Kann MicroStrategy STRC den Peg noch halten, oder ist das Finanzierungsmodell bereits gekippt?
Warum bricht MicroStrategy STRC den Peg?
MicroStrategy STRC ist konstruiert, um stabil bei 100 Dollar zu handeln – ein Mechanismus, der neue Emissionen und damit Bitcoin-Käufe erst dann ermöglicht, wenn der Kurs diesen Wert erreicht oder übersteigt. Doch seit Mitte Juni notiert die Vorzugsaktie kontinuierlich darunter: Am 18. Juni fiel sie auf 85,32 Dollar, was einem Abstand von 14,7 Prozent vom Zielwert entspricht. Der Grund liegt in der Kombination aus schwachem Bitcoin-Kurs – unter 63.000 Dollar – und steigendem Zinsdruck nach der jüngsten hawkischen Fed-Entscheidung. Kraken-Chefökonom Thomas Perfumo bestätigt die enge Kopplung: Etwa 86 Prozent der Schwankungen bei STRCs Renditespread folgen direkt der Bitcoin-Entwicklung. Damit verliert das Instrument seine versprochene Stabilität und wird zu einem hochgradig korrelierten, hebelwirkenden Bitcoin-Betrieb.
Wie reagiert MicroStrategy Incorporated auf den Druck?
MicroStrategy Incorporated hat kürzlich die Dividendenauszahlung für STRC auf halbmonatliche Zahlungen umgestellt – eine Maßnahme, die laut TradingView dazu dienen soll, die Attraktivität für Anleger zu erhöhen und die Finanzierungssicherheit zu stärken. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, 1.550 Bitcoin im Wert von 101 Millionen Dollar gekauft zu haben. Doch diese Aktivität ist nicht mehr durch neue STRC-Emissionen finanziert, sondern erfolgt aus internen Mitteln – ein klarer Hinweis darauf, dass der ursprüngliche Kreislauf unterbrochen ist. CEO Phong Le hatte bereits im Q1-Call klargestellt: Unterhalb eines mNAV-Verhältnisses von 1,22x wird es „akkrutiver“, Bitcoin zu verkaufen, um Dividenden zu bedienen, als neue Aktien oder STRC zu platzieren.
Welche Szenarien sehen Analysten für MicroStrategy STRC?
Jeff Dorman, Chief Investment Officer von Arca, skizziert drei Szenarien – mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit geht er davon aus, dass MicroStrategy Incorporated weiterhin kleine Mengen an MSTR verkauft, um Liquidität zu generieren. Das würde den Kurs weiter unter Druck halten, bis er auf rund 0,70 mNAV sinkt. Ein zweites Szenario mit 25-prozentiger Wahrscheinlichkeit sieht den Verkauf von drei bis vier Milliarden Dollar Bitcoin durch Michael Saylor, um Schulden zu reduzieren – ein Schritt, der kurzfristig Bitcoin belasten, langfristig aber die Struktur stabilisieren könnte. Ein drittes Szenario bleibt offen. Goldman Sachs hat bisher kein neues Kursziel für MicroStrategy STRC veröffentlicht, doch RBC Capital Markets verweist in einer jüngsten Analyse auf die zunehmende „Kapitalstruktur-Vulnerabilität“ bei hochgehebelten Bitcoin-Treasuries.
Was bedeutet der STRC-Absturz für Bitcoin und andere Krypto-Treasuries?
Der Absturz von MicroStrategy STRC wirkt als Frühindikator für das gesamte Segment: Strive’s SATA-Vorzugsaktie profitiert aktuell von der Schwäche – ihr Handelsvolumen stieg nach der Einführung täglicher Dividenden um 215 Prozent auf rund 53 Millionen Dollar. Gleichzeitig warnen Kritiker wie Peter Schiff, dass STRC „der offensichtlichste Ponzi sei, der jemals gebaut wurde“. Der Vergleich ist nicht nur polemisch: Wenn der Peg dauerhaft bricht, verliert MicroStrategy Incorporated nicht nur ein Finanzierungsinstrument, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit als langfristiger Bitcoin-Halter. Für die Branche bedeutet das: Jede neue Krypto-Treasury wird künftig an STRCs Schicksal gemessen werden – insbesondere im Hinblick auf mNAV-Deckung, Schuldenstruktur und Hebelwirkung. Auch Tesla und Apple beobachten die Entwicklung aufmerksam, da sie selbst im Fokus von Bitcoin-Strategie-Diskussionen stehen.
Wir haben eine dynamische Kapitalallokationsstrategie. An jedem Tag können wir Bargeld nutzen, Bitcoin verkaufen, MSTR-Aktien oder Kreditinstrumente wie STRC verkaufen.— Phong Le, CEO von MicroStrategy Incorporated
MicroStrategy STRC bleibt damit ein zentraler Testfall für die Nachhaltigkeit digitaler Asset-Treasuries. Der aktuelle Kursverfall zeigt, dass selbst eine scheinbar robuste Struktur unter Marktdruck brüchig werden kann – vor allem, wenn der zugrundeliegende Asset, Bitcoin, selbst unter Zins- und Dollar-Druck gerät. Für Anleger ist klar: Die Entscheidung über den nächsten Schritt liegt nicht mehr allein bei Michael Saylor, sondern bei den Märkten – und bei der Fed.




