Wie teuer wird Lufthansa das Urteil zu ihrer SAF-Werbung wirklich?
Was urteilte das OLG Köln zu Lufthansa Greenwashing?
Das Oberlandesgericht Köln wies die Berufung der Deutschen Lufthansa AG in einem wesentlichen Punkt zurück (Az. OLG Köln 6 U 68/25). Die Airline durfte nicht mehr behaupten, Kundinnen und Kunden könnten ihre flugbezogenen CO₂-Emissionen „direkt während der Buchung“ durch SAF reduzieren. Die Richter stellten klar: Der eingesetzte nachhaltige Flugkraftstoff wird nicht physisch in den konkreten Flug eingefüllt, sondern erst später in das Gesamtkerosinsystem eingespeist – oft mit erheblicher zeitlicher Verzögerung. Damit erwecke die Werbung bei Verbrauchern einen falschen Eindruck: ein vermeintlich unmittelbares, klimaneutrales Flugverhalten gegen Aufpreis. Dies sei irreführend und verstoße gegen § 5a UWG. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte die Klage eingereicht und damit bereits zum zweiten Mal nach dem Eurowings-Urteil 2024 gegen Lufthansa-Tochterunternehmen Erfolg.
Wie reagiert Lufthansa auf das Urteil?
Lufthansa bestätigte, die beanstandete Aussage bereits vor dem Urteil von ihrer Website gestrichen zu haben. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man verspreche Kunden nun den Einsatz des extra bezahlten SAF „innerhalb von sechs Monaten“. Zudem betonte man, das aktive Engagement der Fluggäste sei „eine tragende Säule der Nachhaltigkeitsstrategie“. Gleichzeitig begrüßte Lufthansa, dass das OLG festhielt, Aufklärungspflichten dürften nicht „überdehnt“ werden – etwa zu Kondensstreifen oder Lieferantenemissionen. Dennoch bleibt die Kritik an der Lufthansa Greenwashing-Praxis bestehen: Die DUH betont, dass Fliegen per se nicht klimaneutral sei – und SAF allein keine Lösung darstelle.
Welche Auswirkungen hat das Urteil auf den Aktienkurs?
Die Aktie der Deutschen Lufthansa AG (LHA) verlor am Mittwoch, 8. Juli 2026, intraday 7,29 % auf €9,22 – von €9,89 am Vortag. Der Kursrückgang erfolgte im Kontext eines breiten Risikoabbaus an den Märkten, ausgelöst durch die Eskalation im Iran-Konflikt und den sprunghaften Anstieg der Ölpreise. Doch das OLG-Urteil wirkte als zusätzlicher Belastungsfaktor. Besonders schwer wog die Abstufung durch die Citigroup auf „Sell“. Die Bank argumentierte, die Bewertung der Aktie sei „eine Wette darauf, dass der temporäre Rückenwind weiter bläst“, während Margen unter Druck stünden und Streikrisiken ungelöst blieben. Damit verstärkt sich der Eindruck einer strukturellen Vertrauenskrise – nicht nur bei Verbrauchern, sondern auch bei Investoren.
Was bedeutet das für die Zukunft der Nachhaltigkeitskommunikation?
Das Urteil setzt einen neuen Maßstab für Umweltwerbung im Luftverkehr. Es zwingt Airlines, präziser zu kommunizieren: nicht nur, *was* reduziert wird, sondern *wann*, *wie* und *in welchem Umfang*. Die fehlende Transparenz zur SAF-Einspeisung war entscheidend – nicht etwa die grundsätzliche Nachhaltigkeit des Kraftstoffs. Für die Deutsche Lufthansa AG wird es nun darauf ankommen, ihre Kundenansprache faktenbasiert und zeitlich konkret zu gestalten. Gleichzeitig bleibt die Forderung der DUH bestehen: Klimafreundlichkeit müsse sich auch in der Flugstrategie zeigen – etwa durch Verzicht auf Kurzstreckenflüge oder Kooperationen mit der Bahn. Ein Weg, den Apple oder Tesla bei ihren Nachhaltigkeitsberichten bereits konsequent verfolgen: klare Zielvorgaben, messbare Meilensteine, keine vagen Versprechen.
Die Werbung der Lufthansa war ein irreführender Marketingtrick. Denn die Beimischung funktioniert nicht so, wie von Lufthansa beworben.— Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe
Die Deutsche Lufthansa AG steht vor einer Zäsur: Sie muss nicht nur ihre Werbeaussagen, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit neu justieren. Das Urteil ist mehr als ein juristischer Einzelfall – es ist ein Signal an die gesamte Branche, dass Lufthansa Greenwashing keine akzeptable Strategie mehr ist. Für Anleger bedeutet das: Die Bewertung der Aktie hängt zunehmend von der Glaubwürdigkeit ihrer Nachhaltigkeitskommunikation ab – nicht nur von der Flugauslastung oder dem Ölpreis. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Lufthansa den Vertrauensverlust kompensieren kann. Für langfristige Anleger bleibt die Frage: Ist das Unternehmen bereit, echte ökologische Verantwortung zu übernehmen – oder bleibt es bei kosmetischen Anpassungen?



