Trotz jüngster Marktskepsis hält Broadcom-Chef Hock Tan an seiner optimistischen Prognose fest – kann die Broadcom KI-Nachfrage den Kurs stabilisieren?
Erholung nach dem Ausverkauf
Die Aktie von Broadcom Inc. (AVGO) legte am Donnerstag um 2,6 Prozent zu und folgte damit dem breiten Aufschwung der Halbleiterbranche. Auch NVIDIA, AMD und Intel zogen im Gleichschritt an, während Anleger die Ausverkaufswelle vom Wochenanfang offenbar als überzogene Reaktion auf zuletzt aufgekommene Sorgen um ein nachlassendes Tempo bei den KI-Investitionen einstuften. Der marktbreite Optimismus zeigte sich auch an den US-Leitindizes, die allesamt deutlich im Plus notierten.
Trotz des Sprungs bleibt die Erholung fragil: Mit 303,75 Euro liegt der Kurs weiterhin knapp acht Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 329,46 Euro und rund 29 Prozent unter dem Rekordhoch von 429,60 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,3 Prozent, über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 7,4 Prozent. Der RSI von 41,2 signalisiert, dass die Aktie technisch weiterhin eher überverkauft als überhitzt ist.
Hock Tan weist Zweifel zurück
Hintergrund der Marktnervosität war zuletzt ein Essay des Anthropic-Chefs, der eine mögliche Abkühlung bei den Investitionen in KI-Infrastruktur andeutete. Broadcom-Chef Hock Tan trat dem am vergangenen Montag in der CNBC-Sendung „Mad Money“ energisch entgegen. Auf die Frage, ob die Äußerungen ihn zu einer Neubewertung der Umsatzprognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 veranlasst hätten, antwortete Tan knapp: „No, not in the least.“ (Nein, nicht im Geringsten.) Die Nachfrage nach Recheninfrastruktur für KI-Entwicklung und Inferenz bleibe „sehr stark und, glaube ich, sehr nachhaltig“, so Tan.
Damit stemmt sich der Konzernchef gegen die wachsende Skepsis an den Märkten, die zuletzt auch andere KI-Schwergewichte wie NVIDIA unter Druck gebracht hatte. Die Broadcom KI-Nachfrage bleibt nach Einschätzung des Managements also intakt – ein Signal, das Anleger nach den jüngsten Kursverlusten aufhorchen ließ.
Kundenkonzentration verschiebt sich
Ein weiterer Baustein der Wachstumsstory betrifft die Kundenstruktur bei kundenspezifischen Chips. Anthropic soll bis 2027 zum größten Custom-Chip-Abnehmer bei Broadcom aufsteigen und diese Position bis 2028 halten. Gleichzeitig verteilt sich das Wachstum inzwischen breiter auf insgesamt sechs XPU-Kunden, was die Abhängigkeit von einzelnen Großabnehmern wie Google reduziert – ein Punkt, den auch Analysten in ihre jüngsten Einschätzungen einfließen ließen.
Macquarie rechnet damit, dass Anthropic im Geschäftsjahr 2028 Bestellungen im Volumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar bei Broadcom aufgeben wird. Truist Financial senkte am selben Tag sein Kursziel von 550 auf 520 US-Dollar, blieb damit aber deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Die Bewertungsspanne der Analysten bleibt somit trotz der jüngsten Kurskorrektur überwiegend optimistisch.
Neue Private-Cloud-Plattform vorgestellt
Parallel zur operativen Entwicklung treibt Broadcom sein Portfolio im Bereich Enterprise-KI voran: Ende August stellte das Unternehmen auf der VMware Explore 2026 in Las Vegas die „VMware Private AI Cloud“ vor, eine private Cloud-Plattform für KI-Inferenz und agentenbasierte Anwendungen auf Basis von VMware Cloud Foundation 9.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus robusten Geschäftszahlen, anhaltender regulatorischer Prüfung der VMware-Lizenzpraxis durch die EU und schwankender Stimmung rund um die KI-Investitionszyklen bestimmend für die kurzfristige Kursrichtung. Die Aktie notiert aktuell bei 348,09 US-Dollar und damit praktisch unverändert zum Vortag.
Was bedeutet das für Anleger?
Die jüngste Entwicklung zeigt, dass Broadcom weiterhin zu den zentralen Profiteuren des KI-Infrastrukturbooms zählt. Die breitere Kundenbasis und das wachsende Softwaregeschäft könnten die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden langfristig verringern. Kurzfristig bleibt die Aktie jedoch anfällig für Stimmungsschwankungen rund um den KI-Investitionszyklus.
Broadcom zwischen KI-Strategie und Marktskepsis
Die jüngsten Aussagen von CEO Hock Tan reihen sich ein in eine ganze Serie von Stellungnahmen, mit denen der Konzern die Zweifel am KI-Boom zerstreuen will. Bereits Mitte September hatte der Manager betont, an seinen ehrgeizigen Zielen festzuhalten – trotz der jüngsten Kursrückgänge und wachsender Markt-Skepsis. Während Broadcom also weiter um das Vertrauen der Investoren ringt, zeigt sich in anderen Branchen, wie sehr regulatorische Entscheidungen die Stimmung bewegen können: So sorgte zuletzt die EU-Empfehlung für das Hämophilie-Medikament FREHEMGO von Novo Nordisk für neue Fantasie bei den Aktionären des dänischen Pharmakonzerns.
No, not in the least.— Hock Tan, CEO Broadcom
Broadcom stemmt sich mit klaren Aussagen von CEO Hock Tan gegen die wachsende Skepsis am KI-Boom und konnte die Aktie zuletzt wieder Boden gutmachen. Für Anleger bleibt der Konzern damit ein zentrales Schwergewicht im Halbleitersektor, auch wenn die Bewertung kurzfristig schwankungsanfällig bleibt. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob die Nachfrage nach KI-Infrastruktur tatsächlich so nachhaltig bleibt, wie das Management beteuert.




