigen Umsätze stammen aus lokaler Produktion, 90 % der Vorprodukte werden vor Ort bezogen. BASF Zhanjiang ist daher kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer tief verwurzelten, lokalen Wertschöpfungskette – mit 29 Produktionsstätten, 28 Tochtergesellschaften und 12 Joint Ventures in China.
Wie bewerten Analysten die BASF SE-Aktie nach BASF Zhanjiang?
Goldman Sachs senkte kürzlich das Kursziel für die BASF SE-Aktie von 65 auf 63 Euro, behält aber die Empfehlung „Buy“ bei. Die Bank sieht in BASF Zhanjiang eine langfristige Stärke, die jedoch kurzfristig durch Startup-Kosten und globale Margendruck belastet wird. Der aktuelle Kurs von 49,07 Euro liegt deutlich unter dem neuen Kursziel – ein Hinweis auf mögliche Aufholpotenziale, sobald die Zhanjiang-Erträge greifen. BASF SE bleibt damit ein zentraler Player im Chemie-Sektor, der sich mit strategischen Großprojekten wie BASF Zhanjiang neu positioniert – besonders vor dem Hintergrund, dass die globale chemische Produktion bis 2030 jährlich um 2,8 % wachsen soll – und Großchina dafür zu drei Vierteln verantwortlich zeichnet.
BASF Zhanjiang ist also kein isolierter Meilenstein – es ist der physische Ausdruck einer langfristigen Wachstumsstrategie, die auf Lokalisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit setzt. Für Anleger unterstreicht das Projekt die Fähigkeit der BASF SE, auch in komplexen geopolitischen Umfeldern strategisch zu investieren. Der Erfolg von BASF Zhanjiang wird die nächste Entwicklungsphase der BASF SE maßgeblich prägen – und entscheidet darüber, ob die Aktie langfristig wieder in die Spitzengruppe der europäischen Industriewerte zurückkehren kann.
Wie beeinflusst das die BASF SE-Aktie?
Zhanjiang ist BASF’s largest single investment globally and the largest investment by a German company in China.— Markus Kamieth, Chairman of the Board of Executive Directors, BASF SE
Die aktuelle Kursschwäche – der Kurs liegt bei 49,07 Euro, nachdem er am Vortag bei 51,08 Euro schloss – spiegelt möglicherweise die kurzfristige Belastung durch Startup-Kosten wider. Doch tiefer liegend zeigt der Start von BASF Zhanjiang, dass die BASF SE ihre Transformation konsequent vorantreibt – ein Aspekt, den der aktuelle Quartalsbericht im Januar bereits thematisierte: BASF Quartal: 5 Fakten zum kritischen Wendepunkt beleuchtet, wie Sparprogramm, Margendruck und Großprojekt gleichzeitig wirken. Auch wenn der Lufthansa Flugunfall in Frankfurt aktuell andere Branchen beschäftigt, zeigt er, wie wichtig stabile, langfristig geplante Infrastrukturprojekte wie BASF Zhanjiang für die industrielle Resilienz sind.



