Kann Disneys ambitionierte „Super App“-Vision und die Neuausrichtung von ESPN den Aktienkurs nachhaltig beflügeln oder droht eine „Mittelmäßigkeit“?
Die „Super App“-Vision: Mehr als nur Streaming?
Josh D’Amaro plant, Disney+ zu einer zentralen Anlaufstelle für das gesamte Disney-Universum zu machen. Wie er in einem internen Memo nach den jüngsten Quartalszahlen mitteilte, soll die Plattform ab Frühjahr nächsten Jahres Spiele, Merchandise und personalisierte Inhalte anbieten. Das Ziel ist es, die Interaktion zu vertiefen und den Wert für Abonnenten zu erhöhen. Medienanalysten wie Alan Wolk von TVREV äußerten sich jedoch skeptisch und warnten vor einer möglichen „Mittelmäßigkeit“, sollte die Integration zu unübersichtlich werden. Hernan Lopez von Owl & Co. sieht hingegen Potenzial, insbesondere beim Upselling von Erlebnissen wie Parkbesuchen, die deutlich höhere Einnahmen generieren können als ein Jahresabonnement für Disney+. Allerdings dämpft John Conca von Third Bridge die Erwartungen und bezeichnet die Vorteile einer solchen „Super App“ als „inkrementell statt transformativ“.
ESPNs entscheidende Rolle in der Disney Strategie
Ein weiterer Eckpfeiler der Disney Strategie ist die Zukunft von ESPN. CEO D’Amaro stellte klar, dass es keine Pläne gibt, ESPN oder ABC abzuspalten. Dies unterstreicht die anhaltende Bedeutung des Sportnetzwerks für Disney. Historisch gesehen war ESPN ein immenser Cashflow-Generator, der Akquisitionen wie Pixar, Marvel und Lucasfilm sowie den Bau von Themenparks finanzierte. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat ESPN in den letzten 30 Jahren rund 75 Milliarden US-Dollar an operativem Gewinn erwirtschaftet. Obwohl ESPN in den letzten Jahren aufgrund veränderter Sehgewohnheiten und steigender Sportrechte-Kosten mit sinkenden Gewinnen zu kämpfen hatte, lieferte es im Geschäftsjahr 2025 immer noch fast 3 Milliarden US-Dollar an operativem Einkommen. D’Amaro betonte, dass der Übergang von ESPN zu einem Direct-to-Consumer-Modell entscheidend für die zukünftigen Erträge sein wird.
Technologie und Storytelling als Wachstumstreiber
D’Amaro hob in einem Interview mit CNBC die Bedeutung von Technologie und Storytelling für das zukünftige Wachstum hervor. Er möchte das Unternehmen dazu bringen, „schneller und dringlicher zu agieren“ und „Technologie noch aggressiver einzusetzen“. Die jüngsten Quartalsergebnisse, die ein Umsatzwachstum von 7% zeigten, angetrieben durch die Themenparks und Kreuzfahrtlinien, belegen die Stärke dieser Segmente. D’Amaro äußerte sich jedoch unzufrieden mit dem aktuellen Aktienkurs von The Walt Disney Company, der in den letzten 12 Monaten um 8% gefallen ist und in den letzten zehn Jahren lediglich 10% zulegen konnte, während der S&P 500 sich mehr als verdreifachte. Er ist überzeugt, dass die Rückkehr zu attraktiven Renditen eng mit der erfolgreichen Umsetzung der Disney Strategie in den Bereichen Streaming, Filme und ESPN verbunden ist.
Kostenmanagement und politische Herausforderungen
Neben den Wachstumsinitiativen hat D’Amaro auch Kostensenkungen vorangetrieben. Kurz nach seinem Amtsantritt begann eine neue Runde von Entlassungen, die Hunderte von Mitarbeitern in verschiedenen Abteilungen, darunter ESPN, Pixar und National Geographic, betraf. Gleichzeitig sieht sich Disney zunehmendem politischem Druck ausgesetzt, insbesondere aufgrund von Sendungen auf ABC wie „Jimmy Kimmel Live!“ und „The View“. Die Federal Communications Commission (FCC) hat sogar eine Überprüfung der Sendelizenzen von Disney eingeleitet, was das Unternehmen als „rechtswidrig, willkürlich und verfassungswidrig“ zurückwies. Diese externen Faktoren könnten die Umsetzung der Disney Strategie zusätzlich erschweren.
Disneys strategische Ausrichtung im Kontext aktueller Marktentwicklungen
Die aktuellen Bemühungen von The Walt Disney Company um eine Neuausrichtung spiegeln sich auch in den jüngsten Quartalszahlen wider, bei denen die Parks und das Streaming-Segment die Aktie beflügelten, wie im Artikel „Disney Quartalszahlen: Parks und Streaming beflügeln die Aktie“ detailliert beschrieben. Gleichzeitig beobachten wir im breiteren Markt, wie andere Unternehmen im Streaming- und App-Bereich agieren, beispielsweise die Diskussion um die AppLovin Aktie nach einem Kursrutsch, die im Beitrag „AppLovin Quartalszahlen: Aktie nach 20% Kursrutsch eine Chance?“ beleuchtet wird.
„Ich bin nicht glücklich mit dem aktuellen Aktienkurs, und unsere Investoren sind es auch nicht. Aber ich denke, wir sind gut positioniert im Vergleich zur Unterhaltungsindustrie.“— Josh D’Amaro, CEO The Walt Disney Company
Die aktuelle Disney Strategie unter CEO Josh D’Amaro setzt auf eine umfassende Transformation von Disney+ zu einer “Super App” und die Stärkung von ESPN, um das Wachstum und die Kundenbindung zu fördern. Für Anleger bedeutet dies, dass der Fokus auf die erfolgreiche Umsetzung dieser Initiativen liegen wird, um den in den letzten Jahren stagnierenden Aktienkurs wieder anzukurbeln. Die nächsten Quartalszahlen und die Entwicklung der “Super App” werden zeigen, ob diese strategischen Weichenstellungen die gewünschten positiven Effekte erzielen können.



