Wie weit treibt Mercedes-Benz den Sparkurs noch, bevor der Widerstand im eigenen Haus kippt?
Warum verschärft Mercedes-Benz den Sparkurs?
Der Autobauer steht unter wachsendem Druck: Im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent, nachdem der Gewinn 2025 bereits von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen war. Zölle, negative Wechselkurseffekte und ein intensiver Wettbewerb in China belasten die Ergebnisse – doch das größte strukturelle Problem liegt im Heimatmarkt. Mercedes-Benz Group AG verweist auf eine „dramatische“ Situation in Deutschland: Die Werkskapazität liegt deutlich über dem Bedarf, der Krankenstand ist international vergleichsweise hoch, und die jährliche Zahl der Arbeitstage niedriger. Zugleich erwirtschaftet der Konzern nur rund 15 Prozent seines Umsatzes im deutschen Heimatmarkt – bei über zwei Dritteln der Beschäftigten hierzulande. Diese Diskrepanz treibt den Mercedes-Benz Sparkurs weiter voran.
Welche konkreten Maßnahmen folgen beim Mercedes-Benz Sparkurs?
Der Vorstand hat drei Sofortmaßnahmen beschlossen: Erstens wird die tarifliche Sonderzahlung – der sogenannte „Transformationsbaustein“ in Höhe von 18,4 Prozent des Monatsentgelts – von Juli 2026 auf April 2027 verschoben. Zweitens soll die 35-Stunden-Woche in Deutschland auf 40 Stunden ausgedehnt werden – ohne Lohnausgleich. Drittens plant Mercedes-Benz Group AG eine stärkere Verlagerung von Produkten und Verwaltungsfunktionen in wettbewerbsfähigere Standorte wie Ungarn, Polen oder China. Schätzungsweise spart die Sonderzahlungsverschiebung einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ein. Für Führungskräfte gilt bereits seit zwei Jahren eine Nullrunde beim Gehalt – ergänzt durch ein neues, strenger an den Unternehmenserfolg gekoppeltes Bonusmodell.
Wie reagiert der Betriebsrat auf den verschärften Sparkurs?
Der Gesamtbetriebsrat von Mercedes-Benz Group AG kritisiert die Maßnahmen scharf. In einer Presseerklärung vom Freitagmittag bezeichnete er die Verschiebung der Sonderzahlung als „einseitige Entscheidung des Unternehmens“ und betonte, dass die Ursachen der Krise – von China über geopolitische Spannungen bis zu steigenden Energiepreisen – nicht bei den Beschäftigten lägen. „Trotzdem sollen jetzt erneut die Beschäftigten einen erheblichen Teil der Last tragen“, heißt es in der Stellungnahme. Der Vorstoß zur Arbeitszeitverlängerung sei „gerade vor dem Hintergrund einer teilweise geringeren Auslastung an den deutschen Standorten kein überzeugendes Zukunftskonzept“. Der Betriebsrat warnt zudem, dass tarifliche Verhandlungen ohne Öffnung durch IG Metall und Arbeitgeberverband aktuell gar nicht möglich seien.
Was sagen Analysten zum neuen Sparkurs von Mercedes-Benz?
Der Erfolg unserer Produktoffensive droht zu verpuffen, wenn zu hohe Kosten die Erträge auffressen.— Mercedes-Benz Group AG Vorstand
Die Reaktionen der Analystencommunity sind klar: Citigroup bestätigte am Freitagvormittag ihr „Neutral“-Rating für Mercedes-Benz Group AG und hob das Kursziel leicht auf 46 Euro an – mit der Begründung, dass der verschärfte Mercedes-Benz Sparkurs „die kurzfristige Free-Cashflow-Position stützen könnte“. RBC Capital Markets stuft den Konzern weiter als „Underperform“, verweist aber auf „signifikante operative Risiken“ durch die geplante Arbeitszeitverlängerung und die politische Sensibilität der Maßnahmen. Goldman Sachs sieht mittelfristig Potenzial, „sofern die Produktoffensive 2025–2027 tatsächlich zu einer Margenverbesserung führt – doch der Erfolg droht zu verpuffen, wenn zu hohe Kosten die Erträge auffressen“, zitiert die Bank eine zentrale Passage aus dem Vorstandsbrief. Die aktuelle Aktie notiert bei €43,53 – ein Minus von 2,46 Prozent zum Vortag, aber immer noch deutlich über dem 52-Wochen-Tief von €37,11.



